Kiezblocks für Berlin
Veranstaltungsbericht

Internationales Städtenetzwerk diskutiert in Berlin über Superblocks

Auf Einladung des Difu fand ein inspirierender internationaler Erfahrungsaustausch zum hochaktuellen Thema der Superblocks – in Berlin Kiezblocks genannt – statt. Die Gäste diskutierten, wie verkehrsberuhigte Stadtviertel durch Superblocks geschaffen werden können.  

An dem internationalen Meeting, das im Rahmen des Forschungsprojekts TuneOurBlock vom 11.-13. Oktober am Berliner Difu-Standort stattfand, waren zahlreiche Fachleute vertreten. Projektpartner kamen aus Österreich (u.a. Stadt Wien, TU Wien), Slovenien (Geografisches Institut) und Berlin (Difu, RIFS Potsdam - Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit, Changing Cities e.V.). Darüber hinaus waren zahlreiche Teilnehmende aus Verwaltungen und Politik der Städte Amsterdam, Barcelona, Bremen, Brüssel, Gent, Hannover, Leipzig, Lodz, London, Rotterdam, Zürich sowie aus verschiedenen Berliner Bezirken und der Berliner Senatsverwaltung für Verkehr dabei.

Wie gelingt die urbane Transformation trotz Hindernissen?

Viele Städte erleben derzeit einen politischen „Backslash“. So wurden in Barcelona weitere geplante Superblocks nach der Kommunalwahl im Mai 2023 auf Eis gelegt. Auch in den Berliner Bezirken wird nach der Abgeordnetenhauswahl vom 12. Februar 2023 ein Stopp der finanziellen Unterstützung befürchtet. Dass Transformationsprozesse in den Kommunen zunächst Widerstand auslösen sei jedoch normal, so die einhellige Erfahrung der internationalen Städtevertreter*innen. Bedeutsam sei die Kommunikation mit der Bürgerschaft sowie eine mutige Kommunalpolitik mit einer klaren Vision für die Zukunft der Stadt, um der Verwaltung den Rücken zu stärken.

Die Stadt Barcelona hat aus ihren ersten Projekten im Stadtteil Poblenou gelernt und den Austausch mit der Bevölkerung im Rahmen der Planung der weiteren Superblocks inzwischen intensiviert. Weitere Städtevertreter*innen berichteten bei dem Meeting von einem verzerrten Meinungsbild in den Medien, wenn beispielsweise laute Widersacher in der Presse viel Gehör finden, die ruhige, aber zustimmende Mehrheit der Bevölkerung jedoch kaum in den Medien zu Wort kommt. In der Kommunikation ist es wichtig und erfolgreich, frühzeitig und proaktiv den Gewinn durch Kiezblocks für Anwohnende und Gewerbetreibende in den Vordergrund zu stellen: mehr soziale Interaktion in den Quartieren, weniger Unfälle und verletzte Personen, ein florierendes lokales Gewerbe, weniger Lärm und Hitzestau, bessere Luft und damit eine bessere Gesundheit, Umwelt- und Klimaschutz. In deutschen Städten dominieren in der Kommunikation häufig Verkehrsaspekte, was den Gewinn an Lebensqualität in den Hintergrund drängt. Deutlich wurde, dass temporäre Maßnahmen wie Markierungen, verkehrslenkende Maßnahmen, Sitzgelegenheiten und bewegliche Pflanzkübel helfen, den Mehrwert der Superblocks erlebbar zu machen. Daher sollten sie zum festen Bestandteil eines Planungsprozesses werden. Manche der Teilnehmenden bezeichneten temporäre Umsetzungen sogar als „das neue Normal“.

Best-Practice-Beispiele und Zukunftspläne

Neben dem Umgang mit Gegenwind wurden auch viele ermutigende Erfahrungen ausgetauscht. Wien hat im Oktober den Spatenstich zur dauerhaften Umsetzung des Supergrätzels „Favoriten“ gefeiert. Die Verwaltung des Berliner Bezirks Mitte hält an der Einrichtung von zwölf Kiezblocks bis zum Jahr 2026 fest. In Gent fordert die Wohnbevölkerung eine Ausweitung der erfolgreichen Verkehrsberuhigung der Innenstadt auf ihre Wohnviertel. Die Stadt Lodz berichtet, dass die Umsetzung flächenhafter Verkehrsberuhigungsmaßnahmen zu einer Revitalisierung der Innenstadt beiträgt. Immer mehr deutsche Städte prüfen die Einführung von Superblocks. Hannover hat zum Beispiel eine Machbarkeitsstudie von drei exemplarisch ausgewählten Stadtvierteln in Auftrag gegeben. Und Anfang November findet auf Einladung des Vereins Changing Cities die erste bundesweite Superblock-Konferenz in Darmstadt statt. Viele Städte haben mittlerweile die Vorteile dieser menschen- und umweltfreundlichen Lebensumfeldgestaltung für sich entdeckt.