Kommunen wollen Infrastrukturinvestitionen 2026 auf 50 Milliarden Euro steigern
Laut KfW-Kommunalpanel 2026 steigen die geplanten Investitionen von 2025 auf 2026 um 14,8 Prozent deutlich. Zugleich erreicht der wahrgenommene Investitionsrückstand mit 231,2 Mrd. Euro ein Rekordniveau.
Berlin. Die Kommunen in Deutschland weiten die für 2026 im Vergleich zu 2025 geplanten Investitionen stark aus. Bei der jährlichen vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) durchgeführten Befragung zum KfW‑Kommunalpanel gaben sie an, im Jahr 2026 mit Sachinvestitionen von rund 50 Milliarden Euro zu kalkulieren. Die größten Anteile entfallen auf Schulen (27 Prozent), Straßen- und Verkehrsinfrastruktur (23 Prozent) sowie den Brand- und Katastrophenschutz (10 Prozent).
Für das Haushaltsjahr 2025 hatten die Kommunen noch mit deutlich weniger – 44 Milliarden Euro – geplant. Der Anstieg um 14,8 Prozent liegt deutlich über der durchschnittlichen Veränderung der Planinvestitionen der Vorjahre. „Die Steigerung der geplanten Sachinvestitionen von 2025 auf 2026 um 14,8 Prozent dürfte auch mit den Erwartungen der Kommunen an das Sondervermögen zusammenhängen", kommentiert Professor Dr. Jochen Monstadt, Wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu). „Es stellt sich allerdings nicht nur die Frage, ob diese geplanten Investitionen tatsächlich realisiert werden können, sondern auch, inwieweit notwendige Aufgaben der Modernisierung kommunaler Infrastruktur, etwa im Klimaschutz, der Klimaanpassung und der Wärmewende, von der nationalen Förderung profitieren.“
Erfahrungsgemäß bleiben die umgesetzten Vorhaben hinter den Plänen zurück und es werden nur etwa zwei Drittel des avisierten Volumens tatsächlich verausgabt. Die Lücke zwischen geplanten und realisierten Investitionen ist ein inzwischen gut dokumentiertes Phänomen. Grund dafür sind auch nicht-finanzielle Investitionshindernisse wie aufwendige Genehmigungs- und Vergabeverfahren oder Personalmangel in den Bauverwaltungen.
Die finanzielle Lage der Kommunen hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter verschärft. Laut KfW-Kommunalpanel 2026 liegt der wahrgenommene Investitionsrückstand inzwischen bei 231,2 Milliarden Euro, einem Rekordwert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um 15,5 Milliarden Euro beziehungsweise 7,2 Prozent. Seit 2018 ist der nominale Investitionsrückstand um 67 Prozent angestiegen; real verbleibt ein Zuwachs von sieben Prozent.
Die größten Rückstände bestehen weiterhin in der Schulinfrastruktur (68,9 Milliarden Euro) sowie bei den Straßen (53,7 Milliarden Euro). Allerdings gab es bei diesen Rückständen zuletzt nur noch geringe Zuwächse. Auffällig hingegen ist der Anstieg der Rückstände, die die Kämmereien in den Bereichen Sportstätten (plus sechs Milliarden Euro), Katastrophenschutz (plus 3,2 Milliarden Euro) und Verwaltungsgebäude (plus 2,8 Milliarden Euro) ausmachen.
Besorgniserregend ist, dass viele Kommunen sich nicht mehr in der Lage sehen, den laufenden Unterhalt ihrer Infrastruktur zu gewährleisten. Dazu gehören beispielsweise kleinere Reparaturen. Besonders gravierend ist die Situation im Straßen- und Verkehrsbereich: 30 Prozent der Kommunen geben an, den Unterhalt gar nicht oder nur in geringem Umfang gewährleisten zu können. Mitunter werden dann Schlaglöcher oder Aufwölbungen einer Straße nicht beseitigt. Besonders in Ostdeutschland sehen sich Kämmereien in einer Notlage, dort gaben 47 Prozent an, den Unterhalt ihrer Verkehrsinfrastruktur nicht oder nur in geringem Umfang sicherstellen zu können.
Ein Fokus der diesjährigen Analyse im Rahmen des KfW-Kommunalpanels wurde auf kommunale Beteiligungsunternehmen gelegt. Die Analyse zeigte deutliche Unterschiede in der wirtschaftlichen Tragfähigkeit öffentlicher Unternehmen mit kommunaler Beteiligung. 97 Prozent der Energieunternehmen tragen sich selbst, 51 Prozent haben zuletzt sogar Überschüsse an die Kernhaushalte der Kommunen abgeführt. Bei den Wasserversorgern führten immer noch 27 Prozent der städtischen Unternehmen Geld an die Kommune ab, bei Wohnungsunternehmen 23 Prozent. Demgegenüber mussten 61 Prozent der Kommunen mit Kulturbeteiligungen Verluste ausgleichen, im Sportbereich und beim ÖPNV war dies in 60 Prozent bzw. 52 Prozent der Fälle notwendig.
„Der Blick auf die Stadtwerke ist wichtig, weil dort besonders umfangreiche Transformationsinvestitionen anstehen“, sagt Difu-Projektleiter Dr. Christian Raffer. Es sei zwar erfreulich, dass viele Kommunen in den letzten Jahren Überschüsse in ihren Stadtwerken belassen haben, um deren Investitionskraft zu stärken. „Gerade kleinere, finanzschwache Stadtwerke haben aber oft eine Eigenkapitallücke. Die muss geschlossen werden, damit der Umbau der Infrastruktur nicht noch weiter ins Stocken gerät.“
Hintergrund
Das KfW-Kommunalpanel beruht auf einer bundesweit repräsentativen Befragung der Kämmereien von Städten und Gemeinden mit mehr als 2.000 Einwohnern sowie allen Landkreisen. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) führt diese im Auftrag von KfW Research seit 2009 jährlich durch. Die Befragung für die aktuelle Auswertung fand im ersten Quartal 2026 statt. Insgesamt wurden rund 2.900 Kommunen befragt, die Rücklaufquote lag bei – für solche Befragungen sehr hohen – 37 Prozent. Damit liefert das KfW-Kommunalpanel ein belastbares Stimmungsbild zur Finanzsituation und zu den Investitionsaktivitäten der Kommunen.
Dr. Christian Raffer
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Dr. Henrik Scheller
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Sybille Wenke-Thiem
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