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Difu-Berichte 1/2015 - Baukultur – unerlässlich für die Zukunft der Städte

Daniela Michalski, Foto: David AusserhoferDie meisten Menschen leben gerne an dem Ort, an dem sie wohnen – besonders in den großen Städten. Dieses Ergebnis hat die Bevölkerungsumfrage zum Baukulturbericht 2014/15 offen gelegt, den das Difu im Auftrag der Bundesstiftung Baukultur zusammen mit der TU Berlin erarbeitet hat. Vor allem wird die Nähe zur Natur, aber auch die Erreichbarkeit von Infrastrukturangeboten in den Städten geschätzt. Ist das Planen und Bauen in Deutschland also auf einem guten Weg? Sind die Städte für die Zukunft gewappnet?  Und welche Rolle spielt dabei die Baukultur?

Baukultur: die Kombination vieler Einzelaspekte
Baukultur – das Schaffen von Qualitäten in der gebauten menschlichen Umwelt – ist notwendig für die Zukunftsfähigkeit unserer Städte und Gemeinden, denn fehlt die Qualität, ist kaum ein Bauwerk von Bestand. Baukulturelle Qualitäten machen sich fest an einer ganzen Reihe von Einzelaspekten, die jeweils für sich genommen noch wenig qualitative Wirkung entfalten, in der Kombination aber ein Vorhaben zu einer hochwertigen Baumaßnahme machen können.  Die integrierte Betrachtung, Berücksichtigung und Umsetzung möglichst vieler planerischer Belange steht gewissermaßen für baukulturelle Qualität.

Die Kommunen sind sich dieser ganzheitlichen Herangehensweise von Baukultur vollauf bewusst: Insgesamt 15 mögliche Qualitätskriterien finden in der Difu-Kommunalbefragung zum Baukulturbericht breite Zustimmung. Die höchste Priorität genießen aus kommunaler Sicht die Aspekte Ästhetik und Gestaltung, lokale Identität und die Sicherung bzw. Pflege des schützenswerten Gebäudebestands. Technischen Innovationen wird dagegen weniger baukulturelle Bedeutung beigemessen. Das wundert zunächst, scheint doch das Bauen von heute stark unter dem Zeichen der smart technologies zu stehen. Letztlich wird aber genau an diesem Beispiel der integrierte Ansatz von Baukultur deutlich: Für sich genommen stellt Technik noch keinen bleibenden Wert dar, in Kombination mit weiteren Aspekten kann sie aber einen entscheidenden Beitrag zur Qualität eines Bauvorhabens leisten.

Für die Bevölkerung sind es in erster Linie die Instandhaltung und Sanierung historischer Bausubstanz, gestalterische Aufgaben in der Stadtplanung, der Stil und die Anpassung von Gebäuden an neue Bedarfe, welche mit Baukultur gleichgesetzt werden. Dieses Augenmerk auf den Baubestand ist von hoher Bedeutung, denn die überwiegende Bautätigkeit in den Städten und Gemeinden konzentriert sich mittlerweile auf den Umbau und die Anpassung vorhandener Strukturen, nicht auf den Neubau.

Die Herausforderung für Baukultur: gesellschaftliche Transformationsprozesse

Es ist genau dieser ständige Umbau- und Anpassungsbedarf, der die Baukultur vor immer neue Herausforderungen stellt. Klimaschutz und Klimawandel, sozio-kulturelle Veränderungen in der Bevölkerung, neue Technologien – aufgrund sich ändernder gesellschaftliche Rahmenbedingungen müssen Stadtstrukturen,  Gebäude und öffentliche Räume permanent nachgerüstet werden. Besonders deutlich wird dies  an den Folgen des demografischen Wandels. Eine immer älter werdende Bevölkerung benötigt barrierefreie Stadt- und Gebäudestrukturen, doch nur 1% des deutschen Wohnungsbestandes verfügt laut Pressemitteilung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB Pressedienst Nr. 023/14 – Bauen/Wohnen) bislang über eine entsprechende Ausstattung. Folglich muss eine Vielzahl an Gebäuden in absehbarer Zeit unter Beweis stellen, ob sie dieses Anpassungserfordernis bewerkstelligen kann und zukunftsfähig bleibt.

Die Folgen des demografischen Wandels bewirken noch weitreichendere Folgen: Sie führen derzeit zu ganz unterschiedlichen Wachstumsdynamiken im Land– mit deutlichen baukulturellen Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der Städte und Gemeinden. Vor allem stark schrumpfende Regionen, Städte und Gemeinden kämpfen aufgrund von Abwanderungstendenzen und rückläufigen Geburtenraten mit Leerstand, untergenutzten Infrastrukturen, schwindenden Einnahmen und der Gefährdung der Daseinsvorsorge. Dies führt zu einem enormen Handlungsdruck, der zunächst die kostspielige Aufrechterhaltung von Infrastrukturen für immer weniger Menschen beinhaltet und schließlich im Rückbau von Siedlungsflächen und mitunter auch von erhaltenswerten Gebäuden mündet. Demgegenüber prosperieren große Städte derzeit aufgrund von Zuzügen. Knapper Wohnraum, steigende Mieten, Bodenspekulation, Nutzungs- und Zeitdruck begleiten vielerorts das Planen und Bauen und bewirken oftmals – bei allen positiven Effekten, die mit zunehmenden Einwohnerzahlen einhergehen – banale Bauwerke.

Das Ziel von Baukultur: lokale Identitäten
Wie können die Kommunen ihre Gebäude und Stadträume unter diesen Vorzeichen so umbauen, anpassen, weiterentwickeln und gestalten, dass Strukturen und Gebäude zum einen zukunftsfähig sind, zum anderen lokale Identitäten bewahren bzw. überhaupt herausbilden? Auch hier erweist es sich als spannend, einen Blick auf die Umfrageergebnisse der Bevölkerungs- und Kommunalbefragung zum Baukulturbericht zu werfen.

Lokale Identität erfordert Unverwechselbarkeit. Dies gelingt unter anderem über das äußere Erscheinungsbild von Gebäuden und öffentlichen Räumen. Das Aufgreifen von lokalen Bauweisen, die Verwendung regionaltypischer Baumaterialien, moderne Akzente bei gleichzeitiger Rücksichtnahme auf die vorhandene Umgebung – Kommunen haben bei ihren Baumaßnahmen zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten, um die Qualifizierung von Standorten voranzutreiben. Gefragt nach der tatsächlich umgesetzten Qualität in ihren Kommunen gaben die Kommunalvertreter entsprechend auch den eigenen Projekten gute Noten, private Bauvorhaben der letzten fünf Jahre standen dagegen stark in der Kritik. Hier werden Gestaltungsdefizite wahrgenommen, die aus kommunaler Sicht einer dringenden Gegensteuerung bedürfen. Nach eigener Einschätzung könne dies nur über eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit und eine Sensibilisierung sämtlicher relevanter Akteursgruppen gelingen.

Im Gegensatz zu den Kommunen stößt die Qualität von Baumaßnahmen in der Bevölkerung auf grundsätzlich positive Resonanz: Die Mehrheit der Befragten gab an, bauliche Veränderungen – sofern wahrgenommen – als Verbesserung zu erleben. Das schließt Offenheit gegenüber einem „Mehr“ an Sensibilisierung und Information jedoch keineswegs aus: Knapp ein Viertel der Bevölkerung äußerte den Wunsch, besser über das Baugeschehen im eigenen Umfeld informiert zu werden.

Für zukunftsfähige Lebensräume ist gerade diese Ansprache von Akteuren und interessierten Bevölkerungsgruppen grundlegend, denn qualitätvoll Bauen, Umbauen und Weiterbauen heißt vor allem,  für die Nutzerinnen und Nutzer von Gebäuden und Räumen die richtigen baulichen Antworten zu finden. Gezielte Öffentlichkeitsarbeit schafft dabei die Voraussetzung für eine Beteiligungskultur, welche eine qualifizierte  Mitwirkung der Bevölkerung an baulichen Entscheidungen zum Ziel hat – und diese Form der Teilhabe führt schließlich zu Identifikation und lokaler Identität.

Wichtig für Baukultur: Vorbilder, Ideen und Experimente
Für qualitätvolles Bauen gibt es kein Patentrezept. Gute bauliche Lösungen sind immer das Ergebnis eines langen Planungs- und Aushandlungsprozesses mit zahlreichen Beteiligten. Zugunsten einer möglichst hohen Konsensfähigkeit entstehen jedoch häufig Kompromisse, unter denen die Ideen- und Gestaltungsvielfalt im Land leidet. Auch eine umfangreiche Palette an Vorschriften und Normen verhindert oft interessante Lösungsansätze. Doch für die Qualität von Planungs- und Bauprozessen ist es von Zeit zu Zeit unerlässlich, auszuprobieren, zu experimentieren und neue Wege gehen zu dürfen.

Auf allen Planungs- und Umsetzungsebenen, national wie international, finden sich Institutionen, Initiativen, Vorreiter und Vordenker, die sich mit guten Ideen und viel Engagement für mehr Baukultur im Land einsetzen. Arnsberg vermittelt sportfreudigen Besuchern, Touristen und Einheimischen die Qualitäten der Stadt bei einem acht Kilometer langen Jogginglauf. Niklas Maak preist in seinem Buch „Wohnkomplex. Warum wir andere Häuser brauchen.“ Innovationen nach japanischem Vorbild an. Die Baugenehmigungsbehörden in den Niederlanden unterziehen das private Wohneigentum einer Qualitätskontrolle, indem sie bei Umbauten die optische und funktionale Aufwertung des Gebäudes zur Voraussetzung machen.

Könnte letzteres Beispiel nicht ein gutes Motiv für die Zukunft von Baukultur sein? Jedes Vorhaben sollte künftig zu einer erkennbaren Verbesserung, Qualifizierung und Verschönerung unserer gebauten Umwelt beitragen. So manche (energetische) Baumaßnahme müsste daraufhin erneut auf den Prüfstand.

Quellen und Tipps zum Weiterlesen:

  • Bundesstiftung Baukultur (Hrsg.) (2014): Baukulturbericht 2014/15. Gebaute Lebensräume der Zukunft – Fokus Stadt. Potsdam.
  • Bundesstiftung Baukultur (Hrsg.) (2014): Baukulturbarometer 2014/15. Gebaute Lebensräume der Zukunft – Fokus Stadt. Begleitband zum Baukulturbericht. Potsdam.
  • Niklas Maak (2014): Wohnkomplex. Warum wir andere Häuser brauchen. München.
  • Robert Kaltenbrunner (2015): Effizienz oder Kultur? Zu den Untiefen der energetischen Erneuerung. In: Forum Stadt. Schwerpunkt Nachkriegsmoderne: Was bleibt? – Wertung und Bewertung der Architektur der 1960er bis 1970er Jahre. 1/201542. Jahrgang. Esslingen.
Weitere Informationen: 

Dipl.-Ing. Daniela Michalski
Telefon: 030/39001-270
E-Mail: michalski@difu.de

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