Bis 31. Juli 2026 bewerben: Interessierte Kommunen für Gemeinschaftsstudie gesucht!
Doughnut Data Portrait – Kommunale Nachhaltigkeitssteuerung für Kommunen im sicheren und gerechten Handlungsraum.
Für eine partizipativ angelegte Gemeinschaftsstudie zum Thema Donut-Ökonomie suchen das Deutsche Institut für Urbanistik und ICLEI Europe Kommunen aller Größenklassen, um gemeinsam in einem strukturierten Diskussionsprozess die Möglichkeiten und Handlungsfelder zu eruieren, die dieser Ansatz für die eigene Stadt bzw. Region bietet. Dazu werden u. a. durch die Vorstellung von Best-Practice-Ansätzen zentrale Aspekte einer Donut-Ökonomie beleuchtet und indikatorenbasierte Bestandsaufnahmen – sogenannte Doughnut Data Portraits – für ausgewählte Kommunen erstellt. Ziel ist es, die beteiligten Kommunen mit der Bereitstellung geeigneter Indikatoren und Methoden dazu zu befähigen, eigene Bestandsaufnahmen nach der Donut-Ökonomie aufzusetzen und diese als Grundlage für das kommunale Nachhaltigkeitsmanagement zu nutzen.
Der Ansatz der Donut-Ökonomie nach der britischen Ökonomin Kate Raworth greift verschiedene Stränge der Nachhaltigkeits- und Stadtentwicklungsdebatte auf, die maßgeblich durch die globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) und die Neue Urbane Agenda der Vereinten Nationen geprägt wird. Mit einer regenerativen und distributiven Wirtschaftsweise soll sichergestellt werden, dass das „soziale Fundament“ und die „ökologische Decke“ eingehalten werden. Denn zwischen beiden Ebenen liegt der sichere und gerechte Handlungsraum für die Menschheit – der Donut. Um eine Entwicklung dahingehend zu verwirklichen, braucht es politisch zu definierende Zielwerte und Indikatoren sowie ein Monitoring, mit dem entsprechende Fortschritte gemessen werden.
Die Gemeinschaftsstudie verfolgt das Ziel, die Donut-Ökonomie für die kommunale Nachhaltigkeitssteuerung zu quantifizieren und anhand von Bestandsaufnahmen („Doughnut Data Portraits“) in Städten, Landkreisen und Gemeinden Learnings für eine breite Anwendung des Konzepts zu generieren. Damit wird die etablierte SDG-Governance durch eine aggregierte Indikatorik, visualisierte kommunale Nachhaltigkeit und nachvollziehbare Kommunikation ergänzt.
Ziele des Vorhabens sind,
- im Verbund von mindestens zehn Städten und mit weiteren Vorreiterkommunen die Kompetenzen für ein eigenes Donut Data Portrait aufzubauen,
- Indikatorenansätze für die Lokalisierung globaler Sozial- und Umweltherausforderungen zu entwickeln,
- Schnittstellen zwischen dem Doughnut Data Portrait und einem weiterführenden kommunalen Nachhaltigkeitsmanagement aufzuzeigen.
Die geplante Gemeinschaftsstudie verbindet Städte, die über unterschiedliche Vorerfahrungen bei der Nachhaltigkeitsindikatorik verfügen. Das Design der Studie ist deshalb diskursiv und auf einen gemeinschaftlichen Erarbeitungsprozess hin angelegt. Die analytischen Vorarbeiten des Difu werden dabei immer wieder in Workshops mit den Kommunen gespiegelt und reflektiert. In dem so angelegten Prozess wird hinreichend Raum sowohl für einen wechselseitigen Austausch über Best-Practice-Beispiele bzw. Erfahrungen von Vorreiterkommunen als auch für die Analyse von Einzelfallbeispielen bestehen.
Warum lohnt sich eine Mitwirkung?
Das Projekt bietet nicht nur die Chance, sich zu einer Pionier-Kommune „Donut-Ökonomie“ in Deutschland weiterzuentwickeln, sondern darüber hinaus von den Erfahrungen anderer europäischer Städte zu lernen.
Konkret profitieren teilnehmende Kommunen von folgenden Vorteilen:
- Aufarbeitung und Analyse unterschiedlicher Ansätze der Messbarkeit kommunaler Nachhaltigkeit im Sinne der Donut-Ökonomie
- Aneignung von Know-How zur Entwicklung eines eigenen Doughnut Data Portraits auf Basis von Erfahrungen nationaler und internationaler Beispiele, das perspektivisch fortgeschrieben werden kann
- Gemeinsame Entwicklung von Nutzungspfaden der gesammelten Daten für Kommunikation und Steuerung der kommunalen Nachhaltigkeit
- Reflektion der kommunalen Handlungsspielräume im Gesamtgefüge der nachhaltigen Entwicklung mit besonderem Fokus auf Spillover-Effekte, Wachstumsagnostik und Mehrebenengovernance
- Fachlicher Erfahrungsaustausch im Rahmen von Workshops mit den Partnerkommunen und Fachexpertinnen und -experten
- Möglichkeiten zur Netzwerkbildung zwischen Partnerkommunen und internationalen Akteuren
Projektablauf
- Gemeinsamer Wissensaufbau
Zu Beginn des Projekts werden die Grundlagen eines datenbasierten „kommunalen Donuts“ erarbeitet. In einer Workshop-Reihe stellen Forschungseinrichtungen den aktuellen Wissensstand und Kommunen ihre Erfahrungen vor. Internationale Best Practices zeigen, wie die ökologische und soziale Dimension des Donut-Modells lokalisiert und entsprechende Indikatorik entwickelt werden können. Ziel ist es in insgesamt vier Workshops Theorie und Praxis „kommunaler Donuts“ zu synthetisieren. Inhaltlich adressieren die Workshops sowohl den konzeptionellen Rahmen für eine zukunftsfähige Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung, Fragen der sozialen Gerechtigkeit, der ökologischen Belastungsgrenzen und des systemischen Denken in Kommunen miteinander („Seven ways to think like a 21st Century Economist“). - Entwicklung kommunaler Donuts
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Entwicklung von spezifischen Daten-Donuts für drei ausgewählte Modellkommunen. Aufbauend auf dem Beispiel des Rhein-Kreis Neuss werden bestehende Datenquellen aus der amtlichen Statistik sowie aus Forschungsvorhaben daraufhin geprüft, inwieweit sie die ökologischen und sozialen Dimensionen des Donut-Modells abbilden können. Wo Datenlücken bestehen, werden geeignete Indikatoren entwickelt oder bestehende Ansätze weiterentwickelt. Die Erkenntnisse aus der Erarbeitung der Daten-Donuts werden gemeinsam mit allen teilnehmenden Kommunen reflektiert. Im Fokus stehen übertragbare Erfahrungen, Herausforderungen bei der Datennutzung sowie Empfehlungen für die Anwendung des Ansatzes in unterschiedlichen kommunalen Kontexten, wie etwa der lokalen Wirtschaftsentwicklung, dem Umwelt- und Klimaschutzmanagement sowie der sozialen Entwicklung vor Ort. - Handlungsempfehlungen für die kommunale Praxis
Zum Abschluss werden praxisorientierte Handlungsempfehlungen erarbeitet, die Kommunen bei der Integration der Donut-Bestandsaufnahme in ihr kommunales Nachhaltigkeitsmanagement unterstützen. Ziel ist es, den datenbasierten Donut als strategisches Instrument für eine integrierte und wirkungsorientierte Nachhaltigkeitssteuerung nutzbar zu machen.
Zeitplan
Für die Gemeinschaftsstudie ist eine Bearbeitungszeit von 12 Monaten vorgesehen. Der Beginn der Arbeiten ist für den Beginn des vierten Quartals 2026 vorgesehen und erfolgt in Form eines gemeinsamen Workshops.
Zielgruppe
Vertreter:innen des kommunalen Nachhaltigkeitsmanagements, der Stadtentwicklungsämter, sowie von etwaigen Stabstellen Umwelt- und Klimaschutz u. a.
Aufwand und Kosten
Die Gemeinschaftsstudie wird durch Beiträge interessierter Städte sowie Eigenleistungen des Difu finanziert. Der Teilnahmebeitrag beträgt 15.000 Euro für Difu-Zuwenderstädte und 18.000 Euro für Nicht-Zuwenderstädte. Für eine Durchführung des Vorhabens ist eine Beteiligung von mindestens 10 Städten notwendig. Die Teilnahme von Städten aus dem deutschsprachigen Ausland ist ausdrücklich erwünscht.
Rückfragen und Projektangebot
Wenn Sie Fragen haben, das ausführliche Projektangebot erhalten wollen oder Ihr Interesse an einer Mitarbeit bekunden wollen, melden Sie sich bis 31. Juli 2026 bei
Oliver Peters
Deutsches Institut für Urbanistik
Forschungsbereich Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen
Team Wirtschaft, Finanzen und Nachhaltigkeitsindikatorik
+49 30 39001-204
opeters [at] difu [dot] de
Oliver Peters
+49 30 39001-204
opeters [at] difu [dot] de (opeters[at]difu[dot]de)