Ländliche Räume stärken - Leerstand nachhaltig aktivieren
Handlungsspielräume für eine nachhaltige Verkehrs- und Stadtentwicklung nutzen
Wohnungsleerstand ist ein drängendes Problem in schrumpfenden Städten und Gemeinden. Betroffen sind vor allem strukturschwache ländliche Regionen. Bundesweit stehen derzeit rund 1,9 Millionen Wohnungen aus unterschiedlichen Gründen leer, was einer Leerstandsquote von etwa 4,3 % entspricht. Während in Westdeutschland durchschnittlich etwa 4 % der Wohnungen ungenutzt bleiben, liegt die Quote in Ostdeutschland (ohne Berlin) mit 7,7 % deutlich höher. Der Wohnungsleerstand wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen.
Ursachen sind neben dem weiterhin erwarteten deutlichen und regional ungleich verteilten Rückgang der Bevölkerung die damit einhergehenden wirtschaftlichen Strukturdefizite, unzureichende Infrastruktur sowie vielfach überalterte Wohnungen, die kaum nachgefragt werden.
Leerstand trägt dazu bei, dass die Lebensqualität sinkt und das Gefühl des Abgehängtseins wächst. Dabei könnten die günstigen Wohnungen und freien Räume auch Chancen auf Weitentwicklung, innovative Projekte sowie Selbstentfaltung und Mitbestimmung bieten, wie es vorhandene Initiativen und Beispiele deutlich zeigen.
Wir diskutieren: Wie gehen betroffene Kommunen mit strukturellem Leerstand um? Welche Erfahrungen liegen vor? Wo liegen die Herausforderungen? Welche erfolgversprechenden Modelle gibt es für die Neubelebung von Leerstand? Welche Grenzen haben solche Strategien?
Input:
- Stephanie Bock, Teamleiterin „Stadt und Raum“ im Forschungsbereich „Stadtentwicklung, Recht und Soziales“, Deutsches Institut für Urbanistik
Diskussion:
- Fabian Stankewitz, Verbandsgemeindebürgermeister, Westliche Börde
- Dr. Martin Reiher, Geschäftsführer, Gubener Wohnungsgesellschaft mbH
- Renate Ortsmann-Möller, Grüne Werkstatt Wendland e.V., Lüchow
Moderation: Hanna Gersmann, Die Korrespondenten
Über die Reihe:
Wohnen ist für alle Menschen eine Grundlage des Lebens. Hier spitzen sich unterschiedliche Problemlagen zu: In Großstädten und Wachstumsregionen finden immer weniger Haushalte bezahlbare Wohnungen. Es wird nicht genug erschwinglicher Wohnraum neu gebaut, aber Bürogebäude stehen leer. Gleichzeitig steigt der Wohnflächenverbrauch pro Kopf weiter. Auf der anderen Seite sind viele strukturschwache Regionen in Ost- und Westdeutschland von Abwanderung und Leerstand geprägt. Dennoch nimmt der Ressourcen- und Energieverbrauch für immer neue Siedlungsflächen zu. Wertvoller Boden geht für Landwirtschaft, Biodiversität und Klimaanpassung verloren.
Die Reihe beleuchtet die Herausforderungen für bezahlbaren Wohnraum und nachhaltiges Bauen, analysiert die bisherigen Fehlentwicklungen und diskutiert erfolgversprechende Lösungsansätze mit der Kommunalpolitik, der Wohnungswirtschaft, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft.
Details
Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Anke Bremer
Projektbearbeiterin Kommunalpolitik und Stadtentwicklung
Heinrich-Böll-Stiftung
bremer [at] boell [dot] de