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Prekarität, Segregation und Armut im Sozialraum

DfK Cover

Heftverantwortliche: Jürgen Mansel und Wilhelm Heitmeyer

Im Fokus des DfK-Schwerpunkts stehen die Folgen des Lebens in segregierten Stadtteilen, dies vor allem im Hinblick auf Gesundheit, Gewaltverhalten und die Abwertung von Angehörigen schwacher Gruppen. Inwiefern stehen Prekarität und Armut, die Bewohner in wirtschaftlich „abgehängten“ Stadtteilen oder Regionen erleben, in einem Zusammenhang mit einerseits eher interiorisierenden Formen der Belastungsregulation, also etwa mit Rückzugsverhalten und/oder Beeinträchtigungen des psychosozialen und gesundheitlichen Wohlbefindens, und andererseits mit einem eher exteriorisierenden Problemverhalten, z.B. mit der Abwertung von Fremdgruppen, Gewaltbereitschaft, Diskriminierung und Gewalthandlungen? Welche Interventionspolitiken müssen entwickelt werden, wenn bisher greifende Mechanismen der Konfliktregulierung nicht mehr wirken?

Im Brennpunkt: Prekarität, Segregation und Armut im Sozialraum

Im Blickfeld: Weiteres Thema

Stefan Werner
Die Komplexität der "Sozialen Stadt" evaluieren – Vorschlag einer integrierten Prozessevaluation

Zusammenfassungen der Texte

Uwe H. Bittlingmayer, Ullrich Bauer, Matthias Richter und Diana Sahrai: Die Über- und Unterschätzung von Raum in Public Health - Überlegungen zur räumlichen Dimension gesundheitlicher Ungleichheiten
Zusammenfassung: Raum gilt als wichtiges Thema, wenn es um das Verhältnis zwischen Ungleichheit und Gesundheit in der Public-Health-Forschung geht. Der Beitrag sucht die Annäherung an dieses Verhältnis aus zwei raumbezogenen Perspektiven – innerhalb des Setting-Ansatzes und innerhalb der Forschung zur gesundheitlichen Ungleichheit. Im Setting-Ansatz stehen die jeweiligen Lebenswelten und Lebensräume sowie deren Gestaltbarkeit im Mittelpunkt, in der sozialepidemiologischen gesundheitlichen Ungleichheitsforschung zeigen Studien die starken passiven und aktiven Implikationen von Raum. Anhand der Darstellung und des Vergleiches beider Dimensionen entfaltet der Beitrag die These, dass subjektive Aneignungs- und Konstruktionsleistungen von Raum im Setting-Ansatz tendenziell überschätzt und in der gesundheitlichen Ungleichheitsforschung unterschätzt werden. Das abschließende Plädoyer verweist auf eine stärkere Integration der beiden räumlichen Bezugspunkte.

Dirk Baier und Susann Rabold: Jugendgewalt in segregierten Stadtteilen
Zusammenfassung: Internationale Studien belegen, dass in segregierten Stadtteilen lebende Jugendliche gewaltbereiter sind. Der Frage, ob dies auch in Deutschland gilt, wurde sich bislang allerdings nur selten empirisch gewidmet. Anhand einer Schülerbefragung in Hannover wird daher untersucht, inwieweit sich das Verhalten von Jugendlichen in verschiedenen Stadtteilen unterscheidet. Im Ergebnis zeigt sich, dass Jugendliche aus sozial benachteiligten Stadtteilen innerhalb des letzten Jahres 2,7-mal häufiger als Gewalttäter in Erscheinung getreten sind als Jugendliche aus wohlhabenden Stadtteilen. Diese Unterschiede variieren mit Unterschieden in der Verteilung zentraler Bedingungsfaktoren (z.B. Bekanntschaft mit delinquenten Freunden, Selbstkontrolle, problematisches Freizeitverhalten). Grundsätzlich ist damit nicht von einem eigenständigen Verstärkungseffekt der Beschaffenheit von Stadtteilen auszugehen. Die entscheidenden Bedingungsfaktoren der Gewalttäterschaft sind vielmehr auf mikro- und mesosozialer Ebene zu verorten.

Jürgen Mansel, Sandra Legge und Wilhelm Heitmeyer: Prekarität, Deprivationserleben und Armut in wirtschaftlich prosperierenden und in abwärtsdriftenden Regionen - Abwertungsprozesse und Gewaltpotenzial im Vergleich
Zusammenfassung: Im Beitrag wird überprüft, ob die Wirtschaftsstärke einer Region sich dahingehend auswirkt, dass die Anwohner in strukturschwachen Gebieten stärker dazu tendieren, Angehörige potenzieller Konkurrentengruppen abzuwerten, als Personen, die in einer strukturstarken Region leben. Hierzu wurden den Individualdaten aus den bisher acht Querschnittserhebungen des Projektes „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte solche Strukturdaten zugespielt, die eine Einschätzung der Wirtschaftsstärke der jeweiligen Regionen erlauben. Grundlage der vorgenommenen Analysen sind die Daten von insgesamt 17 349 Personen aus 241 verschiedenen Kreisen und kreisfreien Städten. Gezeigt wird zunächst, dass Personen in wirtschaftlich abwärtsdriftenden Regionen in stärkerem Maße von Desintegrationsrisiken betroffen sind als solche in wirtschaftlich aufstrebenden Gebieten. Mehrebenenanalysen ergeben, dass die Wirtschaftsstärke einer Region unabhängig vom individuellen Desintegrationsniveau einen Effekt auf das Ausmaß von fremdenfeindlichen Einstellungen und Gewaltakzeptanz der Anwohner der jeweiligen Region hat.

Wolfgang Spanier: Politische Strategien zur Gestaltung von Lebenswelten und sozialen Kommunikationsräumen in segregierten Stadtvierteln
Zusammenfassung: Die Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung geben eine Grundlage für praktisches Handeln gegen Armut und Ausgrenzung ab. Die sozialen Probleme treten in segregierten Stadtteilen verdichtet auf. Für eine politische Gegenstrategie ist ein sozialräumliches und ganzheitliches Konzept notwendig. Die föderale Struktur mit den unterschiedlichen Zuständigkeiten wirkt in diesem Zusammenhang eher erschwerend. Mit seinem sozialräumlichen, ganzheitlichen und sozial-integrativen Ansatz ist das Programm „Soziale Stadt“ Grundlage für eine Strategie gegen Armut und Ausgrenzung. Das Programm sollte fortgesetzt, weiterentwickelt und finanziell noch besser ausge­stattet werden. Es muss vor allem ergänzt werden durch Maßnahmen gegen Bildungsarmut und zur Stärkung der Familie auf der kommunalen Umsetzungsebene. Förderprogramme sind hilfreich, aber die Förderung ist zeitlich befristet. Armutsprävention und Integration müssten langfristig angelegt werden, um nachhaltige Wirkungen zu erzielen.

Stefan Werner: Die Komplexität der „Sozialen Stadt“ evaluieren Vorschlag einer integrierten Prozessevaluation
Zusammenfassung: Die soziale Stadtentwicklung ist von Komplexität gekennzeichnet, da dort Wissen und Mitwirkungsbereitschaft einer Vielzahl an Akteuren und Politikfeldern integriert werden müssen. Im Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ hat deshalb Evaluation einen hohen Stellenwert, um Reflexions- und Lernprozesse zu unterstützen. Jede Evaluation komplexer Verhältnisse läuft jedoch Gefahr, durch Werturteile, z.B. methodisch im Sinne der Durchführbarkeit oder inhaltlich aufgrund konkreter Ziele und Interessen, Wissensbestände auszugrenzen. Die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen sind grundlegend hinterfragbar. In dem Beitrag werden daher Möglichkeiten diskutiert, wie Komplexität in Evaluationen besser bewältigt werden kann: durch einen Fokus auf die Prozessqualität, Methoden der Selbstevaluation und lernende Strukturen. Abschließend werden die theoretischen Überlegungen mit Hilfe des Designs einer „integrierten Prozessevaluation“ für die „Soziale Stadt“ in München operationalisiert.

Autorinnen und Autoren dieses Heftes

Dipl.-Soz. Dirk Baier, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. Hannover, E-Mail: baier@kfn.uni-hannover.de

Prof. Dr. Ullrich Bauer, Prof. für Sozialisationsforschung an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen, E-Mail: ullrich.bauer@uni-due.de

Prof. Dr. Uwe H. Bittlingmayer, Prof. für Soziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Päd­agogischen Hochschule Freiburg, E-Mail: uwe.bittlingmayer@ph-freiburg.de

Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer, Institutsleiter, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, Universität Bielefeld, E-Mail: ikg@uni-bielefeld.de

Apl. Prof. Dr. Dipl.-Soz. Jürgen Mansel, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, Universität Bielefeld, Arbeitsschwerpunkte: Sozialisation, Erziehung und Bildung; Jugendsoziologie; Gesundheits- und Stressforschung; Kriminologie und abweichendes Verhalten, Konflikt und Gewalt; Sozialstrukturanalyse und soziale Ungleichheit, Armuts- und Reichtumsentwicklung; Migration und kulturelle Differenz; Methoden der empirischen Sozialforschung, E-Mail: juergen.mansel@uni-bielefeld.de

Dipl.-Soz. Sandra Legge, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung sowie Fakultät für Erziehungswissenschaft an der Universität Bielefeld, Arbeitsschwerpunkte: Abweichendes Verhalten; Vorurteile und Diskriminierung; Anomie; Sozialisation; Methoden der empirischen Sozialforschung, E-Mail: sandra.legge@uni-bielefeld.de

Susann Rabold, M.A., Soziologin, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. Hannover, E-Mail: s.rabold@kfn.uni-hannover.de

Prof. Dr. Matthias Richter, Prof. für Medizinische Soziologie und Sozialepidemiologie an der Universität Bern, Institut für Sozial- und Präventivmedizin, E-Mail: mrichter@ispm.unibe.ch

Diana Sahrai, M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, E-Mail: diana.sahrai@uni-bielefeld.de

Wolfgang Spanier, MdB (SPD) von 1994 bis 2009, Bundestagsausschüsse Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie Familie, Senioren, Frauen und Jugend, AG Verteilungsgerechtigkeit und Integration, E-Mail: spanier@teleos-web.de

Stefan Werner, Doktorand im Fach Sozialgeographie an der Universität Passau, Promotionsthema: „Steuerung von Kooperationen in der sozialen Stadtentwicklung“ (gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung), E-Mail: wernerstefan@gmx.de

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Veröffentlichungsangaben

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ISBN: 978-3-88118-481-6, Preis: 20.00€


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