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Difu-Berichte 2/2019 - Demografischer Wandel – alle Probleme gelöst?

Eine leicht gestiegene Geburtenrate und die seit 2015 stattgefundene Zuwanderung erwecken mitunter den Eindruck: Weniger, älter, bunter – das war einmal. In einem Difu- Seminar wurde daher der Frage nachgegangen, was es damit auf sich hat.

Demografischer Wandel

Im Rahmen eines Difu-Seminars tauschten sich Forschung und Kommunen über den demografischen Wandel und seine Implikationen für die Kommunen aus. Das Gros der Prognosen und Szenarien aus den 2000er-Jahren konnten die Seminarteilnehmenden aus heutiger Sicht nicht bestätigen. Überraschend waren Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, in denen sich die Bevölkerungsentwicklung eher negativ entwickelt, in der Minderheit. Gleich zu Beginn des Seminars wurde aber deutlich, dass die Tendenz einer älter und weniger werdenden Gesellschaft keineswegs ad acta gelegt werden kann. Die Wurzeln der heutigen Bevölkerungsentwicklung reichen lange zurück. Es gibt zwar immer wieder Wellen und externe Faktoren (z.B. die Zuwanderung von Flüchtlingen), die Tendenzen für eine Weile relativieren (können) – ein demografischer Wandel insgesamt (insbesondere weniger und älter) wurde jedoch als nicht umkehrbar dargestellt.

Unterschiede können dabei jedoch sicherlich in der Geschwindigkeit, der räumlichen Verteilung und im genauen Ausmaß liegen. So wurde auch der Rolle von Prognosen und Szenarien ein entsprechender Raum in der Seminar-Diskussion eingeräumt und deutlich, dass sich Prognosen je nach Auftraggeber, Indikatorenset und entsprechend einer Spannbreite von Interpretationsmöglichkeiten sehr unterscheiden können. Dies erschwert natürlich das Handeln und Argumentieren der Akteure vor Ort, weil letztlich jedes Szenario und jede Prognose anfechtbar ist. Ebenso wurde durch einen Vortrag anschaulich vermittelt, dass Raster wie „Ost-West“, „Nord-Süd“ oder auch „Stadt-Land“ keineswegs haltbar oder als Argumentationshilfe dienlich sind.

Wesentlich ist bei den Prognosen hingegen der räumliche Maßstab, auf den sie angelegt sind: Je kleiner der Maßstab, umso besser lässt sich darauf reagieren. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit diskutiert, den Herausforderungen des demografischen Wandels mit regionalen Konzepten und Abstimmungen zu begegnen.

So ist es Fakt, dass sich Wachstum in einzelnen Städten und Regionen immer zu Ungunsten anderer Städte und Regionen vollzieht. Dies gilt mindestens in Bezug auf Deutschland, aber wohl auch europaweit. Bereits innerhalb einer Stadt kann es Quartiere mit „Gewinnern“ und „Verlierern“ bei der demografischen Entwicklung geben. Entsprechend liegen die Herausforderungen nicht allein in einer sich wandelnden demografischen Entwicklung, sondern eher in einer Zunahme regionaler, wenn nicht gar lokaler Ungleichheit – und dem Umgang damit.

Neben anderen Inhalten wurde noch die Rolle von Förderprogrammen thematisiert. So wiesen die kommunalen Akteure darauf hin, dass Förderprogramme oftmals am eigentlichen Bedarf vorbei gehen. Dabei wurden auch die Länder und der Bund adressiert, die oft eher als Verhinderer denn als Unterstützer wahrgenommen werden, nicht zuletzt durch das Forcieren eines kontraproduktiven regionalen Wettbewerbs und dem Verhindern innovativer Ansätze.

Als Seminarfazit zeigte sich, dass schlussendlich nicht alle Probleme gelöst sind, sondern dass sie sich vielmehr zeitlich und räumlich verlagern. Es ist weiterhin Aufgabe der Politik, langfristig umzudenken – was angesichts eines noch immer vorhandenen Denkens und Handelns in Legislaturperioden eine Herausforderung ist – und nicht auf jede minimale Aufwärtsbewegung mit Expansionsplänen zu reagieren. Demografie ist ein Prozess und kein Status quo und damit eine Daueraufgabe. Entsprechend braucht es in den Kommunen Personen und Zuständigkeiten, die Demografie konsequent, ressortübergreifend und langfristig mitdenken – in schlechten und in guten Zeiten.