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Difu-Berichte 4/2019 - Urbane Transformationen in Kommunen gestalten

Gemeinsam mit dem Öko-Institut entwickelte das Difu im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung – ausgehend vom Stadtumbau-Programm – eine transformative Stadtumbaustrategie mit konkreten Empfehlungen für Bund und Länder.

In der Regel werden mit dem Begriff der „Transformation“ besonders grundlegende, weitgehende und tiefgreifende Formen des gesellschaftlichen Wandels, eines politischen, soziotechnischen oder sozialökologischen Systems oder auch einer Organisation umschrieben. Transformationsprozesse zeichnen sich dabei durch einen zielgerichteten Wandel in Richtung Nachhaltigkeit aus: im Sinne einer Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, universeller Mindeststandards für substanzielle, politische und ökonomische Teilhabe sowie einer Anerkennung der soziokulturellen wie räumlichen Diversität der Städte. Eine Neuausrichtung des tradierten Stadtumbaus einschließlich der Stärkung seiner „transformativen“ Aspekte, muss dabei vier Dimensionen adressieren: Ziel-, Raum-, Akteurs- und Prozess-Dimension, also die Gestaltung urbaner Transformationen.

Da die bisherige Stadtumbau-Praxis vor allem der Behebung örtlicher Missstände galt, könnte eine explizite Bezugnahme auf globale Handlungserfordernisse in den entsprechenden Rechtsvorschriften eine erste Neuerung darstellen. Darüber hinaus bedarf es nicht nur einer Bewusstseinsbildung hinsichtlich der bereits heute bestehenden Transformationsnotwendigkeiten bei den politisch und administrativ Verantwortlichen auf allen Ebenen des Mehrebenensystems. Vielmehr müssen Bund und Länder stärkere Anreize für die Kommunen setzen, damit diese mehr Mut zum Experimentieren und die Bereitschaft zu grundlegenderen Veränderungen entwickeln können. Mittels geeigneter Instrumente muss dazu die Eingriffsintensität des Stadtumbau-Programms bei gezielt sozial-ökologischer Ausrichtung erhöht werden.

Löwenzahn

Gleichzeitig müssen auf lokaler Ebene Maßnahmen für eine integrierte Stadtentwicklung forciert werden. Handlungsfelder eines transformativen Stadtumbaus sind „klassische“ Politikfelder mit Umbaubedarf und -potenzial sowie die Erschließung neuer Gestaltungsspielräume durch die Aktivierung von Flächen und Lebensräumen. Dazu zählen beispielsweise der Umbau der städtischen Energiesysteme zur Erschließung von Energieeffizienzpotenzialen im Quartier und eine substanzielle Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung, neue Betreiber- und Geschäftsmodelle sowie der Umbau und die Neuorganisation städtischer Mobilitätssysteme und Verkehrsflächen einschließlich autofreier Quartiere. Transformative Stadtumbau-Maßnahmen sollten aber auch eine Vorbildfunktion mit Blick auf die Digitalisierung und die Verwendung neuer Technologien, beispielsweise zur Kopplung graugrün-blauer Infrastrukturen, sowie bezüglich des Flächensparens und einer an Gemeinwohlinteressen orientierten Bodenpolitik erfüllen. Weitere Handlungsfelder könnten die Förderung der urbanen Landwirtschaft und Ernährung sowie der urbanen Produktion einschließlich neuer Arbeitsformen bilden. Für den transformativen Stadtumbau auf kommunaler Ebene und die entsprechenden Förderprogramme von Bund und Ländern bestehen zwei zentrale strategische Anforderungen. Zum einen geht es um die Übersetzung, Operationalisierung und Integration der globalen Handlungserfordernisse und entsprechender Zielvorgaben der übergeordneten Politikebenen in die kommunale Stadtumbaupraxis. Zum anderen gilt es, technologische Neuerungen, soziale Innovationen und Praktiken sowie veränderte kulturelle Haltungen in der Stadtgesellschaft aufzunehmen und zu fördern, um sie für den Stadtumbau fruchtbar zu machen. Mit einem Stadtumbau-Programm muss ein Beitrag dazu geleistet werden, die Kommunen unter den sich schon heute verändernden Umweltbedingungen reaktionsfähig zu halten. Dafür müssen diese entsprechende Personal- und Planungskapazitäten vorhalten und agile Verwaltungsstrukturen einer „lernenden Organisationen“ aufbauen. Insgesamt geht es um nicht mehr und nicht weniger als ein neues Verständnis kommunaler Innovationsfähigkeit.

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