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Difu-Berichte 4/2015 - Zuwanderung und Arbeitsmarktintegration

Auf die Arbeit kommt es an!

Die Chancen der Arbeitsmarktintegration für Asylbewerber und Flüchtlinge sind momentan nur schwer einschätzbar, da über deren Qualifikationen bisher nur wenig bekannt ist. Einerseits scheint es eine relativ große Gruppe mit höherer Schul- oder Hochschulbildung zu geben. Andererseits waren 2014 28 Prozent der Asylerstantragsteller unter 16 Jahren (BAMF 2014). Daher ist davon auszugehen, dass ein großer Anteil der Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist. Mittlere Qualifikationen wiederum scheinen kaum vertreten zu sein (IAB 2015). Eine Befragung von Asylbewerbern, die vor kurzer Zeit eingereist sind, kommt zu dem Ergebnis, dass 88 Prozent der Befragten eine Schule besucht hatten und 21 Prozent Formen beruflicher Ausbildung überwiegend im Dienstleistungsbereich und weniger in Fertigungsberufen genossen haben. Technische Berufe waren bei den Befragten kaum vertreten (Mirbach u.a. 2014). Auch wenn die Ergebnisse nur bedingt repräsentativ für die aktuelle Zuwanderungsphase sind, so lassen sich daran doch die Herausforderungen für die Arbeitsmarktintegration der Menschen erkennen:

Während zugewanderte EU-Bürger und Zuwanderer aus Drittstaaten mit einem Aufenthaltstitel zu Erwerbszwecken jeweils zu rund 75 Prozent erwerbstätig sind, liegt der Anteil bei Menschen, die als Asylbewerber und Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, bei rund 55 Prozent. Kurzfristig wird er erheblich niedriger liegen (IAB 2015). Dabei muss man berücksichtigen, dass die Erwerbstätigkeit von Asylbewerbern bis Ende 2014 durch Wartezeiten bei der Anerkennung, temporäre Arbeitsverbote und Vorrangprüfungen erheblich begrenzt war. Erste Erfahrungen aus dem Projekt "Early Intervention" der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigen, dass bisher weniger als jeder zehnte Flüchtling direkt in Arbeit oder Ausbildung vermittelt werden konnte (HB, 10.9.2015). Nach bisherigen Erfahrungen dauert es in europäischen Ländern im Durchschnitt fünf bis sechs Jahre, bis die Mehrheit der Flüchtlinge in Beschäftigung war (OECD o.J.).

Foto: junger Mann bei der Arbeit an elektronischen Geräten

 

Neben der abhängigen Beschäftigung wird auch die Geschäftsgründung für einige Zugewanderte eine Integrationsmöglichkeit bieten. Einige haben bereits Erfahrungen aus ihrem Herkunftsland als Selbständige. Für Nicht-EU-Bürger gilt dabei nicht die grundsätzliche Gewerbefreiheit, sie unterliegen gesonderten Rechtsvorschriften. Um Gründer zu unterstützen, sollten vorhandene standardisierte Beratungsangebote durch spezifische Coaching-Angebote, die die unterschiedlichen Voraussetzungen der Gründer berücksichtigen, ergänzt werden. Auch Gründer selbst können ihre Erfahrungen weitergeben. Cross-Mentoring-Programme können Zugewanderte und heimische Wirtschaft zusammenbringen.

Für eine langfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts sowie der Sozialsysteme ist es wichtig zu berücksichtigen, dass Zuwanderung keine dauerhafte Entscheidung sein muss. Mehr als 60 Prozent der 2004 nach Deutschland eingereisten Arbeitsmigranten hatten 2011 das Land wieder verlassen (WiWo 2013). Das betrifft gerade auch gut Ausgebildete.

Wie kann Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten unterstützt werden? Es sollten umfassende auf die Herkunftssituation, den Ausbildungsgrad und die Familiensituation zugeschnittene Integrationsangebote gemacht werden. Gegenwärtig wechseln Asylbewerber und Flüchtlinge entsprechend dem Stand ihres Anerkennungsverfahrens ihren rechtlichen Status, den zuständigen Leistungsträger und damit auch die Betreuungspersonen. Gerade für die Integration ist aber die verstärkte Zusammenarbeit von Arbeitsagentur und kommunalen Ämtern wichtig.

Es sollten frühzeitige Angebote gemacht werden, die berücksichtigen, dass der individuelle Integrationsprozess längere Zeit dauern kann. Erfahrungen aus Skandinavien zeigen, dass Integrationskurse für Flüchtlinge zwei bis drei Jahre dauern und niedrigqualifizierte Flüchtlinge auch längere Zeit benötigen.

Den Zuwandernden sollte die Möglichkeit eröffnet werden, sich frühzeitig in Regionen anzusiedeln, in denen grundsätzlich gute Chancen bestehen, einen Arbeitsplatz zu erhalten. Die Potenziale für eine Revitalisierung von Abwanderungsregionen durch den Zuzug von Asylbewerbern und Flüchtlingen sind damit eng begrenzt, bestehen doch Gründe für die Abwanderung aus den betreffenden Regionen weiter fort – die fehlenden Arbeitsplätze.

Weitere Informationen: 

Dr. Holger Floeting
Telefon: 030/39001-221
E-Mail: floeting@difu.de

Quellen:

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