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Difu-Berichte 4/2015 - Umweltverträglicher Wirtschaftsverkehr in den Städten

Im Juni 2015 fand in Dessau-Roßlau in Kooperation von Umweltbundesamt, Difu und Deutschem Städtetag die Tagung "kommunal
mobil" statt. Mehr als 90 Experten aus Wissenschaft, Verkehrsplanung, Wirtschaftsverbänden, Kammern, Logistikunternehmen und Beratungsunternehmen diskutierten über verschiedene aktuelle Herausforderungen im städtischen Wirtschaftsverkehr. Die  Tagungsdokumentation wurde als Difu-Impulse Band veröffentlicht.

Insgesamt ist ein Drittel des städtischen Verkehrs dem Wirtschaftsverkehr, d.h. dem Güterverkehr sowie den Dienstleistungs- und Geschäftsfahrten zuzuordnen. Aktuelle Trends der Arbeitsteilung, des Online-Handels, Kundenansprüche wie "same delivery" oder kleinere Zeitfenster führen zu Sendungs- und Fahrtenzuwachs und verstärken vor allem Liefer- und Dienstleistungsverkehre. Durch flexible Arbeit steigt auch der Personenwirtschaftsverkehr. Mittlerweile haben Personenwirtschafts- und Dienstleistungsverkehr einen Fahrtenanteil von über der Hälfte im Wirtschaftsverkehr. Aber insbesondere die Zunahme von Lkw-Fahrten im Güterverkehr führt zu ansteigenden Problemen im städtischen Raum. Parken von Lieferfahrzeugen in zweiter Reihe, starke Lärm- und Luftschadstoffemissionen durch Lkw in Wohngebieten, hoher Flächenbedarf und Trennwirkung und schwere Verkehrsunfälle durch große Fahrzeuge sind typische kommunale Probleme im Wirtschaftsverkehr. Bei der Emissionsminderung muss vor allem der Lkw betrachtet werden. Auf der anderen Seite sind die Bereitstellung von Waren und Dienstleistungen sowie die Entsorgung wichtige Funktionen, die der Wirtschaftsverkehr realisiert. Diese Funktionen zu sichern bei stadtverträglicher Abwicklung des Verkehrs ist eine Herausforderung für kommunale Akteure.

Bentobox; Foto: © SenStadtUm

 

Lastenräder stellen eine Maßnahme vor allem für die Entlastung von Problemzonen dar. Deren stärkere Verbreitung sollte flankiert werden durch das Setzen von Standards für Lastenräder, Anpassungen in der Verkehrsinfrastruktur und der logistischen Konzepte. Ansätze wie die Bentobox Berlin als neutraler Konsolidierungspunkt zwischen Lieferwagen und Fahrradkurier für die letzte Meile gehen in diese Richtung. Die Einrichtung von Benutzervorteilen für Lastenräder ist einfach möglich. Elektrisch betriebene Lkw können zumindest einen Teil der Umweltfolgen des Schwerlastverkehrs reduzieren. Doch sind hier noch erhebliche technische Entwicklungen nötig. Wenn durch die Batterie 20% der Nutzlast wegfällt, wird der Fahrzeugeinsatz schnell unwirtschaftlich. Als Zwischenlösung geeignet sind Hybrid-Lkw, die kurze Streckenteile vollelektrisch fahren können und so sensible Stadtgebiete schonen. Einen weiteren wichtigen Handlungsbereich stellt die Integration der Standortsicherung für den  Wirtschaftsverkehr in die kommunale Flächennutzungsplanung dar. Geeignete stadtverträgliche Logistikstandorte müssen gefunden und gesichert werden, um unnötige Lkw-Fahrten zu minimieren oder auf weniger sensible Routen zu leiten. Letztlich müssen für den Wirtschaftsverkehr komplexe  Konzepte mit einer Kombination von Kernmaßnahmen, flankierenden und unterstützenden Maßnahmen erstellt werden.

Das Thema Wirtschaftsverkehr ist auf kommunaler Ebene noch selten Gegenstand systematischer Planungen. Wichtig ist somit die Betrachtung der Möglichkeiten für die Integration dieser Verkehrsart in Planungsabläufe. Dafür sind neben Grundlagen auch Datenerhebungsmethoden und Modelle anzupassen sowie vor allem praktische Beispiele für Strategien und Maßnahmen sowie rechtliche Umsetzungsmöglichkeiten zu vermitteln. Bisher werden Umweltziele im Wirtschaftsverkehr in Landes- und Regionalplanung wenig effektiv gefördert. Es gibt keine ausreichenden Vorgaben auf Landes- und kommunaler Ebene, so dass der Wirtschaftsverkehr als Nicht-Pflichtaufgabe meist aus dem Blickfeld kommunaler Planer gerät. Aber auch der rechtliche Rahmen muss flexibler für Kommunen gestaltet werden, z.B. für die Einrichtung von Verkehrsregelungen (Ladezonen, Benutzervorteile für umweltschonende Fahrzeug usw.).

Das gravierende Datenproblem im Wirtschaftsverkehr könnte durch eine Standardisierung von Erhebungsmethoden im Wirtschaftsverkehr gemindert werden, um Datenvergleiche zwischen verschiedenen Erhebungen zu verbessern und Synergien zu nutzen. Eine bessere Datengrundlage ermöglicht eine bessere Problemerfassung und eine passgenaue Lösungsentwicklung.

Weitere Informationen: 

Dr.-Ing. Wulf-Holger Arndt
Telefon: 030/39001-252
E-Mail: arndt@difu.de

Bestellung: siehe Bestellschein

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