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Difu-Berichte 4/2015 - Sozialraumorientierte Integration von Flüchtlingen

Lernen vom Programm Soziale Stadt?

Foto dreier Frauen und eines Kleinkindes vor einem KinderspielplatzBislang stellt sich das Thema Flüchtlinge vor allem als eine quantitative Herausforderung mit Blick auf Unterbringung, Registrierung und Versorgung dar. Spätestens mit der Genehmigung des Asylantrags kommt eine qualitative Dimension hinzu, denn dann geht es um die Integration in die Gesellschaft. Alle Erfahrungen zeigen, dass Integration insbesondere auf der sozialräumlichen Ebene von Stadtquartieren oder im unmittelbaren lebensweltlichen Kontext kleinerer Gemeinden gelingen kann – hier entsteht Nachbarschaft, wird Alltag gelebt, werden Freundschaften geschlossen, Konflikte ausgetragen.

Erkenntnisse zur sozialräumlichen Integration liegen vor allem aus der Umsetzung des Städtebauförderprogramms Soziale Stadt vor. Zusammenfassend zeigt sich, dass eine quartiersbezogene Integration von Zuwanderern mit einem Mix verschiedener Strategien erreicht werden kann:

  • Betrachtung von Integration als kommunale Querschnittsaufgabe;
  • bedarfsgerechte Anpassung der sozialen Infrastruktur vor Ort (z.B. Begegnungsräume, Nachbarschaftshäuser);
  • Verbesserung der Bildungsangebote im Stadtteil: frühkindliche Förderung in Kita und Vorschule, vorschulische Sprachförderung, individuelle Förderung von Schülern, stärkere Einbeziehung von Eltern sowie Elternbildung (u.a. Spracherwerb), Weiterentwicklung von Kitas und Schulen zu quartiersbezogenen "Stadtteilschulen" und "Stadtteilkitas", interkulturelle Öffnung dieser Einrichtungen, Übergangsmanagement Kita – Schule(n) – Beruf inklusive Vermittlung zwischen Betrieben und ausbildungsgeeigneten Zuwanderern;
  • Stärkung der ethnischen Ökonomie: stärkere sozialräumliche Ausrichtung der kommunalen Wirtschaftsförderung, Unterstützung von Existenzgründern mit Migrationshintergrund, Stabilisierung bestehender Unternehmen, Bereitstellung von Kleinkrediten, Beratungs- und Qualifizierungsangebote;
  • Verbesserung von Teilhabe- und Mitwirkungsmöglichkeiten von Zuwanderern: u.a. Förderung der sozialen und kommunikativen Kompetenz, Einrichtung interkultureller Kommunikations- und Begegnungsorte, Unterstützung der Selbstorganisation von Zuwanderergruppen, stärkere Einbeziehung von Migranten in politische Gremien, intensivere Zusammenarbeit mit Multiplikatoren;
  • spezifische Aktivierung und Beteiligungsangebote für Zuwanderer: persönliche Ansprache durch Personen aus dem gleichen Sprachkreis wie der Zielgruppe sowie Berücksichtigung der kulturellen Gepflogenheiten der Zuwanderer.

Diese quartiersbezogenen Aktivitäten haben nur dann Erfolg, wenn die dafür notwendigen strategischen und organisationalen Rahmenbedingungen geschaffen sind:

  • integrierte Handlungskonzepte für die Stadt(teil)entwicklung: Ermittlung von Bedarf und Ressourcen, Verschneidung von Themen und Handlungsfeldern, Darstellung von Zielen und Strategien, Maßnahmen und Projekten, Finanzierungs- und Zeitplanung;
  • lokale Quartiermanagements: Verankerung einer Anlaufstation vor Ort mit "Kümmerer"-, Vermittlungs-, Vernetzungs-, Beratungsfunktion;
  • ressortübergreifende Zusammenarbeit: Kooperation aller für die Quartiersentwicklung relevanten Verwaltungsbereiche (unter anderem Stadtplanung und -entwicklung, Soziales, Jugend, Gesundheit, Integration, Wirtschaft, Umwelt/Grün).

Die im Rahmen des Programms Soziale Stadt geschaffenen Strategien und Instrumente können als "Blaupause" für die sozialräumliche Integration von Flüchtlingen dienen. Wo Zuwanderung Soziale Stadt-Gebiete betrifft, dürften jedoch die dort eingesetzten Programmmittel für die Integration der Neuankömmlinge nicht ausreichen. Zudem ist zu erwarten, dass sich Flüchtlinge mit anerkanntem Aufenthaltsstatus nicht nur in Gebieten der Sozialen Stadt ansiedeln – eine Fokussierung allein auf die bisherige Programmkulisse ist also zu eng gefasst. Daher stellt sich die Frage, ob ein eigenes Programm zur sozialraumorientierten Integration von Flüchtlingen benötigt wird, das sowohl in Quartieren außerhalb der bisherigen Gebietskulisse der Sozialen Stadt als auch im Sinne eines "Partnerprogramms" in Soziale Stadt-Gebieten eingesetzt werden kann.

Weitere Informationen: 

Dipl.-Ing. Christa Böhme
Telefon: 030/39001-291
E-Mail: boehme@difu.de

Dr. rer. nat. Thomas Franke
Telefon: 030/39001-107
E-Mail: franke@difu.de

Statusbericht Soziale Stadt 2014, Internetseite der Städtebauförderung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)

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