Printexemplare bestellen

Warenkorb

Kontakt für Fragen zur Bestellung von Publikationen:

Heidi Espei
Tel.: +49 30 39001-253
Fax: +49 30 39001-275
E-Mail: vertrieb@difu.de

Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH
Vertrieb
Zimmerstraße 13-15
10969 Berlin

eBooks bestellen

Difu-Berichte 4/2015 - Flüchtlinge und Mobilität

Gesellschaftliche Teilhabe funktioniert nur durch den Zugang zu Mobilitätsangeboten

Zentraler Bestandteil einer Willkommenskultur ist es, Flüchtlingen die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Ob Deutschkurs, die Teilnahme an Sportveranstaltungen oder bei anerkannten Asylbewerbern der Weg zur Arbeit – Mobilität ist die Voraussetzung dafür.

Jedem registrierten Asylbewerber stehen neben einem Taschengeld Fahrscheine der öffentlichen Verkehrsmittel zu. Da aktuell Ämter und Flüchtlingsheime völlig überlastet sind, kommen diese Hilfen bei vielen Flüchtlingen häufig gar nicht oder nicht rechtzeitig an. Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich in der neuen Umgebung nicht auskennen und die Orientierung auch aufgrund der noch fehlenden Sprachkenntnisse sehr schwerfällt. Darauf hat beispielsweise der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) reagiert, eine VBB-Welcome-Seite eingerichtet und ein Infoblatt in mehreren Sprachen erstellt, in dem Informationen zu den Tarifen und dem Liniennetz zusammengefasst sind. Auch viele andere Kommunen stellen umfangreiche Informationen zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung.

Wer sich noch nicht in einem Asylverfahren befindet, hat jedoch keinen Anspruch auf Leistungen. In vielen Städten müssen mittellose Flüchtlinge gezwungenermaßen schwarzfahren. Die Berliner Verkehrsbetriebe haben ein "Welcome in Berlin"-Ticket eingerichtet, das Flüchtlinge automatisch bei der Registrierung – auch wenn sie noch keine Papiere haben – erhalten.

Eine weitere Möglichkeit, Flüchtlingen eine selbständige Mobilität zur ermöglichen, sind kostenlos zur Verfügung gestellte Fahrräder. Der Radius einer Stadt, der so erkundet werden kann, erweitert sich erheblich. Es gibt inzwischen in über 200 Städten Initiativen, die Fahrradspenden sammeln, Fahrräder reparieren und an Flüchtlinge weitergeben. Das Besondere an diesen Projekten ist, dass Flüchtlinge über das gemeinsame Reparieren der Fahrräder eine Aufgabe und Kontakt zur Bevölkerung finden. Aber nicht alle Flüchtlinge können bereits Fahrrad fahren. Und auch unsere Verkehrsregeln sind vielen nicht bekannt. Der Münchner ADFC hat deshalb einen Flyer in sechs Sprachen erstellt, der die wichtigsten Verkehrsregeln übersichtlich zusammenstellt.

Wohnstandort und Mobilitätsangebot

Bleiben Flüchtlinge dauerhaft im Land, geht es in der Folge um ihre erfolgreiche Integration und Sicherung ihrer Mobilität sowie um eine möglichst umweltverträgliche Steuerung. Die Sicherung der Mobilität beginnt dabei schon bei der Wahl der Standorte für die Unterbringung von Flüchtlingen.

Möglicherweise werden viele Flüchtlinge an Standorten untergebracht, die in Stadtrandlage liegen. Hier ist die Erschließung mit dem ÖPNV dringend "mitzudenken" bzw. bei der Auswahl von Standorten zu berücksichtigen. Dieser Aspekt ist auch bereits bei der Erstaufnahme und Registrierung relevant. In ländlichen Räumen werden Flüchtlinge mit erheblichen Mobilitätseinschränkungen konfrontiert sein, gleichzeitig könnten sie aber künftig eine wichtige "neue" Kundengruppe sein, die den ÖPNV in diesen Regionen stützen und vor Einstellung bewahren könnte.

 

Alltagsmobilität von Migranten

Die nur wenigen vorhandenen empirischen Untersuchungen belegen, dass sich das Mobilitätsverhalten von Menschen "mit Migrationshintergrund" von denen "ohne Migrationshintergrund" deutlich unterscheidet. Insgesamt gesehen sind Migranten häufiger auf den ÖPNV und das Zufußgehen angewiesen, sie nutzen seltener einen Pkw oder das Fahrrad. Dabei sind jedoch deutliche Geschlechterunterschiede auffällig. Migrantinnen verfügen signifikant seltener als Migranten über einen PKW-Führerschein (rund 64 Prozent) und nutzen deutlich seltener einen Pkw. Sie können vergleichsweise häufig nicht Fahrradfahren. Bei den männlichen Migranten fällt eine hohe PKW-Affinität auf, zwischen 60 und 71 Prozent nutzen (fast) täglich das Auto (Suhl et al. 2012).

Insgesamt ist jedoch das Mobilitätsverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund eine große "Unbekannte". Über die Alltagsmobilität von Migranten liegen bisher keine Untersuchungen vor. Angesichts der aktuellen Zuwanderungszahlen sollte dieses Erkenntnisdefizit dringend behoben werden.

Weitere Informationen: 

Uta Bauer
Telefon: 030/39001-151
E-Mail: bauer@difu.de

Links und Literaturhinweise: http://www.difu.de/fluechtlinge

[zurück | Übersicht | weiter]