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Difu-Berichte 4/2015 - Evaluation und Wirkungsforschung in den Hilfen zur Erziehung

Im Juni 2015 kamen zu der von der Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Difu durchgeführten Veranstaltung "Wissen, was wirkt – Evaluation und Wirkungsforschung in den Hilfen zur Erziehung" 143 Fachkräfte aus der Jugendhilfe nach Berlin. Im Mittelpunkt standen keine theoretischen Erörterungen, sondern praktische Erfahrungen, wie das Richtige richtig getan werden kann.

Foto zeigt Teilnehmerinnen und Teilnehmer der tagung vor einer Infowand

 

 

Foto von Dr. Stefan RückerGott sei Dank haben wir Effekte

Dr. Stefan Rücker, Forschungsgruppe Petra, Schlüchtern, stellte Ergebnisse eigener Untersuchungen im Feld der teilstationären Hilfen vor. Ergebnisse: 25 Prozent der Jugendlichen scheitern am Übergang von der Schule zum Beruf, Kinder wollen ihre Eltern (manchmal) dazu bringen, die Hilfe abzubrechen und Alleinerziehende haben oft nicht genügend Ressourcen und Kraft für eine "Hilfe zur Erziehung" (HzE) und brechen diese darum ab. Dr. Rücker vermittelte der Fachpraxis, dass es möglich ist, Effekte abzubilden und Schlussfolgerungen zu ziehen. Wichtig sei es, Familien Empathie entgegen zu bringen, da diese nicht das Gefühl haben sollen "etwas falsch gemacht zu haben". Es soll aber klar werden, dass manches durchaus besser werden kann.

 

Portraitfoto von Heino MöllerHeino Möller, e/l/s Institut für Qualitätsentwicklung sozialer Dienstleistungen, Wülfrath, stellte Ergebnisse des Projekts "Abbrüche in stationären Hilfen zur Erziehung" vor. Projektanlass war die mit 20 bis 60 Prozent hohe Anzahl der Abbrüche. In der Studie wurden die Unterschiede zwischen abgebrochenen Hilfen versus durchlaufener Hilfen in Bezug auf individuelle und Organisationsmerkmale verglichen. Die fünf wirksamsten fachlichen Prozessmerkmale für gelingende Heimerziehung, mit der signifikant die Abbruchquote gesenkt werden kann, waren: Schulbesuch und Bildungserfolge zügig fördern, Wohlfühlen und Zufriedenheit der Klienten erreichen, krisenhafte Entwicklungen frühzeitig und nachhaltig abwenden, höchste Verlässlichkeit der Dienstleistung gewährleisten und Sinnerleben und Nutzenerwartung bei Klienten wecken.

Was geht? Und geht noch mehr?

Portraitfoto von Dr. Mike SeckingerDr. Mike Seckinger, Deutsches Jugendinstitut e.V. München, stellte empirische Befunde über Gelingensbedingungen, Prozess- und Ergebnisqualität in den HzE vor und sagte: "Es geht ziemlich viel in den Hilfen zur Erziehung! Man braucht sich weder zu verstecken noch bei der Frage nach Wirkung zu erschrecken, auch nicht im Vergleich zu anderen Hilfesystemen." Und: "Ja, es geht noch mehr!" Auch wenn Jugendhilfe viel bewirke, gebe es noch genügend Fälle, in denen es anders laufen könnte. Solange es diese gibt, sei selbstreflexive Kritik wichtig, ohne sich gegenüber anderen Professionen klein zu machen. "Selbstreflexion ist ein Qualitätskriterium der sozialen Arbeit, das zur Verbesserung der Chancen beiträgt, dass das, was wir tun, tatsächlich wirkt." Studien in konkrete Handlungsanweisungen zu übersetzen sei schwierig, vor allem, weil "wir" keine Technologie sind, sondern eine Profession und weil eine Vielzahl an potenziell intendierten Wirkungsebenen zu einer Vielzahl an sich zum Teil auch widersprechenden Wirkungskriterien führen kann. Dazu kommen Wirkungswünsche aus Sicht von Adressaten sowie weitere Wirkfaktoren inner- und außerhalb der Jugendhilfe. Trotz allem, was "wir" wissen, bleibe die Frage: Wie gut gelingt es uns, die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen tatsächlich zum Gegenstand unserer Hilfestrategien zu machen?

Wissen wir, was wir tun?

Portraitfoto von Christian SchrapperÜber "Herausforderungen und Grenzen von Wirkungsanalysen für die Hilfen zur Erziehung" sprach Prof. Dr. Christian Schrapper, Universität Koblenz-Landau. Er plädierte dafür, Fachkräfte in der Jugendhilfe für einen souveränen Umgang mit Wirkungszumutungen zu stärken. Wirkungsnachweise seien zentrale Kriterien für Qualität und Professionalität. Er stellte drei Thesen zur Diskussion:

Wie "gute Erziehung" in Heimen wirken kann, wissen Praxis und Wissenschaft schon lange, aber interessiert das wirklich?

Erfolge sind keine Wirkungen und Wirkungen nicht unbedingt erfolgreich – aber trotzdem ist nicht egal, was wir tun!

Wissen, was wir tun! nicht nur: Tun, was wir wissen.

Spürbar war die große Empathie für das einzelne Schicksal von Kindern und Jugendlichen. Es gebe keine Garantie, dass Erziehung gelingt. Sie sei immer ein Wagnis mit ungewissem Ausgang und trotzdem unverzichtbar. Erziehung ist eine Zukunftschance, wie aktuell bei den Flüchtlingskindern zu sehen ist. Und: "Erziehung will Zukunft eröffnen, die keiner kennt."

Weitere Informationen: 

Dipl.-Soz. Kerstin Landua
AG Fachtagungen Jugendhilfe im Difu
Telefon: 030/39001-135
E-Mail: landua@difu.de

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