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Difu-Berichte 4/2014 - Konversionsflächen: Makel oder Anstoß zu nachhaltigen Strategien?

Bei dem zusammen mit der Gastgeberstadt Hanau durchgeführten Seminar zu Konversionsflächen wurde zunächst durch Akteure aus der Stadt(verwaltung) vorgestellt, was in Hanau in den letzten sechs bis acht Jahren beim Umgang mit Konversionsflächen erreicht wurde. Es wurde deutlich, dass in Hanau frühzeitig der Kontakt zu den „Verantwortlichen“ gesucht wurde, so dass zeitnah nach Bekanntwerden der Aufgabe der Militärstandorte mit der Planung und Konzepterarbeitungen begonnen sowie Umsetzungsstrukturen geschaffen werden konnten. Ebenso frühzeitig wurden – auch mit Unterstützung von Partnern wie der Sparkasse – die Tore für Investoren geöffnet bzw. versucht, deren Interessen und Möglichkeiten auszuloten. Dies erfolgte beispielsweise durch „Kamingespräche“ und Touren über die verlassenen Gelände.

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Fotos: Elke Becker

Vermittelt wurde, eine Konversionsfläche zunächst als Wert und Chance zu begreifen. Dass dieser Wert subjektiv wahrgenommen und finanziell ungleich bewertet wird, wurde ebenfalls deutlich. Entsprechend diskutierten die Teilnehmer über unterschiedliche Handlungslogiken und Interessen von Vertretern der Planung und der Investitionswirtschaft. Grundsätzlich konnte die Entwicklung der Konversionsflächen in Hanau neue Impulse für die gesamtstädtische Entwicklung setzen. Weitere Schlaglichter aus den Hanauer Erfahrungen sind u.a.

  • die Sicherung einer gestalterischen Qualität durch Wettbewerbe,
  • viel und vielfältige Kommunikation im Vorfeld sowie
  • die frühzeitige Erstellung einer ganzheitlichen Konzeption bei zugleich sensiblem Umgang mit den jeweiligen Einzel-Standorten.

FotoEin weiterer Programmpunkt war die Besichtigung von Konversionsflächen. Erste Areale sind – insbesondere zur Wohnnutzung – umgestaltet, andere befinden sich in der Umsetzung. Zweifellos profitiert Hanau von den Wohnungsmarkt-Engpässen im Rhein-Main-Gebiet. Dabei steht die Stadt paradoxerweise auch vor dem Problem, fast intakte Wohngebäude aufgrund der Nähe zu geruchsintensivem Gewerbe abreißen zu müssen.

Auch die Erfahrungen anderer Städte wurden in den Blickpunkt genommen. So wurden anhand der Entwicklungen in Tübingen, Nürnberg und Paderborn unterschiedliche Stadtgrößen, Umsetzungsphasen und Kulturen im Umgang mit Konversionsflächen diskutiert.

Gegenstand des Seminars waren auch Regionen und Standorte, die weniger von Wachstumsdruck geprägt sind. Dies wurde z.B. anhand einer Landesgartenschau in Hemer diskutiert. Als Exkurs wurde Urban Mining vorgestellt. Zwar wurde in dem Vortrag deutlich, dass ein Rückbau von Gebäuden unter fiskalischer Berücksichtigung der Wiederverwertbarkeit einzelner Materialen aktuell nicht rentabel sei. Gleichzeitig stimmte aber die Darstellung der Endlichkeit einzelner Ressourcen wie Kupfer oder Eisenerz nachdenklich, wenn gleichzeitig vor Augen geführt wird, welche versteckten Materialen sich in Hochbauten befinden, die im Rahmen von Konversionsmaßnahmen abgerissen und entsorgt werden. Ein weiterer Beitrag beschäftigte sich mit der Situation in Osteuropa. Bei allen Schwierigkeiten, die hierzulande konstatiert wurden, wie rechtliche Rahmenbedingungen, finanzielle Engpässe oder eigenwillige Akteurskonstellationen, wurde deutlich, dass die Herausforderungen in osteuropäischen Ländern sich noch einmal deutlich davon abheben. Bei kaum vorhandener öffentlicher Förderung und noch hierarchischen Strukturen ist das Gelingen oder Misslingen einer sinnvollen Nutzung von Konversionsflächen in erheblichem Umfang von Investoren und damit Einzelinteressen und deren Engagement abhängig.

Bestätigt wurde im Seminar, dass die Ausgangssituation, der Umgang mit Konversionsflächen und die Akteurskonstellationen nicht immer übertragbar sind. Gleiches gilt für den Umgang mit der Öffentlichkeit in einem solchen Prozess. Einigkeit herrschte bei den Teilnehmenden darüber, dass Transparenz gegeben und ein Informationsfluss gewährleistet werden müssen. Deutlich wurden hier aber grundsätzlich unterschiedliche Wege im Umgang mit der Bürgerschaft. Während die einen jegliche Form der Mitsprache bei der Entwicklung der Konversionsflächen ablehnen, nehmen andere die Entwicklung von Konversionsflächen zum Anlass, um neue Formate wie E-Partizipation auszuprobieren.

Weitere Informationen: 

Dr. Elke Becker
Telefon: 030/39001-149
E-Mail: ebecker@difu.de

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