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Difu-Berichte 4/2011 - Gender Mainstreaming in der kommunalen Praxis

Wo stehen die Kommunen auf dem Weg zu einer geschlechtergerechten Stadt? In welchen kommunalen Handlungsfeldern wurde etwas erreicht, wo bestehen noch Defizite? Und hat sich Gender Mainstreaming als geeignete Methode zur Integration der Geschlechterperspektive in das Verwaltungshandeln erwiesen? Über diese und weitere Fragen diskutierten über 40 Teilnehmerinnen und (einige wenige) Teilnehmer in einem ausgebuchten Difu-Seminar, das in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag am 26. und 27.9.2011 in Berlin stattfand.

Auch wenn der Begriff Gender Mainstreaming in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist, da es sich um ein verwaltungsinternes Organisations- und Managementkonzept handelt, setzen mittlerweile viele Kommunen in unterschiedlicher Intensität diese gleichstellungspolitische Strategie um. Auf die mit diesem Ansatz verbundenen Chancen und Risiken wies Dr. Barbara Stiegler, Leiterin des Arbeitsbereichs Frauen und Geschlechterpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, in ihrem Einführungsvortrag hin. Mit der Reduzierung auf die Erstellung und Abarbeitung von Checklisten, Fragebögen und Handlungsanleitungen gerate, so ihr eindrücklicher Hinweis, das Thema „Gender“ in die Gefahr, als technokratisch und bürokratisch abgelehnt zu werden. Vor allem warnte sie davor, verschiedene gleichstellungspolitische Ansätze gegeneinander auszuspielen.

Mit Blick auf die unterschiedlichen Bedürfnisse, aber auch Potenziale von Männern und Frauen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen Lebenssituationen, werden Vielfaltsmanagement und Genderkompetenz künftig eine wachsende Bedeutung für die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Kommunen erlangen. Um zu verdeutlichen, was das in der Praxis bedeutet und wie sich die Fachressorts für diese Aufgabe wappnen können, wurden im Seminar beispielhafte Modelle aus verschiedenen Kommunen und so unterschiedlichen Aufgabenfeldern wie der Sportentwicklungsplanung (Freiburg i. Br.), der Kinder- und Jugendarbeit (Göttingen), der Stadt- (München) und Freiraumplanung (Berlin) vorgestellt.

Die Diskussion und Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit in der Kommune führt – wenn sie ernst genommen wird – über kurz oder lang zur Diskussion über die gerechte Verteilung von Ressourcen. Einen Schwerpunkt des Seminars bildete daher die Vorstellung kommunaler Ansätze zur gleichstellungsorientierten Haushaltssteuerung bzw. zum „Gender Budgeting“. Der Grundgedanke dieses Ansatzes ist es, transparent und überprüfbar zu machen, ob Stadtverwaltungen „das Richtige für die Richtigen richtig machen“, wie es Frau Parlar, Projektleiterin „Gleichstellungsorientierte Haushaltssteuerung“ der Landeshauptstadt München ausdrückte. Dass der „Daumenschraubenbereich“, in dem es diesbezüglich Gestaltungsspielraum gibt, innerhalb des städtischen Haushalts jedoch nur einen kleinen Ausschnitt umfasst, darauf wies Klaus Feiler, Leiter der Haushaltsabteilung der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen, in seinem Vortrag hin. Voraussetzung für eine entsprechende Steuerung der Ressourcen sei zudem ein funktionierendes Monitoring. Im Detail, so zeigte die Diskussion, kann es jedoch mitunter schwierig sein, geeignete Indikatorensysteme zu entwickeln. Offen blieb auch, wie sich kleinere Kommunen mit ihrer geringer ausdifferenzierten Verwaltungsstruktur dieser Aufgabe stellen können.

Im Seminarverlauf zeigte sich, dass das Thema Geschlechtergerechtigkeit inzwischen „aus der Frauenecke herausgehört“, wie es ein Seminarteilnehmer ausdrückte. Und dies nicht nur, weil dadurch die Akzeptanz von Gleichstellungspolitik erhöht wird, sondern weil es, beispielsweise im Bildungsbereich, auch Nachholbedarf bei der Gleichstellung von Männern und Jungen gibt. Die eingangs erwähnten Defizite in der öffentlichen Wahrnehmung können nicht darüber hinweg täuschen, dass Geschlechterpolitik ein aktuelles Thema in den Kommunalverwaltungen ist. Das haben auch das große Interesse an dem Seminar sowie die intensiven Diskussionen gezeigt. Das Difu wird den Bedarf nach Erfahrungsaustausch und Weiterentwicklung des Themas mit regelmäßigen Veranstaltungen unterstützen. Darüber hinaus gilt es aber auch, in fachspezifischen Zusammenhängen stärker zu kommunizieren, was Gender Mainstreaming ist und welchen Nutzen eine Kommune erwarten kann.

Weitere Informationen: 

Dr. rer. pol. Stephanie Bock
Telefon: 030/39001-189
E-Mail: bock@difu.de

Dipl.-Geogr. Gregor Jekel
Telefon: 030/39001-190
E-Mail: jekel@difu.de

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