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Difu-Berichte 3/2019 - Checkpoint Teilhabe: Eingliederung seelisch behinderter junger Menschen

Jugendämter sind seit 2018 als Rehabilitationsträger in erweiterter Verantwortung. Kinder- und Jugendhilfe und Eingliederungshilfe sind gefordert – auf Grundlage des Bundesteilhabegesetzes – gemeinsam neue ganzheitliche Lösungen zu entwickeln.

Foto: Handicap-Ausgleich auf dem Podium: Die blinde Moderatorin Dörte Maack mit den Podiumsteilnehmern Dr. Andreas Oberle, Klinikum Stuttgart und Prof. Dr. Christian Schrapper, Universität Koblenz-Landau

Am 1. Januar 2018 trat die zweite Reformphase des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) in Kraft. Für die Kinder- und Jugendhilfe resultieren daraus unmittelbare Konsequenzen: Mit Blick auf § 35a SGB VIII (Eingliederung seelisch behinderter Kinder und Jugendlicher) stehen die Jugendämter als Rehabilitationsträger vor der Herausforderung, die sich aus dem BTHG ergebenden Richtlinien neu in ihre Arbeitsprozesse zu integrieren. Daher müssen auf der Ebene der kommunalen Praxis neue Instrumente der Bedarfsermittlung konzipiert sowie differenzierte Verfahrensabläufe zur Kooperation verschiedener Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, Trägern der Eingliederungshilfe, der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Behindertenhilfe in Bezug auf die Hilfe-/Teilhabeplanung implementiert werden. Wie das konkret umsetzbar ist, diskutierten 140 Teilnehmende aus allen beteiligten Akteursgruppen im Mai 2019 auf der 4. Plattform für öffentlichen Erfahrungsaustausch des Dialogforums "Bund trifft kommunale Praxis", gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), in Berlin. Die Veranstaltung war von einem engagierten Austausch geprägt, in dem es darum ging, inwieweit sich die Praxis vor dem Hintergrund des BTHG bereits verändert hat, wo sich neuer systemischer Veränderungsbedarf erkennen lässt, wie Prozesse ganzheitlich abgestimmt werden können und an welchen Stellen sich ggf. gesetzlich geregelter Reformbedarf für das SGB VIII aufgrund der Reform des BTHG ergibt.

Inhaltlich ging es vorrangig um die anstehenden Veränderungen von Arbeitsabläufen im Jugendamt und der Hilfeplanung als Kernelement einzelfallbezogener Hilfen in der Kinder- und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe. Dies war unter der Überschrift "Jugendhilfe trifft Eingliederungshilfe" Diskussionsgegenstand in sechs Arbeitsgruppen zu den Handlungsfeldern Kinderschutz, Kita/Frühförderung, Begleitete Elternschaft, Beratung, Schulbegleitung und Fremdbetreuung. Auf einer Podiumsdiskussion wurden Perspektiven für eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe im Hinblick darauf, was die Kommunalpraxis dem BMFSFJ mit auf den Weg für eine Modernisierung des SGB VIII geben will, diskutiert. Breiten Konsens zeigten die Teilnehmenden im Wunsch nach Klarheit und konkreten Regelungen für die "Große Lösung", "damit", so ein Teilnehmer, "auch wir in der Behindertenhilfe endlich handlungsfähig werden und auf Detailfragen eingehen können – wie die Frage der Bedarfsermittlung, die die Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen mit ins Boot nimmt und die dafür Sorge tragen kann, dass Hilfeplanverfahren so gestaltet werden, dass jemand die Stimme für die Menschen erhebt, die dazu selbst nicht in der Lage sind". Der von Prof. Christian Schrapper formulierte Wunsch "dass in unserem Land jedes Kind gut groß werden kann, unabhängig davon, woher es kommt, mit welchen Beeinträchtigungen es geboren ist und unter welchen Bedingungen es aufwächst, und dass die öffentliche Verantwortung dafür, dass alle Kinder in diesem Land gut groß werden, noch viel stärker verankert ist", fand ein ungeteiltes Echo.

Die Veranstaltung wurde von Dörte Maack moderiert, die – als blinde Moderatorin – vielen Teilnehmenden nicht nur die Augen öffnete, sondern auch für viele nachdenkliche, humorvolle und emotionale Momente auf dieser Tagung sorgte und aus ihrer Perspektive verdeutlichte, dass Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen vor allem der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben eint. "Die Beeinträchtigung kann man nicht wegleugnen, aber wir alle möchten mit diesem Merkmal so selbstbestimmt unser Leben gestalten, wie es eben möglich ist." Wie inklusive Kinder- und Jugendhilfe aktiv miteinander schon jetzt, auch ohne rechtliche Rahmung, gestaltet werden kann, soll während der nächsten Plattform für öffentlichen Erfahrungsaustausch am 7./8. November 2019 in Berlin diskutiert werden. Dabei geht es um die Wirkkraft unseres Tuns.

Weitere Informationen: 

Dipl-Soz. Kerstin Landua
+49 30 39001-135
landua@difu.de

Checkpoint Teilhabe. Kinder- und Jugendhilfe + BTHG = Neue ganzheitliche Lösungen entwickeln!
Weitere Informationen zur Veranstaltung

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