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Difu-Berichte 3/2015 - Jugendarbeit braucht stärkeren Anschluss an gesellschaftliche Debatten und Prozesse!

Die von der Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe am Difu durchgeführte Tagung „Noch Raum für offene Jugendarbeit? Zwischen virtuellen Lebensräumen, Schulstress und Real-Life“ fand Ende 2014 in Berlin statt und wurde von 250 Fachkräften der öffentlichen und freien Jugendhilfe besucht. Anliegen der Tagungsteilnehmer war es, darüber zu diskutieren, welchen Auftrag sich Jugendarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe heute mit Blick auf die veränderten Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen, dem demografischen Wandel, knappen Kassen und Personalabbau selber gibt, wie sie ihr Zukunftspotenzial und ihre Aufgaben definiert. Dazu gehörte auch die Auseinandersetzung mit den Fragen, ob offene Jugendarbeit heute mehr fremd- als eigenbestimmt ist, indem sie unterstützende Dienstleistungen, z.B. für die Schule oder im Feld der Hilfen zur Erziehung, übernimmt. Und wie mit Blick auf die Grundprämissen „Freiwilligkeit, Partizipation und Alltagsorientierung“ eine neue Handlungssicherheit in der Jugendarbeit hergestellt werden kann, die mit den Bedürfnissen und Interessenlagen der Kinder und Jugendlichen übereinstimmt. Am wichtigsten war im Verlauf der Tagung die Auseinandersetzung mit der Frage, wie das Thema „Jugendarbeit“ und die dort engagierten Fachkräfte mehr Gehör für ihre Belange in der Kommunalpolitik finden können und wie die hierfür fehlende Lobby geschaffen werden kann. Wobei auch klar war: „Es kommt auf unser Engagement an, zukunftsfähige Angebote zu gestalten. Wir sollten was verändern!“

Always online?
Zur Frage: „Jung und rundrum digitalisiert?“ stellte Joanna Schmölz, Stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), Hamburg, Ergebnisse der „DIVSI U25-Studie: Kinder, Jugendliche und jungen Erwachsene in der digitalen Welt“ vor. Sie verwies darauf, dass Jugendliche ab 14 Jahren sehr autark und selbstständig in ihrer Mediennutzung seien und der Elterneinfluss keine große Rolle mehr spielt. Das Smartphone sei ab da der „Herzschrittmacher der Jugendlichen“, von denen 98 Prozent (14-24 Jahre) täglich online sind oder sich sogar nie ausloggen. Und ein Online-Verbot sei der Hausarrest des digitalen Zeitalters. Es gebe ein eigenes Verständnis von Privatheit und Onlinewelt.

In letzterer ist eigene Reputation, Selbstinszenierung und Ansehen in der Peer-Group sehr wichtig. Privates/Peinliches/Intimes hingegen werde nicht in Netzwerken, sondern unter vier Augen ausgetauscht. Es sei zu beobachten, dass Jugendliche zurückhaltender mit der Veröffentlichung von privaten Inhalten geworden sind, „weil man alles, was im Netz steht, nie wieder löschen kann“. Mobbing im Netz sei ein sehr zentrales Thema unter Jugendlichen.

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Joanna Schmölz, Stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im
Internet (DIVSI), Hamburg

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Prof. Dr. Ulrich Deinet, Fachhochschule Düsseldorf; Peter Martin Thomas, SINUS: akademie
Heidelberg

Einfach mal Chillen …
Prof. Dr. Ulrich Deinet, Leiter der Forschungsstelle für sozialraumorientierte Praxisforschung und -entwicklung (FSPE), Fachhochschule Düsseldorf sprach darüber, wie die Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis geschlossen werden kann und Fachkräfte erfahren können, was Jugendliche brauchen (und wollen). Um dies zu beantworten, müsse man die Mobilitätsmuster Jugendlicher erkunden (Begehung von Stadtteilen und virtuellen Orten) und sich damit auseinandersetzen, was daran bemerkenswert ist. Jede Stadt/Region habe ihre eigenen Muster, die nicht 1:1 auf andere übertragbar sind. Neu sei das Interesse Jugendlicher am „Chillen“. Dies verdiene Beachtung. „Jugendliche verharren in Gelegenheitsstrukturen“ (L. Bönisch) und chillen z.B. in der Shoppingmall als halböffentlichem Platz. Mit diesen Lebenswirklichkeiten und -orten muss sich Jugendarbeit beschäftigen. Heute könne auch ein „McDonalds“ als erfolgreicher Raum für Jugendarbeit genutzt werden.

Wie ist dass, was Jugendliche brauchen (und wollen) kommunalpolitisch umsetzbar? Wie gelingt es der Politik, gemeinsam mit der Kinder- und Jugendhilfe umzusteuern? Bei den Teilnehmenden bestand Konsens, dass es helfen würde, substanziell an die Kommunalfinanzen ranzugehen, Verteilungsgerechtigkeit herzustellen sowie generell quantitativ und qualitativ mehr Ressourcen bereit zu stellen. Dazu braucht man die Politik, um gute Ideen weiterzutragen und zu kommunizieren. Was bleibt nun von der Tagung? Ein Teilnehmer hat es so zusammengefasst: „Ermutigung für Jugendarbeit zu kämpfen. Orientierung über Stand der Debatte. Viele engagierte Kollegen landesweit.“

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Anna Jansen, Studentin, Osnabrück; Sieghard Kelle, Geschäftsführer Stuttgarter Jugendhaus
gGmbH

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Jörg Freese, Deutscher Landkreistag; Norbert Hocke, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft,
Berlin. Fotos: Rita Rabe

Weitere Informationen: 

Dipl.-Soz. Kerstin Landua
AG Fachtagungen
Jugendhilfe im Difu
Telefon: 030/39001-135
E-Mail: landua@difu.de

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