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Difu-Berichte 3/2007 - Integrierte Stadtentwicklungspolitik für benachteiligte Stadtteile in Europa

Zur fachlichen Vorbereitung der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2007 war das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) beauftragt, im Rahmen einer internationalen Vergleichsstudie zu untersuchen, inwieweit Ansätze einer integrierten gebietsbezogenen Entwicklung benachteiligter Stadtteile in den 27 EUMitgliedsstaaten realisiert werden. Dabei standen folgende Fragen im Vordergrund:

  • Welche Politiken, nationalen Programme und/oder regionalen oder kommunalen Ansätze einer integrierten, gebietsbezogenen Entwicklung benachteiligter Stadtteile gibt es auf nationaler, regionaler und/oder kommunaler Ebene?
  • Welches sind die wesentlichen Ziele dieser Politiken, nationalen Programme, regionalen oder kommunalen Ansätze?
  • Welche Formen politikfeld- oder ressortübergreifender Zusammenarbeit sind auf nationaler, regionaler und/oder kommunaler Ebene eingerichtet worden?
  • Inwieweit sind unterschiedliche politische Handlungsfelder für die Entwicklung benachteiligter Stadtteile integriert worden?
  • Welche Bedeutung haben Empowerment, Aktivierung und Beteiligung für diese Strategien?
  • Haben diese Ansätze einen klaren Gebietsbezug?

Die 27 EU-Staaten wurden je nach Reichweite und Tiefe ihrer Stadt(teil)entwicklungsansätze drei Gruppen zugeordnet, deren Grenzen fließend sind, da in vielen Mitgliedstaaten integrierte Stadtentwicklung derzeit an Bedeutung gewinnt:

  • Länder mit umfassenden nationalen Programmen zur integrierten Entwicklung benachteiligter Stadtteile (z.B. Deutschland, Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Niederlande)
  • Länder mit Ansätzen integrierter Stadtteilentwicklung für einzelne Regionen und Städte (z.B. Österreich und Spanien)
  • Länder mit Ansätzen integrierter Stadtteilentwicklung im Rahmen einzelner Projekte und Maßnahmen

Zusammenfassend zeigt sich, dass integriertes Vorgehen bei der gebietsbezogenen Entwicklung benachteiligter Stadtquartiere in der EU eine unterschiedlich starke Verbreitung hat – je nach Rahmenbedingungen, spezifischen Problemen und Prioritätensetzungen. In Westeuropa dominieren nationale Programme oder umfassende Ansätze für einzelne Regionen und Städte, in Mittel- und Osteuropa bezieht sich integrierte Stadtteilentwicklung eher auf einzelne Projekte und Maßnahmen. In den meisten westeuropäischen Staaten umfassen solche Ansätze neben städtebaulichen Aspekten meist auch soziale und lokalwirtschaftliche Fragestellungen, während sich der Großteil mittel- und osteuropäischer EU-Staaten stärker auf städtebauliche Maßnahmen konzentriert.

Insgesamt ist der Trend zu beobachten, dass integrierte Stadtteilentwicklung als Strategie zur Überwindung sozial-räumlicher Spaltungstendenzen im EU-Raum auf dem Vormarsch ist. Dabei müssen jedoch – trotz aller bisherigen Erfolge – noch eine Reihe von Herausforderungen bewältigt werden. So zeigen mehrere Evaluationsstudien, dass zwar Verbesserungen in den Quartieren erzielt, allerdings noch keine umfassenden Problemlösungen erreicht werden konnten. Vielfach ist die ressortübergreifende Kooperation auf nationaler, regionaler und kommunaler Verwaltungsebene verbesserungsbedürftig. Umgekehrt wird für einige westeuropäische EU-Staaten eine zu große Komplexität der „Förderlandschaft“ und ihrer Organisationsstrukturen konstatiert. Fehlende „Beteiligungstradition“ bzw. die rechtliche Verankerung von Partizipation erschwert vielerorts ein integriertes Vorgehen auf der Umsetzungsebene. Generell erscheint es wünschenswert, baulich-städtebauliche Ziele noch stärker um solche aus dem sozialen und wirtschaftlichen Bereich zu ergänzen.

Die Difu-Studie bildete eine Grundlage für die „Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt“, die am 24. Mai 2007 im Rahmen des informellen Treffens der Stadtentwicklungsminister/innen der EU in Leipzig verabschiedet wurde. Darin einigten sich die Minister/innen unter anderem darauf, Strategien für die Entwicklung benachteiligter Stadtteile künftig einen noch größeren Stellenwert beizumessen.

Weitere Informationen:

Dipl.-Geogr. Thomas Franke
Telefon: 030/39001-107
E-Mail:

franke@difu.de

Dipl.-Ing. Wolf-Christian Strauss
Telefon: 030/39001-296
E-Mail:

strauss@difu.de

deposit.d-nb.de/ep/netpub/07/00/96/984960007/_data_stat/gg110959wu.pdf