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Difu-Berichte 3/1999 - "TAT- Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb" Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger

  "TAT- Orte. Gemeinden im
ökologischen Wettbewerb"

Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger

 

    

Difu- Berichte 3/ 1999 20 Die "TAT- Orte 1999" sind ermittelt. Fünf Gemeinden und Initiativen aus den neuen Bundesländern wurden beim diesjährigen Wettbewerb "TAT- Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb" dafür prämiert, daß sie durch Eigeninitiative, Phantasie und Tatkraft beispielhafte Umweltideen in die Tat umsetzen, die gleichzeitig auch einen positiven ökonomischen und sozialen Beitrag leisten.

Die Ausschreibung "TAT- Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb" ist ausgerichtet auf kleine, vor allem in ländlichen Gebieten gelegene Gemeinden der neuen Bundesländer. An dem jährlich durchgeführten Wettbewerb konnten sich Verwaltungen und Initiativen aus Gemeinden der neuen Bundesländer bis 10 000 Einwohner beteiligen, die innovative Ideen mit persönlichem Engagement verbinden und so zur Verbesserung der Lebensqualität ihrer Region beitragen. Beim - letzten offenen - Wettbewerb 1999 hatten sich insgesamt 105 Gemeinden und Initiativen beworben. Im Jahr 2000 werden alle Preisträger der vergangenen fünf Jahre nochmals "ins Rennen geschickt", um dann schließlich die herausragendsten TAT- Orte des gesamten Wettbewerbs zu küren.

Insgesamt haben sich von 1995 bis 1999 mehr als 350 Gemeinden und Initiativen an der Ausschreibung beteiligt. Seit 1995, dem Beginn des jährlich durchgeführten Wettbewerbs, ist die Zahl der Bewerber stetig gestiegen. Dies zeigt nicht nur, daß der Bekanntheitsgrad von "TAT- Orte" deutlich zugenommen hat, sondern auch, daß in den neuen Bundesländern beeindrukkend viele und vielfältige Maßnahmen im Umweltschutz ergriffen wurden. Interesse an der Teilnahme haben auch zahlreiche Gemeinden in den alten Bundesländern bekundet, doch konnten diese aufgrund der Ausrichtung des Projekts auf die neuen Bundesländer bisher nicht berücksichtigt werden.

Um alle Bewerber auf ihrem Weg zu einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Gemeinde zu unterstützen, ist es ein erklärtes Ziel des TAT- Orte- Wettbewerbs, über die öffentliche Anerkennung und Bekanntmachung guter Beispiele hinaus den Erfahrungsaustausch zwischen den Gemeinden und Initiativen zu fördern und themenspezifisches Wissen an Umweltakteure im ländlichen Raum zu vermitteln. Denn das Interesse an Ideen und Wegen der jeweils anderen Bewerber, auch derer, die nicht unter den Ausgezeichneten sind, ist groß. Schließlich gehen von diesen Nachweisen gelungener Eigeninitiative und erfolgreicher Praxis starke Impulswirkungen aus.

Daher ist auch die Förderung des interkommunalen Erfahrungsaustauschs eines der wichtigsten Ziele des TAT- Orte- Wettbewerbs, der damit für die systematische Vermittlung von Erkenntnissen und Erfahrungen zwischen den Gemeinden sorgt. Neben der Weitergabe der Buchdokumentationen an Gemeinden und Initiativen werden seit 1996 Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch und seit 1998 Fachtagungen durchgeführt. Diese finden in ausgewählten Preisträgerorten zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten statt. Themen sind unter anderem umweltfreundliche Energieversorgung in Gemeinden, ökologisch orientierte Landwirtschaft und regionale Vermarktung, Lokale Agenda 21 oder ökologisch orientiertes Bauen. Zudem sind die TAT- Orte im Internet mit einem speziellen Informationsangebot vertreten.

Der nächste wichtige Baustein im Rahmen des Wettbewerbs wird in der Veröffentlichung spezieller Themenhefte bestehen, in welche auch Praxisbeispiele aus dem Erfahrungsschatz der Wettbewerbsteilnehmer einfließen werden. Damit kann ein weiterer wesentlicher Beitrag zum Erfahrungstransfer und zur Vernetzung zwischen den Akteuren geleistet werden.Die Preisträgerinnen und Preisträger und vor allem auch die Vielzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beweisen, daß es nicht allein die spektakulären Großprojekte sind, mit denen entscheidende Beiträge zur Verbesserung von Umwelt- und Lebensqualität geleistet werden. Gerade die vielen kleineren Aktivitäten stellen wirkungsvolle Lösungsansätze dar und sind, besonders in der oft praktizierten Bündelung unterschiedlicher Ansätze, unverzichtbar, wenn es darum geht, daß möglichst viele Menschen Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen und auf ihrer jeweiligen lokalen Ebene innovativ und konstruktiv handeln.

Positive Praxisbeispiele machen Mut, selbst die Initiative zu ergreifen und Ideen zu verwirklichen. Dazu bieten die TAT- Orte der bisher durchgeführten Wettbewerbe vielfältige Anregungen. Sie dokumentieren in eindrucksvoller Weise, daß durch die konsequente Berücksichtigung von Umweltbelangen bei Planung und Durchführung unterschiedlichster Vorhaben auch ökonomische und soziale Vorteile erzielt werden können. Beispiele hierfür sind die umweltschonende Energieversorgung, die neue Arbeitsplätze in der Region geschaffen hat, oder die ökologisch orientierte Abwasserreinigung, die für die ländliche Bevölkerung kostengünstiger sein kann als eine herkömmliche Form der Abwasserentsorgung, die ökologisch orientierte Landwirtschaft und die effiziente regionale Vermarktung ihrer Produkte oder die Realisierung umweltfreundlicher Demonstrationsanlagen, die gleichzeitig der Umweltbildung und dem Betrieb von Gebäuden dienen.

Das Torhaus, mit umweltfreundlichen Baustoffen rekonstruiert. Photo: D. Brandt

Preisverleihung in Potsdam

Die Auszeichnungen wurden am 26. September 1999 im Rahmen einer Festveranstaltung in Potsdam vom Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Fritz Brickwedde, und der Projektleiterin im Deutschen Institut für Urbanistik, Cornelia Rösler, überreicht. "Ich bin der festen Überzeugung, daß die heutige Auszeichnung an fünf beispielgebende Gemeinden und Initiativen zu einem breiten Ideentransfer führt. Außerdem wird sie helfen, die Diskrepanz zwischen entwickeltem Umweltbewußtsein und konkretem Umwelthandeln durch konstruktive, positive Beispiele zu überwinden," erklärte Fritz Brickwedde.

Neben der Urkunde erhielten die Preisträger eine reichbebilderte Buchdokumentation und einen Videofilm, die ausführlich über die prämierten "TAT- Orte" informieren. Parallel dazu wurde eine Ausstellung über die ausgezeichneten "TAT- Orte" präsentiert. "Wir hoffen, daß wir mit der heutigen Preisverleihung, den Buchdokumentationen, der Ausstellung und dem Video Grundsteine für neue Ziele und neue Taten legen können, bei den Preisträgern ebenso wie bei all denjenigen, die wir zur Nachahmung anregen wollen", so Cornelia Rösler.

Die "TAT- Orte"- Preisträger 1999

Umweltzentrum Ökohof Auterwitz e. V.

Das Dorf Auterwitz liegt im Landkreis Döbeln am Rande der Lommatzscher Pflege, der Kornkammer Sachsens. Es ist umgeben von weiträumigen, intensiv bewirtschafteten Ackerbauflächen. Nach der Wende und dem anschließenden Niedergang der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) war das Dorf dem Verfall preisgegeben.

Der im Jahr 1991 gegründete Verein Umweltzentrum Ökohof Auterwitz, der von sieben vormals in der Landwirtschaft tätigen und im ehrenamtlichen Natur- und Umweltschutz aktiven Personen gegründet wurde, hat sein Ziel, das Dorf wieder mit Leben zu erfüllen, konsequent und mit viel Engagement in die Tat umgesetzt. Stark verfallene und unter Denkmalschutz stehende Vierseithöfe wurden nach energieökologischen und baubiologischen Kriterien wieder aufgebaut und einer neuen Nutzung zugeführt, Arbeitsplätze beispielsweise im Lehmbau und in der Landschaftspflege geschaffen, die naturnahe Abwasserreinigung durch Pflanzenkläranlagen für den gesamten Ort realisiert. Zudem widmet sich der Verein intensiv der Umweltbildung und Umwelterziehung. So zieht ein vielfältiges und phantasievolles Angebot von Projekttagen und Exkursionen zu Themen des Natur- und Umweltschutzes jährlich über 5000 Kinder und Jugendliche von nah und fern nach Auterwitz. "Vermitteln wollen wir, welche Wissensvielfalt und Genialität sich hinter alten Handwerkstechniken verbirgt und daß die Achtung vor den Werten, die die Menschen und die Natur Generationen vor uns geschaffen haben, nicht ‚Zurück in die Steinzeit' bedeutet", so Holger Vogel, Vereinsvorsitzender des Umweltzentrums Ökohof Auterwitz.

Schafe beweiden die Donndorfer Streuobstwiese. Photo: Susanne Schleyer

Gemeinde Donndorf

Die etwa 900 Einwohner zählende Gemeinde Donndorf liegt im nordthüringischen Kyffhäuserkreis zwischen der Unstrutniederung und dem bewaldeten Höhenzug der Hohen Schrecke. Seit der Wende hat sich im Ort eine kontinuierliche Entwicklung hin zu einem umweltgerechten Standort von Wohnen, Arbeiten, Tourismus, Freizeit und Bildung im ländlichen Raum vollzogen. Dabei haben Gemeinde, Vereine, Bevölkerung und Unternehmen gemeinsam die Defizite, die aus früherer militärischer und landwirtschaftlicher Nutzung sowie dem Verfall der Infrastruktur resultierten, überwunden.

In Donndorf werden Maßnahmen der Dorferneuerung und Aktivitäten zur Erhaltung von Kulturlandschaft und dörflicher Siedlungsstruktur sinnvoll miteinander verknüpft. Gleichzeitig wurden durch die Ansiedlung von Gewerbe und Handwerk über 400 Arbeitsplätze im Dorf erhalten oder neu geschaffen. "Die sozialökologische Gemeindeentwicklung ist nicht von der wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes zu trennen. Um die Wohnqualität für unsere Bürger zu bewahren und zu verbessern, müssen die Bedingungen für Arbeit vor Ort geschaffen werden", erklärte Gudrun Holbe, Bürgermeisterin von Donndorf.

Die Dorfgemeinschaft entwickelt in Vereinen vielfältige Initiativen auf ökologischem, sozialem und kulturellem Gebiet. Sichtbare Erfolge des gemeinsamen Handelns sind die Wiederherstellung wertvoller Bausubstanz im Dorf, die Renaturierung von Gewässern, die geregelte Abwasserentsorgung, Baumpflanzungen in der Feldflur sowie Bildungsangebote von Unternehmen und einer Heimvolkshochschule.

Stadt Rehna

Die 2755 Einwohner zählende Kleinstadt Rehna liegt in der landschaftlich reizvollen Radegastniederung in Nordwestmecklenburg unweit des Biosphärenreservats Schaalsee.

Nach dem Willen der Rehnaer Akteure soll die Stadt wieder ein Zentrum von Produktion, Handel und Dienstleistungen für die umliegenden Orte werden.

Der Erhalt und die Entwicklung des Radegasttals stehen im Mittelpunkt zahlreicher Aktivitäten auf dem Weg zur Ökoregion Radegast, in der Vorhaben mit wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielstellungen umgesetzt werden sollen. "Als nördliches Tor ins Biosphärenreservat Schaalsee, einem einzigartigen Raum von Natur und Landschaft entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, fühlen wir uns dem Biosphärengedanken und dem Prozeß der Lokalen Agenda 21 eng verbunden", betonte Günter Hippel, Bürgermeister der Stadt Rehna.

Guck mal: Natur! Umwelterziehung in Rehna. Photo: Angelika Fischer

Viele Projekte der zurückliegenden Jahre können die Rehnaer auf der ökologischen Habenseite verbuchen: die umwelt- und denkmalgerechte Wiederherstellung des historischen Stadtkerns, die geregelte Abwasserentsorgung, den Erhalt und die Entwicklung des Radegasttals sowie von Teichen und artesischen Brunnen, die praktische Umwelterziehung in Kindertagesstätte und Schule oder die "öko- börse" zum Absatz ökologisch und regional erzeugter Produkte.

Rehnas Erfolgsrezept besteht in der aktiven Einbeziehung von Bevölkerung, Schulen, Unternehmen, Vereinen und anderen Gemeinden. Dabei kommt es den Rehnaern auch zukünftig weniger auf spektakuläreGroßvorhaben, sonderneher auf die Kontinuität der kleinen Schritte an.

Probieren und Kaufen. Regionale Produkte vom Reinstädter Landmarkt. Photo: Thomas Preuß

GRUND GENUG e. V. und Gemeinde Reinstädt

GRUND GENUG e. V. mit Sitz in Röttelmisch und die etwa 600 Einwohner zählende Gemeinde Reinstädt sind im Reinstädter Grund, einem etwa 15 Kilometer langen Seitental der Saale im thüringischen Saale- Holzland- Kreis, angesiedelt.

Mit dem Ziel einer eigenständigen Regionalentwicklung schlossen sich über 30 Akteure des Reinstädter Grunds und Ostthüringens zu einem Netzwerk von GRUND GENUG e. V. und der Interessengemeinschaft Reinstädter Landmarkt zusammen: Handwerksunternehmen, Ingenieurbüros, Landwirtschaft, Tourismusbetriebe, Bildungseinrichtungen und viele andere. Gemeinsam entwickeln und vermarkten sie regionale Produkte und Dienstleistungen. "Wir sind dabei, Schritt für Schritt Wege einer eigenständigen, umweltschonenden und nachhaltigen Regionalentwicklung zu erkunden. Dabei legen wir Wert darauf, Projekte so zu entwickeln, daß alle Beteiligten einen gegenseitigen Vorteil erlangen", erläuterte Alexander Pilling, Vorsitzender von Grund Genug e. V.

Das Netzwerk, in dem wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden, wird durch die Gemeinde Reinstädt tatkräftig unterstützt. So hat sich in kurzer Zeit der Reinstädter Landmarkt, der regelmäßig durchgeführt wird, zu einer bekannten regionalen Leistungsschau entwickelt. Wasserkraftanlagen konnten reaktiviert oder neu gebaut werden, der Streuobstanbau wird gefördert, regionale Verarbeitungsstrukturen entstanden, touristische und Bildungsangebote wurden entwickelt, Umwelterfahrungen vermittelt.

Der Kommunikationspavillon auf dem Wendtshof in Wallmow. Photo: Uwe Rogal

Land in Sicht e. V. und Gemeinde Wallmow

Die landwirtschaftlich geprägte Gemeinde Wallmow liegt in einem strukturschwachen Raum in der nordöstlichen Uckermark im Land Brandenburg. Auf Initiative vieler Menschen sind hier Projekte entstanden, die verschiedene Ansätze einer umweltgerechten und nachhaltigen Siedlungsentwicklung vermitteln.

Land in Sicht e. V. arbeitet mit Menschen, die in psychiatrischer Behandlung waren. Der Verein verbindet diese Arbeit ganz bewußt mit einem konsequent ökologischen Anspruch bei der Neugestaltung des vom Verfall bedrohten Gutshofs im Ortsteil Wendtshof. "Über unserer Arbeit steht das Motto: Soziale Zusammenhänge schaffen und gemeinsam Natur erhalten", so Johann Luger von Land in Sicht e. V.

Aus der ehemaligen LPG sind zwei Landwirtschaftsbetriebe entstanden, die 1 200 Hektar ökologisch bewirtschaften. Außer diesen beiden Akteuren hat sich eine Reihe weiterer ökologisch ausgerichteter Initiativen und Betriebe angesiedelt - eine Drechslerei, eine Vollholztischlerei, die Firma Phytobacter, die Präparate für die Öko- Landwirtschaft entwickelt, und die Freie Schule, in der Kinder in Anlehnung an Montessori- Pädagogik lernen. Sie alle arbeiten auf unterschiedlichen Kooperationsebenen sehr eng zusammen und haben dem Dorf nicht nur einen "ökologischen Stempel" aufgedrückt, sondern auch zum Aufbau neuer sozialer Strukturen und kultureller Aktivitäten in dieser ländlichen Region beigetragen.


Weitere Informationen:



Dipl.-Ing. Cornelia Rösler

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