Printexemplare bestellen

Warenkorb

Kontakt für Fragen zur Bestellung von Publikationen:

Heidi Espei
Tel.: +49 30 39001-253
Fax: +49 30 39001-275
E-Mail: vertrieb@difu.de

Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH
Vertrieb
Zimmerstraße 13-15
10969 Berlin

eBooks bestellen

Difu-Berichte 3/1997 - Bundeswettbewerb "Kinder- und familienfreundliche Gemeinde"

    


15 Preisträgerstädte und -gemeinden von Bundesministerin Claudia Nolte ausgezeichnet

Am 4. September 1997 hat Bundesfamilienministerin Claudia Nolte in Bonn die 15 Preisträgergemeinden und -städte des ersten Bundeswettbewerbs "Kinder- und familienfreundliche Gemeinde" bekanntgegeben und ausgezeichnet.

Ziel des Bundeswettbewerbs
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat den Bundeswettbewerb gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden - dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund - ausgelobt und die Kommunen aufgefordert, ihre kinder- und familienfreundlichen Konzepte, Projekte und Maßnahmen darzustellen. Ziel des Wettbewerbs war und ist es, besonders kinder- und familienfreundliche örtliche Maßnahmen kommunaler Politik auszuzeichnen und zur Stärkung und Fortentwicklung einer kinder- und familienfreundlichen Gestaltung des Lebensumfelds auf kommunaler Ebene anzuregen.

Beteiligung am Bundeswettbewerb
An dem Wettbewerb, der vom Deutschen Institut für Urbanistik, Berlin, und der Agrarsozialen Gesellschaft e.V., Göttingen, betreut wurde, beteiligten sich 364 Kommunen aus 14 Bundesländern. Der Hauptanteil der Bewerbungen (jeweils über 50 Prozent) kam bei den alten Bundesländern aus der Gemeindegrößenklasse 10000 bis 100000 Einwohner und bei den neuen Bundesländern aus der Gemeindegrößenklasse unter 10000 Einwohner.

Inhaltliche Schwerpunktsetzung
Die große Beteiligung und die inhaltliche Komplexität der Wettbewerbsbeiträge stellten hohe Anforderungen an die interdisziplinär zusammengesetzte Jury unter Vorsitz des Regierungspräsidenten a.D. Erwin Schleberger. Aus sehr vielen Wettbewerbsbeiträgen wurde deutlich, daß Maßnahmen und Projekte, mit denen die Lebenssituation von Kindern und Familien verbessert werden sollen, in fast allen Politikfeldern bzw. Ressorts der kommunalen Verwaltung durchgeführt werden. Darüber hinaus setzen viele Städte besondere Akzente

   im Ausbau der sozialen und kulturellen Infrastruktur,
 
im Bereich einer kinder- und familienfreundlichen Siedlungsstruktur (durch Maßnahmen im Wohnungsbau, der Wohnumfeldgestaltung und des Verkehrswesens),
 
in der Förderung der Partizipation und der Selbsthilfe, der Eigenleistung und Ehrenamtlichkeit sowie
 
in der Verankerung der Familienpolitik als Querschnittsaufgabe in örtlichen Verwaltungen und Politikfeldern und ihrer Vernetzung im kommunalen Handeln.
 

Auswahlverfahren
Bei der Auswahl der Preisträger wurde die Jury durch das Deutsche Institut für Urbanistik, Berlin, und die Agrarsoziale Gesellschaft e.V., Göttingen, unterstützt. Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren, in dem sowohl quantitative wie qualitative Bewertungsmaßstäbe zugrunde gelegt wurden. Am Ende dieses Auswahlverfahrens wurden die in die engere Wahl gekommenen Städte und Gemeinden vor Ort begutachtet. In der abschließenden Jurysitzung wurden die nachstehenden 15 Preisträger ausgewählt.

Bundesfamilienministerin Claudia Nolte mit den anwesenden Jurymitgliedern

Preisträger
Die Preisträger in der Größenklasse über 100 000 Einwohner sind:

   Aachen, Erfurt, Freiburg und Würzburg.
 
Die Preisträger in den Größenklassen zwischen 10 000 bis 100 000 Einwohner sind:
 
   Dreieich, Gladbeck, Lingen, St. Wendel, Tettnang und Zeulenroda.
 
Die Preisträger in der Größenklasse bis zu 10 000 Einwohner sind:
 
   Beeskow, Gleichen, Heidenburg, Schalkham und Thum.
 

Die räumliche Verteilung der Preisträgergemeinden:


Kurzbeschreibung der Wettbewerbsbeiträge der einzelnen Städte und Gemeinden in alphabetischer Reihenfolge:

Aachen

(253000 Einwohner, Nordrhein-Westfalen)
Den Schwerpunkt des Aachener Beitrags bilden innovative Projekte in der Wohnumfeldgestaltung, Wohnungs- und Verkehrspolitik. Modellcharakter kommt der kinderfreundlichen Gestaltung der Innenstadt zu und der Absicht, städtischen Raum für Familien mit Kindern zurückzugewinnen. Spielpunkte im Straßenraum, die nicht wie konventionelle Spielplätze abgegrenzt sind, und Maßnahmen zur erhöhten Sicherheit von Kindern sind hierfür gute Beispiele.

Beeskow

(9600 Einwohner, Brandenburg)
Die Stadt Beeskow richtet ihr Augenmerk vorrangig auf eine problemorientierte Arbeit mit Jugendlichen, Kindern und Familien. Die Jugendlichen werden aktiv in die Angebotsplanung und auch die Renovierung der Gebäude einbezogen. Seit der Wende sind die sozialen Einrichtungen modernisiert und ein dichtes Netz an Beratungs- und Begegnungsstellen für Schwangere, Frauen und Familien aufgebaut worden.

Dreieich

(42000 Einwohner, Hessen)
Die Aktion "Kindgerechte Stadt Dreieich" bezieht Politik, Verwaltung, Vereine, Familien und Kinder in vielfältiger Weise in Aktionen, Anhörungen und Vortragsveranstaltungen mit ein. Beispielhaft ist auch das Gemeinschaftsprojekt "Miteinander - Gegeneinander", innerhalb dessen die städtische Jugendpflege, der Kinderschutzbund und der Kreiselternbeirat gewaltpräventive Projekte über den Umgang mit Konflikten initiiert und durchgeführt haben.

Erfurt

(207000 Einwohner, Thüringen)
Ausdruck der Neuorientierung der Kommunalpolitik seit der Wende ist der vom Stadtrat beschlossene Handlungsrahmen "Kinder- und familienfreundliche Stadt Erfurt". Neue Projekte wie das Kinderhotel, das je nach Bedarf Zwei- bis Zwölfjährigen stunden- bis tageweise offensteht, und die Schülerakademie zur Nachwuchs- und Talentförderung belegen die Offenheit und Experimentierfreudigkeit.

Freiburg

(200000 Einwohner, Baden-Württemberg)
Die Auszeichnung Freiburgs erfolgt aufgrund zweier integrierter Siedlungsprojekte mit Vorbildcharakter, die in besonderem Maße den Ansprüchen von Familien und Kindern entgegenkommen. Das Wohnumfeld des Projekts "Rieselfeld", wo nach Fertigstellung etwa 10000 Bewohnerinnen und Bewohner ein neues Zuhause finden, zeichnet sich durch seine weitestgehend barrierefreien Spiel- und Bewegungsräume aus. Im Projekt "Vauban" wird durch konsequente Mischung von Wohnen und Arbeiten eine Siedlung der kurzen Wege mit etwa 700 Arbeitsplätzen angestrebt.

Gladbeck

(80000 Einwohner, Nordrhein-Westfalen)
Sowohl die Strategie der Baulandentwicklung und der kostengünstigen Bereitstellung von Bauland für Familien mit Kindern als auch die offene, dezentrale und vernetzte Stadtteilarbeit überzeugen in Konzeption und Realisierung. Ein Sozial- und Familienbericht befinden sich in Vorbereitung. Hervorzuheben ist schließlich die Arbeit mit Mädchen und Migranten, die das Bemühen um gleichberechtigte Teilhabe aller am kommunalen Leben dokumentiert.

Gleichen

(9200 Einwohner, Niedersachsen)
Als dünn besiedelte Flächengemeinde mit 16 Ortsteilen stellt sich Gleichen der besonderen Ausgangsbedingung, eine bedarfsgerechte, dezentrale Infrastruktur aufrechtzuerhalten und unter Beachtung ökologischer Aspekte eine familienorientierte Siedlungsentwicklung zu ermöglichen. So unterstützt die Gemeinde neue Wohnmodelle für Familien und bevorzugt bei der Baulandvergabe einheimische und einkommensschwache Familien.

Heidenburg

(753 Einwohner, Rheinland-Pfalz)
Heidenburg ist die kleinste Gemeinde, die ausgezeichnet wird. Es gelang, die Grundschule im Ort zu erhalten und eine Mehrzweckhalle zu errichten. Bedarfsgerechte, ganztägige Kindergartenöffnungszeiten, das Konzept einer "verläßlichen"Grundschule mit einer feststehenden Zeit bis 13.00 Uhr und die ganzheitliche Kinder- und Familienpolitik sind beispielgebend für andere kleine Gemeinden.

Lingen

(56000 Einwohner, Niedersachsen)
Bereits seit 1980 besteht ein familienpolitisches Förderprogramm, das Zuschüsse und Vergünstigungen bei städtischen Gebühren und beim Wohnungsbau für Familien und alleinerziehende Mütter sowie einen sozialen Hilfefonds umfaßt. Eltern, Kinder und Jugendliche werden systematisch bei der Planung und Umsetzung aller städtisch relevanten Projekte einbezogen.

St. Wendel

(28000 Einwohner, Saarland)
Die Flächengemeinde St. Wendel mit ihren 13 Ortsteilen setzt besondere Akzente in den Bereichen Wohnungswesen, Wohnumfeld- und Siedlungsgestaltung. Die Außenanlagen von Schulen und Kindergärten werden als naturnahe Spiel- und Erlebnisräume gestaltet, neue und be- stehende Wohngebiete werden verkehrsberuhigt und mit Spielstraßen ausgestattet. St. Wendel verfügt über ein vielfältiges und hochwertiges Angebot sozialer Infrastruktureinrichtungen.

Schalkham

(835 Einwohner, Bayern)
Kommunale Familienpolitik bedeutet hier eine unkonventionelle Umsetzung innovativer Maßnahmen. So sind die Kosten für den Bau der Wasserver- und -entsorgungsanlage besonders für kinderreiche Familien auf etwa zehn Prozent des Üblichen reduziert worden. Die laufenden Energiekosten ließen sich durch die Gemeinschaftsaktion zum Einbau von Solaranlagen erheblich senken. Familienpatenschaften für Biotope werden initiiert und gefördert.

Tettnang

(17000 Einwohner, Baden-Württemberg)
Im Mittelpunkt des Beitrags von Tettnang steht das Familienzentrum Spatzennest, eine eigenverwaltete Beratungs- und Selbsthilfeeinrichtung, die sich zu einem lebendigen Ort der Begegnung und Unterstützung für die Familien der Stadt entwickelt hat. Die vielfältigen Initiativen des Familienzentrums strahlen auf verschiedene Politikfelder aus, so auf das Wohnungswesen, die Wohnumfeld- und Siedlungsgestaltung, die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsförderungspolitik.

Thum

(3250 Einwohner, Sachsen)
Mit seinen vielfältigen Veranstaltungen und Angeboten für Eltern und Kleinkinder, Jugendliche und Senioren kommt dem Familien- und Freizeitzentrum eine wichtige "Scharnierfunktion" für die kommunale Familienpolitik zu. Durch ihre Beteiligung an der "Aktion 55" wird in Thum versucht, frühzeitig aus dem Berufsleben Ausgeschiedene über die Vereinsstrukturen zur Übernahme von Aufgaben in der Kinder- und Familienarbeit zu motivieren.

Würzburg

(130000 Einwohner, Bayern)
Seit 1977 sind Leitlinien der Familienpolitik in einem kommunalen Familienprogramm formuliert. Die Würzburger Innovationsfreude wird seit etlichen Jahren durch zwei Formen der Institutionalisierung kommunaler Familienpolitik symbolisiert: Die 1991 gegründete "Arbeitsgemeinschaft Familien in Würzburg", die mit der Kommunalverwaltung eng zusammenarbeitet, und die als Checkliste ausgestaltete "Familienverträglichkeitsprüfung", die für alle städtischen Dienststellen, Einrichtungen und Unternehmen verbindlich ist.

Zeulenroda

(15000 Einwohner, Thüringen)
Das Gesamtkonzept ist tragfähig und umfaßt Kindertagesstätten, Jugendeinrichtungen, Horte, einen Tagesmütterdienst, ein Schullandheim-Begegnungszentrum, umfassende Familienberatungs- und -bildungsangebote. Als Beispiel einer äußerst gelungenen Integration unterschiedlicher Einrichtungstypen ist das Haus "Frohe Zukunft" hervorzuheben, das in vorbildlicher Weise Kindertagsstätte und Seniorenbegegnungsstätte miteinander verbindet.

 

Verteilung der Wettbewerbsbeiträge auf die Bundesländer

nach Gemeindegrößenklassen
 

  Insgesamt
Größenklassen (EW)

Brandenburg
Berlin
Baden-Württemberg
Bayern
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen

Ingesamt

100%

 >100 000 

1
1
5
5
3
0
2
11
3
0
3
2
0
2

38

10,4

 10 000-100 000 

4
0
26
27
12
7
19
34
4
5
16
6
7
11

178

48,9

 <10 000 

11
0
12
41
8
4
6
6
5
1
12
16
9
17

148

40,7

 abs. 

16
1
43
73
23
11
27
51
12
6
31
24
16
30

364

100,0

%

4,4
0,3
11,8
20,2
6,3
3,0
7,4
14,0
3,3
1,6
8,5
6,6
4,4
8,2

 100,0 

 

Weitere Informationen:
Dipl.-Ing. Christa Böhme
Telefon: 030/39001-291
Dr.rer.pol. Albrecht Göschel
Telefon: 030/39001-253
Dipl.-Ing. Ulrike Meyer
Telefon: 030/39001-270
Dipl.-Volksw. Ulla Kristina
Schuleri-Hartje
Telefon:030/39001-234

Telefax: 030/39001-269

E-Mail:

Kinder+Familien@difu.de

Internet:

http://www.difu.de/
Kinder+Familien

Auch wenn nicht alle der 364 beteiligten Kommunen ausgezeichnet werden konnten, gibt es in dem Bundeswettbewerb keine Verlierer. Denn die Wettbewerbsausschreibung wurde von vielen Städten und Gemeinden auch dazu genutzt, die Situation von Kindern und Familien auf Verwaltungs- und Politikebene zu diskutieren. Die Beteiligung am Wettbewerb bewirkte in vielen Kommunen, daß sie einen umfassenden Überblick über die Vielzahl der kinder- und familienbezogenen Maßnahmen und Projekte erhielten und sie oftmals zum ersten Mal in dieser Form zusammentrugen.


Bundesfamilienministerin Claudia Nolte mit Vertretern der 15 Preisträgergemeinden und -städte

Ausgezeichnet wurden die Städte und Gemeinden, die jeweils unter ihren Bedingungen besonders umfassend, innovativ und in Kooperation mit anderen Partnern vor Ort ihr kommunales Handeln auf Kinder und Familien ausrichten. Sie erhielten eine mit einem Preisgeld verbundene Auszeichnung und zugleich Sachpreise von den Sponsoren KOMPAN Multikunst Spielgeräte GmbH, playmobil geobra Brandstätter GmbH+Co. KG, Rowohlt Verlag, unipor-Ziegel Interessengemeinschaft e.V. und werkform Design GmbH.

Wettbewerb als Ideenbörse
Bundesfamilienministerin Nolte betonte bei der Preisvergabe, daß dieser Bundeswettbewerb als Ideenwettbewerb zu werten sei. Mit den Ergebnissen der Beiträge solle eine Plattform für einen Erfahrungsaustausch über Projekte und Maßnahmen lokaler Familienpolitik geschaffen werden. Dazu dienen zum einen die vom Deutschen Institut für Urbanistik und der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. erstellte Dokumentation sowie die beim Difu bis Mitte 1998 im Internet zur Verfügung stehenden Informationen über den Wettbewerb einschließlich der von allen teilnehmenden Kommunen selbst verfaßten Kurzdarstellungen ihrer Wettbewerbsbeiträge.

Zum anderen eröffnet eine im Difu aus den Wettbewerbsbeiträgen erstellte Datenbank die Möglichkeit, gezielte Informationen über Schwerpunkte und Maßnahmen der kommunalen Familienpolitik zu erhalten. Individualrecherchen werden dem Aufwand entsprechend berechnet - Zuwenderstädte des Difu erhalten dabei eine Ermäßigung.

Weitere Verweise auf diesen Beitrag: