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Difu-Berichte 2/2019 - Regionalwirtschaftliche Effekte der Energiewende

Die unterschiedliche Verteilung positiver und negativer Auswirkungen kann die lokale Energiewende bremsen, auch bei positiver Gesamtbilanz. Ein Ausgleichsmechanismus könnte ökonomische Potenziale heben und das gesellschaftliche Miteinander stärken.

Windräder

Die Umsetzung der Energiewende stellt die Gesellschaft vor Herausforderungen – von der Entwicklung effizienter Technologien über den Ausbau von Übertragungsnetzen bis hin zum enormen Kapitalbedarf und der Bereitstellung geeigneter Flächen. Trotzdem werden heute laut Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) deutschlandweit bereits mehr als 36 Prozent des Strom- und 13 Prozent des Wärmebedarfs aus Erneuerbaren Energien (EE) gedeckt. Dabei haben dezentrale Erzeugungsanlagen und damit die lokale Ebene eine besondere Bedeutung.

Viele Städte, Gemeinden und Landkreise sind sich dieser Verantwortung bewusst und begreifen sie als Chance – verspricht doch die lokale Energiewende nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch ganz konkrete, vor Ort spürbare Wertschöpfungsgewinne. So auch im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz: Der Kreistag hat 2011 beschlossen, dass im Landkreis bis 2030 nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt und genutzt werden soll. Bis heute tragen EE jedoch lediglich zwölf Prozent zur Energieversorgung bei.

Im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts EnAHRgie wurde nach Wegen gesucht, die lokale Energiewende in Ahrweiler und darüber hinaus voranzubringen. Untersucht wurden vom Difu dabei insbesondere die gesetzlichen und raumplanerischen Rahmenbedingungen, die technischen Potenziale, die geografischen Gegebenheiten und das Neben- bzw. Gegeneinander verschiedener Flächennutzungen im Landkreis. Als besonderes Hemmnis wurden dabei immer wieder die erwarteten negativen Auswirkungen von EE-Anlagen auf die für den Landkreis wichtige Tourismuswirtschaft sowie auf den Wert von Immobilien thematisiert. Das Difu hat diese Aspekte genauer untersucht – die Ergebnisse werden im Sommer als Impulse-Band veröffentlicht. Je nach Ausbauvariante könnte die lokale EE-Erzeugung im Landkreis EnAHRgie- Szenarien zufolge Wertschöpfungseffekte von bis zu 31 Mio. Euro jährlich induzieren.

Für den Landkreis Ahrweiler zeigt sich, dass der Wertschöpfungsrückgang im Tourismusbereich je nach Szenario bis zu einem Drittel der zusätzlichen Wertschöpfung ausmachen kann. Hinzu kommen einmalige Wertverluste bei Immobilien im näheren Umfeld von EE-Anlagen. Gemessen an den Wertschöpfungsgewinnen im gesamten Betrachtungszeitraum bis 2030 in Höhe von bis zu 404 Mio. Euro sind die zu erwartenden Wertverluste der Immobilien von bis zu 33 Mio. Euro nicht zu vernachlässigen. Sie stellen die positive ökonomische Gesamtbilanz für die Region nicht in Frage. Klar wird aber, dass eines der Kernprobleme die Verteilung von Vor- und Nachteilen aus der lokalen Energiewende auf verschiedene Akteure ist. Um die vorhandenen Potenziale für den Klimaschutz und die lokale wirtschaftliche Entwicklung zu heben, bedarf es eines geeigneten Ausgleichs, der möglichst viele an den positiven Effekten der Energiewende teilhaben lässt. Erforderlich ist mehr als die reine Beteiligung in Planungsprozessen. Mit den Wertschöpfungsgewinnen können die durch EEA verursachten Standortnachteile durch gezielte Investitionen – z.B. in soziale Infrastruktur wie ein Gemeindezentrum oder in ökologische Projekte wie die Renaturierung von Wasserläufen – ausgeglichen werden. Auch direkte Kompensationen wirtschaftlicher Nachteile durch Transferzahlungen, die Förderung von Energiesparmaßnahmen oder die Unterstützung von Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe sind möglich. Die Beteiligung beschränkt sich nicht nur auf die Errichtung von EE-Anlagen und endet auch nicht nach der Planungsphase. Der Ausgleich von Vor- und Nachteilen ermöglicht überhaupt erst die Realisierung der Wertschöpfungspotenziale und führt zu einem stärkeren gesellschaftlichen und ökonomischen Miteinander.