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Difu-Berichte 2/2016 - Flüchtlingsfamilien im Schatten der Hilfe?

Zuwanderung als Dauerthema von Stadtentwicklung und Sozialplanung

Foto von der PodiumsdiskussionAm 14. und 15. April 2016 veranstaltete die Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Difu gemeinsam mit dem Deutschen Städtetag in Berlin eine Fachtagung zum Thema "Flüchtlingsfamilien" mit 220 Teilnehmenden. Die Tagung bot eine sehr anregende und lebendige Diskussion, wie Flüchtlingsfamilien vor und nach ihrer Anerkennung mit Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe erreicht, in die Gesellschaft aufgenommen und integriert werden können. Gerade begleitete Kinder und Jugendliche bleiben oft "unbemerkt", sind aber die quantitativ viel größere Gruppe: 90 Prozent der minderjährigen Flüchtlinge reisen begleitet ein. Über diese Gruppe ist jedoch noch zu wenig bekannt. Sie standen bisher im Schatten der Hilfe. Auf der einen Seite ging es daher um die Situation von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften und Fragen nach der Gewährleistung der Kinderrechte und des Kindeswohls.

Foto von Prof. Martin zur NeddenAuf der anderen Seite ging es um Integration, nachhaltige und gesamtstädtische Kooperationsstrukturen und Stadtentwicklungskonzepte. Insbesondere die Diskussion über die Anforderungen im Rahmen einer integrierten Stadtentwicklungsplanung sowie der Sozial- und Jugendhilfeplanung war sehr zukunftsorientiert. Erörtert wurden wichtige Perspektiven der Integration wie z.B. Wohnen, Bildung, Ausbildung/Arbeit, Gesundheit, Kinderschutz und auch die eigenen Ressourcen, die Flüchtlingsfamilien mitbringen. Allgemein ging es darum, die Themen Zuwanderung und Integration dauerhaft als zentrale Elemente nachhaltiger, integrierter Stadtplanung mitzudenken, wie es Prof. Martin zur Nedden in seiner Eröffnungsrede formulierte.

Situation von begleiteten Kindern und Jugendlichen in Unterkünften

Foto von Dr. Sebastian SedlmayrDr. Sebastian Sedlmayr, Leiter der Abteilung Kinderrechte und Bildung bei UNICEF Deutschland, erläuterte die wichtigsten Ergebnisse verschiedener Studien seiner Organisation. Unter anderem mache es "einen großen Unterschied für die Familien und entsprechend auch für die Kinder und Jugendlichen aus, wo in Deutschland sie landen." Ob sie, wie häufig, in einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht werden, oder aber in einer Wohnung, ob es vor Ort eine gute Zusammenarbeit beteiligter Akteure bei der Unterbringung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Integration gibt und weitere gute Startbedingungen, beeinflusst ihre Situation erheblich. Als weitere Beobachtung beschrieb er, dass die Eltern oft als Bezugspersonen für die Kinder ausfallen, "entweder weil sie Traumatisierungen mit sich tragen oder aber (…) weil sie die Sprache nicht beherrschen und weil sie keine Mittel haben, um für ihre Kinder in der Situation zu sorgen." Dies hätte zur Folge, dass Kinder und Eltern oft regelrecht die Rollen tauschen.

Hilfe für junge volljährige Flüchtlinge

Dr. Andreas Dexheimer, Geschäftsstellenleiter der Diakonie – Jugendhilfe Oberbayern, kritisierte in dem auf der Tagung am meisten nachgefragten Forum, dass viele Kommunen die gesetzliche Regelung, jungen Volljährigen zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr weiterhin sozialpädagogische Betreuung und eine altersgerechte Unterbringung zu gewähren, nicht umsetzen. "Der Staat, die Kommune investiert erheblich in die Inobhutnahme eines minderjährigen unbegleiteten Flüchtlings. Er wird dann in einer Heimeinrichtung untergebracht, dort betreut. Und mit dem 18. Lebensjahr wird die Hilfe eingestellt. Mit dem 18. Lebensjahr zieht der junge Mensch aus der Heimerziehung in die Gemeinschaftsunterkunft für Erwachsene und bekommt keine weitergehende Hilfe. Und es passiert gleichzeitig, dass junge Volljährige hier ankommen, die überhaupt keine weitergehende Unterstützung kriegen, die behandelt werden wie jeder 30-, 35- oder 40-Jährige." Hier gibt es dringend Änderungsbedarf.

Vielfältige Hilfen zur Integration notwendig

Foto Dr. Andreas Dexheimer und Forums-TeilnehmernEs wurden auf der Tagung noch viele weitere "Baustellen" lösungsorientiert erörtert, die in der Dokumentation zur Tagung nachzulesen sein werden. Immer wieder war aus unterschiedlichen Beiträgen die Erfahrung zu hören, dass Flüchtlingsfamilien unsere Angebote, Strukturen, Lebens-, Denk- und Verhaltensweisen nicht nur vermittelt werden können, sondern dass es darauf ankommt, diese auch wirklich zu verstehen, um eigene Zugänge in die Gesellschaft zu finden und bei uns heimisch zu werden. Dafür ist individuelle Hilfe in Form von Patenschaften für die Familien ein ganz entscheidender Faktor.

Weitere Informationen: 

Jessica Schneider
Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe (AGFJ)
Telefon: 030/39001-140
E-Mail: jschneider@difu.de

Dipl.-Soz. Kerstin Landua
Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe (AGFJ)
Telefon: 030/39001-135
E-Mail: landua@difu.de

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