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Difu-Berichte 2/2014 - Wie sicher hätten wir’s gern?

Aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zum Thema „Urbane Sicherheit“

Urbane Sicherheit umfasst eine große Vielfalt an Aufgaben. An der Schaffung und dem Erhalt sicherer Städte sind viele Akteure beteiligt. Auch wenn Sicherheit im Grundsatz eine staatliche Aufgabe ist, so sind für viele Bürger Städte und Gemeinden die ersten Ansprechpartner, wenn es um Missstände geht – und damit auch in der öffentlichen Diskussion. Integrierte Ansätze kommunaler Sicherheitspolitik sind mit der Einbeziehung einer großen Zahl von Handelnden in der Kommunalverwaltung vom Stadtplanungsamt bis zum Jugendamt und über die Verwaltung hinaus verbunden, die für die Schaffung sicherer Städte wichtig sind, deren Kernaufgaben aber in anderen Bereichen liegen können.

Sicherheit und Ordnung in der Stadt sind kontrovers diskutierte Themen. Wie sie bewertet werden und welche Handlungsoptionen bestehen, wird häufig ideologisch geprägt diskutiert: Setzt man eher auf das solidarische Verhalten der Bürger, gegenseitige Rücksichtnahme, die Gewährung von Spielräumen und auf Aushandlungsprozesse im Umgang miteinander oder auf das Schaffen und Durchsetzen von Regeln, verstärkte Kontrolle und Ahndung von Regelübertretungen? Favorisiert man eher Top-down- oder Bottom-up-Ansätze? In welchem Maß hält man Prävention für notwendig und das Zusammenwirken von Prävention und Repression für sinnvoll? Wie bewertet man Störungsfreiheit einerseits und andererseits Lebendigkeit in einer Stadt?

„Urbane Sicherheit: Rahmenbedingungen – Praxisbeispiele – Internationale Erfahrungen“ heißt die neue im Herbst erscheinende Veröffentlichung in der Reihe „Edition Difu – Stadt Forschung Praxis“, die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen zum Themenfeld „Urbane Sicherheit“ zusammenfasst. Autoren aus Wissenschaft und Praxis stellen ihre unterschiedlichen Perspektiven auf das Themenfeld vor.

Im Eingangsbeitrag wird die Fülle der Aufgaben urbaner Sicherheit erläutert und die Bandbreite der direkt und indirekt beteiligten Akteure, die an der Schaffung, Gewährleistung und Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung in den Städten mitwirken, dargestellt. Der Beitrag setzt sich mit der Rolle der Prävention für die urbane Sicherheit auseinander und nimmt dabei auch die Problematik der „Versicherheitlichung“ städtischer Problemlagen und der „Verräumlichung“ von Sicherheitsfragen in den Blick. Er thematisiert, vor dem Hintergrund sich verändernder Sicherheitsansprüche in Städten, die Rolle der Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure und der gesellschaftlichen Verantwortung für sichere Städte und gibt einen Ausblick auf künftige Themen urbaner Sicherheit.

Der demographische Wandel wird die urbane Sicherheit in den kommenden Jahren erheblich beeinflussen. Am Beispiel ausgewählter Städte in Mecklenburg-Vorpommern schildert der Beitrag von Anne Köhn, Stefanie Otte, Sebastian Bloch und Manfred Bornewasser (Institut für Psychologie der Universität Greifswald) die Veränderung der Kriminalität und die mögliche Veränderung der Kriminalitätsfurcht vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklungen.

Der Beitrag von Marie-Luis Wallraven-Lindl (ehem. Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München) erläutert die planungsrechtlichen Grundlagen städtebaulicher Kriminalprävention systematisch: von den Planungszielen und -leitlinien des Baugesetzbuchs über die Abwägung in der Bauleitplanung und die Darstellungen und Festsetzungen in Bauleitplänen, die kriminalpräventiv wirken, bis hin zu den Instrumenten zur Durchsetzung der Kriminalprävention in der Planung.

Mit räumlichen Aspekten von Kriminalität und Unsicherheit setzen sich die kriminologische Forschung und die polizeiliche Praxis systematisch vor allem auf städtischer Ebene auseinander, da davon ausgegangen wird, dass Kriminalität und Unsicherheit sich örtlich manifestieren. Der Beitrag von Manfred Rolfes (Institut für Geographie der Universität Potsdam) befasst sich mit den „Tücken eines räumlichen Blicks“ auf Sicherheit und Unsicherheit im städtischen Raum: Mit der Verortung von Unsicherheit kann auch die Stigmatisierung bestimmter Räume verbunden sein. Gleichzeitig kann sie den Blick auf tiefergehende Ursachen von Kriminalität und Unsicherheit verstellen und lenkt die Aufmerksamkeit nur auf bestimmte raumbezogene Formen der Kriminalität.

Grafik
Quelle: Sicherheit im Wohnumfeld – Glossar, S. 39,
Gestaltung: http://www.tabasco-media.com/

Die Diskussion um tatsächlich oder vermeintlich unsichere Orte ist nicht immer durch räumliche Konzentrationen von Straftaten und Kriminalitätsschwerpunkten an bestimmten Orten in der Stadt zu erklären. Sie basiert oft auf einer Vielzahl unterschiedlichster Störungen der öffentlichen Ordnung unterhalb der Strafwürdigkeit, auf Verfallserscheinungen der gebauten Umwelt oder solchen der sozialen Ordnung. Um diese „Incivilities“ geht es im Beitrag von Joachim Häfele (Institut für Sicherheits- und Präventionsforschung der Universität Hamburg).

Der Beitrag von Anke Schröder (Landeskriminalamt Niedersachsen) erläutert die Bedeutung, Einflüsse und Auswirkungen von Nachbarschaften auf das Sicherheitsempfinden der Wohnbevölkerung. Dargestellt werden die planerische Sicht auf kriminalpräventive Ansätze sowie die Sicht der Nutzer aus der Perspektive der subjektiven Sicherheit.

Mit der Rolle von Kooperationen für die urbane Sicherheit befasst sich der Beitrag von Bernhard Frevel (Institut für Politikwissenschaften der Universität Münster). Er zeigt die Kompetenzen und Kompetenzgrenzen lokaler Sicherheitsakteure, beschreibt Formen der Sicherheitskooperationen und benennt „Stolperstellen“ der Kooperation. Ausführlich analysiert er die praktische Gestaltung lokaler Sicherheitskooperationen und formuliert Thesen zur Weiterentwicklung der Kooperation für sichere Städte.

Sicherheit im öffentlichen Personennahverkehr ist ein zentrales Element der öffentlichen Diskussion um die Sicherheit in den Städten. Der Beitrag von Katja Striefler (Fachbereich Verkehr der Region Hannover) setzt sich mit der Frage auseinander, warum Sicherheit im ÖPNV eine so große Bedeutung besitzt und leitet daraus eine Strategie ergebnisorientierter Prävention ab, die sie am Beispiel ausgewählter Instrumente erläutert.

Der Beitrag von Michael Isselmann (Stadtplanungsamt der Stadt Bonn und Vorsitzender der Fachkommission ‚Stadtplanung‘ im Deutschen Städtetag), Sabine Kaldun (barrio novo Beratung, Planung & Moderation) und Detlev Schürmann (Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention) schildert die Praxis kommunaler Kriminalprävention in der Stadtplanung. Er geht dabei auf die polizeiliche Kriminalprävention als Querschnittsaufgabe in der sozialen Stadt und deren konkrete Umsetzung ebenso ein wie auf die Untersuchungsmethode des integrierten Sicherheitsaudits. Der Beitrag macht deutlich, dass die Schaffung sicherer Stadtquartiere eine komplexe Aufgabe ist und eine Fülle von Maßnahmen dazu beitragen kann – sei es die Gestaltung der öffentlichen Räume, die Partizipation im kriminalpräventiven Kontext, die Sicherung der Teilhabe am Erwerbsleben, die Förderung der lokalen Ökonomie oder weitere Ansätze der sozialen Primärprävention.

Sichere Wohnbereiche sind zentrale Bausteine städtischer Lebensqualität. In den vergangenen Jahren sind im Rahmen von Ansätzen zur städtebaulichen Kriminalprävention eine Reihe von Initiativen zur Zusammenarbeit zwischen Polizei, Wohnungswirtschaft, Mietervertretungen, Kammern und Verbänden, Verkehrsunternehmen, Hochschulen, Universitäten und Akademien, zivilgesellschaftlichen Akteuren der Präventionsarbeit vor Ort und kommunalen Fachämtern entstanden. Der Beitrag von Herbert Schubert (Institut für Angewandtes Management und Organisation in der Sozialen Arbeit der Fachhochschule Köln) zeigt beispielhaft, wie sich Ansätze in den letzten Jahren weiterentwickelt haben: von ersten Initiativen für ein sicheres Wohnquartier und gute Nachbarschaften über die Entwicklung konkreter Handreichungen für soziale Infrastrukturangebote und Sozialmanagement, städtebauliche Maßnahmen und Möglichkeiten der lokalen Selbstorganisation von Bürgern hin zu interdisziplinären Netzwerken der Sicherheitspartnerschaft.

Neben der situativen Kriminalprävention, die sich darauf konzentriert, Tatgelegenheitsstrukturen für strafbares oder abweichendes Verhalten zu vermindern, sind in den letzten Jahren gerade auch Ansätze entstanden, die die sozialen Bedingungen städtischen Lebens thematisieren. Der Beitrag von Frederick Groeger-Roth (Landespräventionsrat Niedersachsen) erläutert am Beispiel der Methode von „Communities That Care“ entwicklungsorientierte Ansätze urbaner Sicherheit. Er schildert „Communities That Care“ in der Praxis und zeigt wie wichtig es ist, dass kommunale Präventionsaktivitäten sich auf die in der Forschung ermittelten Risiko- und Schutzfaktoren konzentrieren und auf Basis effektiver und geprüfter Präventionsprogramme qualitativ weiter entwickelt werden.

Cover Publikation
http://www.transit-online.info/
fileadmin/transit/Materialien/
Berichte/transit-Glossar_01.pdf

Die Schaffung und Erhaltung sicherer städtischer Lebensräume in deutschen Kommunen hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Impulsen für präventive Ansätze aus anderen Ländern aufgenommen. Der Beitrag von Caroline L. Davey und Andrew B. Wootton (Design Against Crime Solution Centre der University of Salford) beschreibt den theoretischen Ansatz und die praktischen Schritte des Architectural Liaison Service am Beispiel der Greater Manchester Police. Er verweist darauf, dass es nicht ausreicht, gute Beispiele städtebaulicher Kriminalprävention zu kopieren, sondern vielmehr darum gehen muss, die Mechanismen und Strukturen ihrer Entwicklung und Etablierung zu verstehen und unter den spezifischen lokalen Bedingungen umzusetzen.

Der Beitrag von Udo W. Häberlin und Barbara Hetzmannseder (Magistratsabteilung Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Wien) fragt, was öffentliche Räume in der Stadt leisten können und sollen. Er stellt Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität in öffentlichen Räumen und damit der Verbesserung der Sicherheit als Wirkungskette dar, bei der die Planung auf Nutzungsanforderungen mit Hilfe von Grundlagenanalysen eingehen sollte. Der Beitrag sieht die „sichere Stadt“ als eine physische und soziale Herausforderung an, die Lösungen für die Problematik der Verunsicherung durch Randgruppen und Restflächen sowie für deren Integration bieten muss.

In den Niederlanden gehören „Sicherheitshäuser“ zu den wichtigsten erfolgreichen Neuerungen der letzten Jahre im Bereich der urbanen Sicherheit. Sie zielen darauf ab Kriminalität zu bekämpfen, Opfern zu helfen und die Sicherheit in der Wohnumgebung zu verbessern. Der Beitrag von Julia Mölck erläutert das Konzept der Sicherheitshäuser und deren Methoden. Er legt Ergebnisse der Arbeit von Sicherheitshäusern dar und gibt Hinweise zur Übertragbarkeit und zu Elementen dieses Modells.

In vielen Städten wird die Erfahrung gemacht, dass die Kriminalität, wie sie in der polizeilichen Statistik gemessen wird, kaum Anlass bietet, von unsicherer werdenden Städten zu sprechen, die Bürger sich aber dennoch unsicher fühlen. In Luzern wurde deshalb ein integrierter Sicherheitsbericht entwickelt, der sowohl die „gemessene“ Sicherheitslage der Stadt analysiert als auch die subjektiven Sicherheitswahrnehmungen einbezieht. Der Beitrag von Tillmann Schulze, Lilian Blaser (Bereich „Urbane Sicherheit und Bevölkerungsschutz“ von Ernst Basler + Partner) und Maurice Illi (Stelle für Sicherheitsmanagement der Stadt Luzern) erläutert Entstehung, Konzeption und Inhalte eines solchen Sicherheitsberichts und geht dabei besonders auf das Konzept der Risikoanalyse und Risikomatrix ein.

Glossar – Sicherheit im Wohnumfeld
Schon jetzt steht als erstes Ergebnis des aktuellen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekts „transit“, das das Landeskriminalamt Niedersachsen und das Difu als Verbundpartner durchführen, ein Glossar mit Begriffen zur Sicherheit im Wohnumfeld zur Verfügung. Das Verbundprojekt „transit“ zielt darauf ab, transdisziplinäre Sicherheitsstrategien für Polizei, Kommunen und Wohnungswirtschaft zu erarbeiten, die in die Alltagsorganisation und in das Alltagshandeln dieser Beteiligten eingebettet werden sollen. Kriminalprävention im Städtebau ist ein komplexes Konstrukt, das neben der baulichräumlichen Ebene auch die sozialräumliche Ebene einbeziehen muss und neben staatlicher Vorsorge auch als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen ist. Die Zusammenarbeit von Polizei, Wohnungswirtschaft und Kommune in diesem Bereich ist eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen. Eine gut funktionierende Zusammenarbeit setzt voraus, dass man sich „versteht“ und verständigen kann. Das Thema Sicherheit im Wohnbereich wird von Polizei, Wohnungswirtschaft und Kommunen bei grundsätzlich ähnlichen Zielen aus sehr unterschiedlicher Sicht betrachtet. Hinzu kommt die sozial-, raum- und kommunalwissenschaftliche Sicht auf das Themenfeld. Im Zusammenwirken verwendete Begriffe sind mit sich zum Teil unterscheidenden impliziten Inhalten und Definitionen verbunden. Das Glossar definiert und erläutert im Zusammenhang mit dem Themenfeld „Sicherheit im Wohnbereich“ häufig verwendete Begriffe. Das Glossar soll als „lebendes Dokument“, das neue Erkenntnisse aufnimmt und als Anregung zur Diskussion über den Umgang mit dem einen oder anderen Begriff verstanden werden.

Weitere Informationen: 

Dr. Holger Floeting
Telefon: 030/39001-221
E-Mail: urbane-sicherheit@difu.de

Sozialwiss., M.A. Hanna Blieffert
Telefon: 030/39001-206
E-Mail: urbane-sicherheit@difu.de

Bestellung: siehe Bestellschein

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