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Difu-Berichte 2/2011 - Vorbildliche Maßnahmen der Suchtprävention ausgezeichnet

Preisträger des Bundeswettbewerbs „Suchtprävention für Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen“

Mit dem Thema „Suchtprävention für Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen“ hat der Bundeswettbewerb „Vorbildliche Strategien zur kommunalen Suchtprävention“ Beispiele und Handlungsstrategien in den Fokus gerückt, die sich an Kinder und Jugendliche richten, denen es an materiellen, sozialen und individuellen Ressourcen mangelt und die daher besonderen Lebenssituationen und -lagen ausgesetzt sind. Hierzu zählen unter anderem belastende Familien-, Finanz- und Einkommenssituationen, Wohnverhältnisse, Bildungslagen sowie Integrationsbedingungen.

Für die prämierten Wettbewerbsbeiträge – des bereits zum fünften Mal ausgeschriebenen und vom Difu im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) betreuten Wettbewerbs – stellte die BZgA ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 60.000 Euro zur Verfügung. Zusätzlich wurde vom GKV-Spitzenverband ein Sonderpreis zum Thema „Verknüpfung von Jugendsozialarbeit und Gesundheitsförderung bei der Betreuung von Kindern suchtbelasteter Eltern“ in Höhe von 10.000 Euro ausgelobt.

Der Wettbewerb ist auf hohes Interesse gestoßen: Bis zum Ende der Ausschreibungsfrist am 17. Januar 2011 hatten sich 63 Städte, Gemeinden und Kreise aus dem gesamten Bundesgebiet mit eigenen Beiträgen beworben. Eine von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung gemeinsam mit der BZgA berufene Jury hat die Wettbewerbsbeiträge bewertet und die Preisträger ausgewählt.

Preisträger

Elf Städte, Gemeinden und Landkreise wurden am 6. Juni im Kaisersaal der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin für ihre vorbildlichen Aktivitäten zur Suchtprävention für Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen ausgezeichnet. Die Preisverleihung erfolgte durch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans und die Direktorin der BZgA Prof. Dr. Elisabeth Pott. Prämiert wurden die folgenden Kommunen:

Kreisfreie Städte

Der Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg (8.000 Euro) wird für das Projekt „PeaS – Peer Eltern an Schule“ ausgezeichnet. Das Projekt basiert auf einem Konzept zur Elternbildung und -schulung und richtet sich primär an Eltern von Schülern der 5. bis 6. Klasse, die in der suchtpräventiven Erziehung kultursensibel geschult werden, um dieses Wissen an andere Eltern – insbesondere aus „Problemfamilien“ weiterzugeben.

Die Freie und Hansestadt Hamburg (8.000 Euro) wird für das Gesamtkonzept „Drogenfreie Kindheit und Jugend – selektive und indizierte Prävention für Zielgruppen in besonderen Lebenslagen“ prämiert. Zu den bereits seit 2005 verfolgten Maßnahmen zählen Angebote für Kinder suchtkranker und suchtgefährdeter Eltern, suchtkranke oder suchtgefährdete Schwangere, Straßenkinder sowie Angebote in sozial benachteiligten Stadtteilen.

Die Stadt Frankfurt am Main (5.000 Euro) erhält einen Preis für das Projekt „CaBS – Case Management und Beratung für Cannabis konsumierende Schülerinnen und Schüler“, mit dem es gelungen ist, durch die inhaltliche Ausrichtung und den methodischen Ansatz überdurchschnittlich häufig Jugendliche mit psychischen Problemen, Migranten und junge Menschen mit Schwierigkeiten im Elternhaus und in der Schule anzusprechen.

Kreisangehörige Städte und Gemeinden

Die Samtgemeinde Amelinghausen (8.000 Euro) wird für ihren Beitrag „Gemeinsam mehr erreichen – wir achten auf den Alkoholkonsum Jugendlicher“ ausgezeichnet. Die Alkoholprävention konzentriert sich in Amelinghausen nicht nur auf Kinder, Jugendliche und deren Erziehungsberechtigte, sie nimmt zudem Wirte, Festveranstalter, Gewerbe und Tankstellen in den Blick. Die Angebote richten sich explizit auch an jugendliche Migranten und Bewohner von Jugendhilfeeinrichtungen.

Die Städte Quickborn, Tornesch und Uetersen (6.500 Euro) erhalten für die „Fachstellen kleine Riesen“ einen Preis. Das Angebot der Fachstellen stellt gezielt Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien in den Mittelpunkt. Die Finanzierung der Fachstellen hat von 2008 bis 2010 allein der Kreis Pinneberg getragen. Seit 2011 erfolgt sie aufgrund von Sparbeschlüssen nur noch anteilig durch den Kreis. Die Restfinanzierung übernehmen jetzt die drei Städte Quickborn, Tornesch und Uetersen.

Die Kreisstadt Erbach (5.000 Euro) wird für das Konzept „Kommunale Alkoholprävention im Netzwerk“ prämiert, in dessen Mittelpunkt ein breit angelegtes Kooperationsprojekt zur Gewalt- und Suchtprävention für Kinder und Jugendliche steht. Durch die verbindliche Kooperation mit der örtlichen Hauptschule werden in hohem Maß die besonderen Lebenslagen von bildungsbenachteiligten Jugendlichen berücksichtigt.

Fotos: Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans/Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr/Direktorin der BZgA Prof. Dr. Elisabeth Pott

Landkreise

Der Landkreis Traunstein (8.000 Euro) wird für den Beitrag „Familienbande“ ausgezeichnet, der mit seinen zwei Teilprojekten „ElternTisch“ und „MultiplikatorInnenschulung“ auf die Stärkung und Qualifizierung von Eltern und Erziehungsverantwortlichen zielt. Hierbei stehen suchtbelastete und Migrantenfamilien, Alleinerziehende sowie bildungsferne Bevölkerungsschichten im Vordergrund.

Der Landkreis Parchim (6.500 Euro) wird für sein suchtpräventives Konzept „Vorsicht Absturzgefahr!“ prämiert, das suchtstoffübergreifend angelegt ist und mit einer Reihe von Einzelmodulen – insbesondere in den Settings Schule und Ausbildungsbetrieb – auf Defizite der bisherigen Arbeitsausrichtung – speziell in Bezug auf die Suchtprävention bei Kindern und Jugendlichen in besonderen Lebenslagen – reagiert.

Der Landkreis Konstanz (5.000 Euro) erhält für das Projekt „b.free special“ einen Preis. Aufbauend auf dem erfolgreichen alkoholpräventiven Netzwerk „b.free“ des Landkreises umfasst das Projekt spezifische Angebote für Kinder und Jugendliche in besonderen Lebenslagen (belastende Familiensituationen, Armut, Bildungsbenachteiligung, schwierige Wohnverhältnisse). Projektbausteine und Angebote von „b.free“ werden zielgruppenspezifisch erweitert oder neu konzipiert.

Sonderpreis des GKV-Spitzenverbandes

Die Stadt Karlsruhe (5.000 Euro) wird für das bereits seit 17 Jahren gemeinsam mit der Drogenhilfe der Arbeiterwohlfahrt durchgeführte Projekt „KiD – Hilfe für drogenabhängige Eltern und ihre Kinder“ mit dem Sonderpreis des GKV-Spitzenverbandes ausgezeichnet. Neben der expliziten Orientierung auf suchtbelastete Familien rücken von Einzelfall zu Einzelfall weitere besondere Lebenslagen wie Armut, schlechte Wohnverhältnisse und soziale Isolation in den Fokus. Dabei kommt dem Projekt vor allem die gute und etablierte Zusammenarbeit von Gesundheitsamt, Jugendamt und Jugendhilfe zugute.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf (5.000 Euro) erhält für seinen Beitrag „Hand in Hand – für den Kinder- und Jugendschutz“ mit den beiden Angeboten „Menschenskind“ und „Drachenherz“ den Sonderpreis des GKV-Spitzenverbands. „Menschenskind“ richtet sich an Familien in belasteten Lebenssituationen mit Kindern von null bis drei Jahren; „Drachenherz“ schließt hieran nahtlos an und nimmt Kinder aus suchtbelasteten Elternhäusern ab vier Jahren in den Blick. Gesundheitsförderung und Jugendsozialarbeit des Landkreises arbeiten dabei „Hand in Hand“.

Veröffentlichung der Wettbewerbsergebnisse

Um die eingereichten Beiträge einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und auf diese Weise zur Nachahmung anzuregen, sind die Ergebnisse des Wettbewerbs in einer Dokumentation dargestellt und veröffentlicht. Außerdem können alle Wettbewerbsbeiträge sowie die Wettbewerbsdokumentation im Internet abgerufen werden unter http://kommunale-suchtpraevention.de.

Weitere Informationen: 

Dipl.-Ing. Christa Böhme
Tel: 030/39001-291
E-Mail: boehme@difu.de

Dr. rer. soc. Bettina Reimann
Tel: 030/39001-191
E-Mail: reimann@difu.de

Bestellung der Dokumentation
BZgA
51101 Köln
E-Mail: order@bzga.de
Fax: 0221/8992-257
Bestellnummer 33960000
Internetportal zum Wettbewerb
http://kommunale-suchtpraevention.de

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