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Difu-Berichte 2/2011 - Hilfen zur Erziehung erfolgreich steuern

Die Fallzahlen an Hilfen zur Erziehung (HzE) steigen und die Kosten wachsen ebenso – ein bundesweiter Trend in den letzten Jahren, wenn auch mit regionalen Unterschieden. Auf die gemeinsame Suche nach Ursachen und Lösungsansätzen begaben sich 118 Leiter von Jugendämtern und Allgemeinem Sozialen Dienst (ASD) auf der Tagung „Wer steuert die Hilfen zur Erziehung?”. Die Veranstaltung der Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe fand am 7. und 8. April im Deutschen Institut für Urbanistik statt. Der Bericht gibt einen Überblick über Inhalte und Ergebnisse der Tagung. Die in Kürze erscheinende Tagungsdokumentation ist unter der Internet- Adresse www.fachtagungen-jugendhilfe.de zu bestellen.

Steigender Problemdruck = Steigende Fallzahlen der HzE?

Dieser Frage widmete sich Dr. Maria Kurz- Adam, Leiterin des Jugendamtes München, in ihrem Fachvortrag. Sie konstatierte, dass an der Basis ein steigender Problemdruck für Eltern, Kinder und Jugendliche und somit auch ein steigender Bedarf an Jugendhilfe wahrgenommen werde. Der damit verbundene Anstieg sowohl der Inanspruchnahme als auch der Kosten für HzE erfordere eine stärkere Steuerung über Qualität und Nachhaltigkeit, um die Entwicklungen quantitativ wie qualitativ besser in den Griff zu bekommen.

Qualität der internen Arbeitsabläufe beeinflussen HzE entscheidend

Prof. Dr. Christian Schrapper, Erziehungswissenschaftler an der Universität Koblenz- Landau, referierte zum IKO-Netz Vergleichsring „Jugendhilfe – Hilfen zur Erziehung” bundesdeutscher Großstädte. Ziel des IKONetzes ist es, über interkommunale Leistungsvergleiche mittels überörtlicher Kennzahlen Einflussfaktoren auf die Entwicklungen der Erziehungshilfen zu finden. Die Analysen zeig(t)en, dass Höhe, Dauer und Kosten der HzE maßgeblich, aber nicht vollständig durch sozioökonomische Bedingungen und soziale Belastungen determiniert werden. Die Organisation und Konzeption der Fall-arbeit ist ein ebenso bedeutender Steuerungsfaktor, insbesondere die „Organisationsaufmerksamkeit für Falleingang und Fallabschluss”. Prof. Schrapper zufolge sollte daher die Steuerung der HzE auf eine qualitativ gute Gestaltung der internen Arbeitsabläufe zielen.

Zu diesem Schluss kam auch Benjamin Landes, Geschäftsführer der ISS Beratungsund Entwicklungs-GmbH, denn für ihn entstehen die HzE aus einer „Mal-Rechnung”. So verstärken „interne Faktoren”, d.h. organisationale und strukturelle Merkmale der öffentlichen Jugendhilfe, den Einfluss „externer Faktoren”, der sozialstrukturellen Rahmenbedingungen einer Kommune, auf die Nachfrage von HzE, auch wenn der Einfluss von externen Faktoren größer ist. Für Landes wie für Prof. Schrapper besteht demzufolge der größte Steuerungseinfluss für die Fachbehörde „Jugendamt/ASD” in der Organisationsstruktur und -kultur, vor allem in der Gestaltung der Hilfeplanungs- und Entscheidungsprozesse bei der Fallbearbeitung.

Fotos

Hinter die Kulissen geschaut!

Die Teilnehmer hatten an beiden Tagen die Gelegenheit, im Rahmen von Arbeitsgruppen Fallbeispiele kommunaler Steuerungskonzepte kennen zu lernen und sich über deren Verfahren, Instrumente sowie deren Effekte auszutauschen. Ergebnis aus der Arbeit in den AG´s ist: Es gibt nicht das „ideale” bzw. „beste” Steuerungskonzept. Die Eignung eines Steuerungsverfahrens/-instruments ist immer abhängig von konkreten kommunalen Steuerungserfordernissen und der Haltung der Fachkräfte den Steuerungsintentionen und -maßnahmen gegenüber.

Nicht steuern geht nicht!

Das ist das Fazit der Tagung: Die Jugendhilfeakteure dürfen auf die Entwicklungen im HzE-Bereich nicht nur „reagieren”, sondern sie müssen auch „agieren”! Wichtig sei die Vorabklärung: Wohin wollen wir in Zukunft steuern? Bis wohin will und kann die Jugendhilfe Familien, Kinder und Jugendliche heute unterstützen und welche Aufgaben können andere besser leisten? Die Steuerung der HzE hängt nämlich maßgeblich davon ab, wie der Arbeitsbereich in das kommunale Gesamtgefüge eingebunden ist. Daher ist eine bedarfsgerechte, zielgerichtete und wirksame Fallsteuerung in eine konsistente Systemsteuerung der kommunalen Jugendhilfe zu integrieren. Mit vereinter Kraft können die Hilfen zur Erziehung erfolgreich gesteuert werden!

Weitere Informationen: 

Dipl.-Soz. Maja Arlt
Telefon: 030/39001-195
E-Mail: arlt@difu.de

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