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Difu-Berichte 2/2001 - Flächenrecycling als kommunale Aufgabe

Potenziale, Hemmnisse und Lösungsansätze in den deutschen Städten

 



Industriebrache in Görlitz,2000
Foto: Thomas Preuß

    

Der massive Flächenverbrauch wurde spätestens in den 90er Jahren als Schlüsselproblem einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung erkannt. Die ungebremste Flächeninanspruchnahme in Deutschland für Siedlungs- und Verkehrszwecke in einer Größenordnung von nahezu 130 ha pro Tag steht jedoch in deutlichem Widerspruch zu dem von vielen Städten propagierten Leitbild der Nachhaltigen Stadtentwicklung. Nutzungen für Wohnen, Gewerbe, Dienstleistungen, Handel und Industrie werden noch immer vorrangig auf bislang unversiegelten Freiflächen realisiert. Die Gründe für den wachsenden Flächenverbrauch in den Städten und im Umland der Städte sind vielfältig. Für den Bereich Wohnen etwa ist der Anstieg der spezifischen Wohnfläche pro Kopf auf den starken Einfluss gesellschaftlicher Trends zurückzuführen (z.B. wachsende Zahl von Single-Haushalten in den Städten, Abwanderung der Einwohner aus den Ballungskernen, Trend zum "Haus im Grünen"). Darüber hinaus trägt das Preis- und Mietgefälle zwischen Umland und Stadt zur Stadtflucht bei.

In weiten Teilen der neuen Bundesländer haben sich Prozesse der De-Industrialisierung der Städte, der Abwanderung der Bevölkerung in prosperierende Regionen, sowie ins Umland und der Ausweisung von Flächen für Gewerbe, Dienstleistung und Handel an der Peripherie der Städte extrem schnell vollzogen. Im Umland der Städte sind massive Zersiedelungstendenzen zu verzeichnen, während Innenstädte oder Stadtquartiere von Funktionsverlusten unterschiedlichen Ausmaßes betroffen sind. Dies führt vielerorts dazu, dass Flächenrecycling in nennenswerten Größenordnungen soziale Dimensionen im Sinne des Stadtumbaus oder der Stadterneuerung erreichen kann.

Die Revitalisierung von Brachflächen verbindet wie kaum ein anderes Aufgabenfeld die drei Komponenten der Nachhaltigkeit: die ökologische, indem zusätzlicher Flächenverbrauch verhindert wird; die ökonomische, indem die Ansiedlung von Investoren auf attraktiven innerstädtischen Flächen unter meist geringeren Erschließungskosten gefördert wird; die soziale, indem Projekte der Revitalisierung mit Arbeitsförderungs- und -qualifizierungsmaßnahmen kombiniert werden und realisierte Projekte die soziale und historische Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt oder Region stärken können.

Das Flächenrecycling stellt ein interdisziplinäres Handlungsfeld dar. Öffentliche und private Akteure müssen kooperieren, um Projekte zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Auf der Seite der öffentlichen Hand sind dies Akteure auf Landes- und Regionalebene sowie auf der Ebene der Städte und Gemeinden. Da in den Kommunen konkrete Projekte realisiert werden, müssen gerade hier Kooperationen mit den relevanten privaten Akteuren gesucht und gefunden werden.

Auf der kommunalen Ebene stellt die Ämter übergreifende Zusammenarbeit bei Fragen des Flächenrecyclings eine erfolgsnotwendige Herausforderung dar. Hierbei ist es von besonderer Bedeutung, dass die unterschiedlichen kommunalen Entscheidungsträger - etwa Wirtschaftsförderung, Planungs- und Umweltamt - die gemeinsamen Vorteile des Flächenrecyclings erkennen und inhaltlich-strategische Verknüpfungen ("Win-Win-Strategien") deutlich gemacht werden.

Aus stadtplanerischer Sicht ergeben sich unter der Maxime der nachhaltigen Stadtentwicklung vor allem zwei Handlungsschwerpunkte:

  • das weitere Entstehen von Brachflächen möglichst von vornherein zu verhindern oder zumindest den Zeitraum des Brachliegens auf ein Mindestmaß zu verkürzen und
  • für entstandene Brachflächen schnellstmöglich eine Nachnutzung zu finden.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass Flächenmanagement als vorsorgende kommunale Strategie das nachfolgende Flächenrecycling unter möglichst geringen zeitlichen Verzögerungen auf der Brachfläche ermöglicht. Dies umfasst die Kombination verschiedener Instrumente auf verschiedenen Handlungsebenen, wie etwa auf der Ebene der Flächennutzungsplanung oder Instrumente des Marketing und der Wirtschaftsförderung.

Die in der Difu-Reihe "Umweltberatung für Kommunen" erschienene Veröffentlichung vermittelt einen Eindruck von der Bandbreite der teilweise sehr unterschiedlich gelagerten kommunalen Probleme und Ansätze zum Thema Flächenmanagement/ Flächenrecycling. Hierfür wurde der Stand der Forschung und der Praxis erfasst und aufbereitet.

Ausgehend von einer Darstellung der Situation des Flächenverbrauchs und der Herausforderungen und Chancen des Flächenmanagements und Flächenrecyclings für eine nachhaltige Stadtentwicklung werden die Rahmenbedingungen für das kommunale Handeln in verschiedenen Bereichen betrachtet. Dazu zählt unter anderem der rechtliche Rahmen des kommunalen Flächenrecyclings, der wesentlich durch das Bauplanungsrecht, das Bodenschutzgesetz und die Bodenschutzverordnung vorgegeben ist.

In besonderer Weise wird die Bedeutung der städtebaulichen Planung für das Flächenrecycling herausgearbeitet, die aufgrund der kommunalen Planungshoheit ein wichtiges Steuerunginstrument darstellt. Auf Steuerungsmöglichkeiten im Rahmen der Bauleitplanung, die Integration des Flächenrecyclings in die städtebauliche Planung sowie auf die Verzahnung städtebaulicher Planung mit Sanierungsverfahren wir besonders ausführlich eingegangen. Inwieweit Flächenmanagement und Flächenrecycling Gegenstand partizipativer Verfahren in den Kommunen ist, wird anhand von Praxisbeispielen zur Lokalen Agenda 21 dargestellt. Der Bezug zur kommunalen Praxis wird durch die Auswertung von Umfragen in den 150 Mitgliedstädten des Deutschen Städtetages sowie durch Experten-Interviews aus Kommunalverwaltungen und Beratungseinrichtungen hergestellt.

Komplementär zur Darstellung des Stands der Forschung und der Praxis wurden in der Umfrage unter anderem folgende Bereiche behandelt:

  • Stellenwert des Flächenrecyclings in Kommunalpolitik und Verwaltung,
  • übergeordnete Rahmenbedingungen für das Flächenrecycling in den Städten,
  • Bestandsaufnahme und Bewertung von Altlast- und sonstigen Brachflächen,
  • Flächenrecycling im Spannungsfeld von Stadtentwicklung und Investoreninteressen,
  • behördliche Zuständigkeiten und Koordination von Genehmigungsverfahren beim Flächenrecycling,
  • Verfahrensmanagement und Finanzierung von Flächenrecyclingvorhaben,
  • Vermarktung wieder nutzbarer Flächen in den Städten.

Ergänzt werden die Ergebnisse über Rahmenbedingungen, Potenziale und Hemmnisse des Flächenrecyclings aus der Praxis durch eine Auswertung der Vor- und Nachnutzungen auf Brachflächen in deutschen Städten, die auf der Auswertung von etwa 500 Profilen über konkrete Flächenrecyclingprojekte in 118 deutschen Mittel- und Großstädten basiert.

Ein Exkurs über Praxis und Probleme des Flächenrecyclings in den USA vermittelt Anregungen für neue und andere Herangehensweisen bei der Revitalisierung von Brachen und beim Flächenmanagement. Sie sind das Ergebnis eines Studienaufenthalts im Jahr 2000.

Weitere Informationen:

Dr. jur. Stephan Tomerius
Telefon: 030/39001-299
E-Mail:
tomerius@difu.de

Dipl.-Ing. agr. Thomas Preu
Telefon: 030/39001-265
E-Mail:
preuss@difu.de

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siehe Bestellschein.

    

Ein Wegweiserteil am Ende der Arbeitshilfe gibt Anregungen für die weitere Beschäftigung mit dem Thema: Recherche von Literatur, Praxisbeispielen und Forschungsergebnissen. Die Arbeitshilfe soll dazu beitragen, Ansatzpunkte für ein stärker interdisziplinär ausgerichtetes Flächenrecycling in den Kommunen aufzuzeigen und dessen instrumentelle Chancen für eine flächensparende und revitalisierende Stadtentwicklung zu verdeutlichen. Die Veröffentlichung enthält auszugsweise Ergebnisse eines Forschungsvorhabens im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

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