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Difu-Berichte 2/2000 - Internationaler Erfahrungsaustausch Stadterneuerung


Interkommunaler Erfahrungsaustausch Stadterneuerung

 

    

Vom 10. bis 12. Mai veranstaltete das Difu den "30. Interkommunalen Erfahrungsaustausch Stadterneuerung und Sozialplanung", der in diesem Jahr in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Berlin durchgeführt wurde. Seit 1972 findet dieser Erfahrungsaustausch jeweils in einer anderen Zuwenderstadt des Difu statt. In Zusammenarbeit mit den Gastgeberstädten werden "vor Ort" Projekte und Verfahren der Stadterneuerung präsentiert und diskutiert. Das Difu bietet damit vor allem für Stadterneuerer und Planungspraktiker seiner Zuwenderstädte ein Kommunikationsforum zur Umsetzung sozialer und städtebaulicher Ziele im Rahmen der Daueraufgabe Stadterneuerung. Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligten sich in diesem Jahr an den Diskussionen und Exkursionen.

Der diesjährige Erfahrungsaustausch wurde als Rahmenveranstaltung zur "Weltkonferenz zur Zukunft der Städte ­ URBAN 21" durchgeführt und deshalb um folgende internationale Aspekte und Berichte ergänzt:

  • Ansätze einer sozial orientierten Stadtentwicklungspolitik in den Niederlanden (Prof. Jürgen Rosemann, Universität Delft),
  • Handlungskonzepte der Stadtentwicklung in Großbritannien (Pd. Dr. Dirk Schubert, TU Hamburg-Harburg) und Frankreich (Oliver Frey, Difu) sowie
  • Entwicklungsperspektiven für Großsiedlungen in osteuropäischen Städten (Heike Liebmann, Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung IRS).

Im Zentrum des Erfahrungsaustauschs stand die Berliner Stadterneuerungspolitik. Seit der Vereinigung sind hier Projekte und Maßnahmen zur Stadterneuerung, Stadtentwicklung und zum Stadtumbau in bis dahin nicht gekannten Dimensionen angestoßen und umgesetzt worden. Dieter Geffers (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) betonte, dass angesichts begrenzter Finanzen und zunehmender Segregation für die Berliner Stadterneuerungspolitik neue Prioritäten zu setzen sind sowie bestehende Förderungen und Instrumente überdacht und weiterentwickelt werden müssen. Außerdem gehe es darum, neue Entwicklungs- und Handlungsperspektiven für Bewohner, Nachbarschaften, lokale Wirtschaft und Investoren aufzuzeigen. In Berlin werden im Rahmen des "Aktionsplans Soziale Stadterneuerung" gegenwärtig vier benachteiligte Gebietskulissen gefördert:

  • 30 förmlich festgelegte Sanierungsgebiete,
  • 27 Großsiedlungen des sozialen Wohnungsbaus,
  • 17 Großsiedlungen in Plattenbauweise,
  • 15 Quartiermanagement-Gebiete mit besonderem Entwicklungsbedarf,
  • sechs Entwicklungsgebiete.

In diesen Gebieten leben rund eine Million Menschen, dies sind etwa 30 Prozent der Einwohnerschaft Berlins.

Am Beispiel ausgewählter Stadterneuerungsgebiete, in die im Anschluss an die Veranstaltung Exkursionen durchgeführt wurden, wurde das breite Spektrum der Berliner Stadterneuerung thematisiert:

  • Prenzlauer Berg als Gründerzeitquartier und die Spandauer Vorstadt als historisches Stadterweiterungsgebiet mit Aspekten der behutsamen Altbauerneuerung einschließlich ergänzender Neubebauung und des Denkmalschutzes, mit Problemen des Erhalts preiswerten Wohnraums, der Nutzungsmischung, der Neu- und Umnutzung alter Gewerbebauten, der Erneuerung und Wiederherstellung sozialer Infrastruktur und öffentlicher Plätze sowie der Einrichtung eines qualifizierten Quartiermanagements;
  • Oberschöneweide mit Aspekten der Quartiererneuerung und der Einrichtung eines Quartiermanagements sowie der Neu- und Nachnutzung denkmalwürdiger Industrieanlagen,
  • die Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf mit Aspekten des Leerstandsmanagements, der weiteren Finanzierung von Modernisierung und Wohnumfeldverbesserung, der Nachnutzung nicht mehr benötigter sozialer Einrichtungen sowie eines mieterorientierten Wohnungsmanagements.


Senatsverwaltung für 
Stadtentwicklung, Berlin;
Prof. Dr. Jürgen Rosemann,
Technische Universität Delft.


Photo: Wolf–Christian Strauss


Weitere Informationen:
Dr. Heidede Becker
Telefon: 030/39001–298
E-Mail: 
h.becker@difu.de


Dipl.-Soz. Robert Sander
Telefon: 030/39001-267
E-Mail: 
sander@difu.de

 

    

Vor allem aus der Abschlussdiskussion ergaben sich weiterführende Hinweise für die Stadterneuerungspolitik:

  • Qualitative Aspekte der Bestandsverbesserung und -entwicklung werden zukünftig eine größere Rolle in der Erneuerungspolitik spielen als bisher. Dies gilt sowohl für innerstädtische Altbauquartiere als auch für die Großsiedlungen. Intensiver zu klären ist dabei, für welches Klientel Stadterneuerung betrieben werden soll.
  • Erneuerungspolitik sollte stärker als bisher auch den Um- und Ausbau der sozialen, kulturellen und technischen Infrastruktur sowie die qualitative Aufwertung öffentlicher Räume zum Gegenstand haben.
  • Angesichts anhaltender Suburbanisierung, der demografischen Entwicklung (Zunahme alter Menschen) und wachsender Leerstände gilt es, Stadtentwicklungs- und Stadterneuerungspolitik auch unter der Perspektive der "schrumpfenden Stadt" zu betreiben.
  • Voraussetzung für eine sozialorientierte Stadtteilentwicklung und Stadterneuerung sind integrative Handlungskonzepte, bei denen baulich-städtebauliche Erneuerung mit Maßnahmen der Sozial-, Jugend-, Arbeitsmarkt-und Ausländerpolitik verknüpft werden. Dabei geht es besonders um die ressortübergreifende Bündelung von Mitteln und ein qualifiziertes Management auf Quartierebene, wie dies in dem Bund-Länder-Programm "Soziale Stadt" angelegt ist. Die Umsetzung einer solchen Politik stößt bisher allerdings noch auf institutionelle Barrieren.
  • Bewohner- und Nutzermitwirkung sind zentrale Voraussetzungen für das Gelingen integrativer Erneuerungsstrategien; der Zugang zu einzelnen Bevölkerungs- und Bewohnergruppen ist jedoch nicht immer einfach und erfordert differenzierte Beteiligungsformen und Motivationsstrategien. Quartiermanagement benötigt politische, gesellschaftliche und administrative Rückendeckung, um in den Quartieren wirksam zu werden.

Das Difu wird sich vor allem im Rahmen der Begleitung des Programms "Soziale Stadt" mit diesen Themenkomplexen weiter befassen. Der Erfolg einer integrativen Stadtteil- und Stadtentwicklungspolitik wird letztlich daran gemessen, inwieweit es gelingt, in den Quartieren mit besonderem Entwicklungsbedarf weitgehend sich selbst tragende Strukturen zu schaffen.

Zum Abschluss der Veranstaltung verständigten sich die Teilnehmer darauf, dass der nächste Erfahrungsaustausch im Jahr 2001 in Cottbus stattfinden soll. Die Stadt Cottbus plant dann, "10 Jahre Stadterneuerung in Cottbus" zu präsentieren.