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Difu-Berichte 1/2017 - Wohin geht die Reise beim autonomen Fahren in Kommunen?

Foto einer lesenden Frau in einem automatisch fahrenden PKWBeim Difu-Workshop in Berlin wurde das Zukunftsthema autonomes Fahren diskutiert. Gemeinsam mit einem starken Öffentlichen Verkehr bietet es Chancen für das urbane Zusammenleben. Kommunen müssen zügig handeln, um den Prozess mit zu gestalten.

Autonomes bzw. automatisiertes Fahren ist derzeit in aller Munde: in den Medien, bei Symposien, in Gremien und in Fachzeitschriften. Bereits im Difu-Seminar "Stadtverkehr der Zukunft" im Frühjahr 2016 wurde das ‚Ob‘ und ‚Wie‘ ausgiebig und auch kontrovers diskutiert. Doch über die Auswirkungen auf das urbane Leben und insbesondere den Stadtverkehr ist bislang wenig bekannt. Aus diesem Grund lud das Difu am 5. Oktober 2016 ausgewiesene Experten dieses Themas zum eintägigen Workshop und Gedankenaustausch ins Institut. Ihre Eingangsstatements zeigten kein einheitliches Bild: Es reichte von der Einschätzung, dass hochautomatisiertes Fahren die Städte schon bald konkret verändern wird, bis zur Aussage, dass eine Umsetzung noch Jahrzehnte dauern wird. Einig waren sich die Experten, dass die Digitalisierung alle Lebensbereiche – und nicht nur den Verkehr – erreichen wird. Noch sei die (Stadt-)Gesellschaft jedoch nicht ausreichend in die Diskussion eingebunden. Eine Akzeptanz der Bevölkerung ist daher nicht vorhanden und (noch) nicht zu erwarten. Ein zentrales Ergebnis des Austausches überrascht, da es in der Fach- und öffentlichen Diskussion bislang noch wenig Berücksichtigung gefunden hat: Eine Verkehrswende mithilfe automatisierter Fahrzeuge muss vom Öffentlichen Verkehr (ÖV) als Rückgrat der Mobilität in den Städten gedacht werden.

Nach einer Beschreibung des Status quo der – derzeit überwiegend von Bildern der Automobil- und Technikbranche geprägten – Szenarien, diskutierten die Teilnehmer in Kleingruppen zu den Themen "Veränderung des Verkehrsangebots", "Automatisiertes Fahren für die Daseinsvorsorge" sowie "Ethik und öffentlicher Raum". Während einige die Anpassung der städtischen Infrastrukturen an die neue Technologie kommen sahen, zweifelten andere, dass bisherige Nutzungen aufgegeben werden. Einigkeit bestand über das nach wie vor gültige Planungsprinzip "Vermeiden, Verlagern, Verbessern" und darüber, dass im Bereich des ÖV nur die als Stufe 5 bezeichnete Form der Automatisierung, das fahrerlose Fahren, einen "Massenvorteil" eröffne. Dafür müssten die Umsteigepunkte zwingend sinnvoll gestaltet werden. Zentrales Element aller Diskussionen war die (gerechte) Verteilung der Flächen sowie die Bedeutung des öffentlichen Raums. Unabhängig von den Automatisierungsstufen im Individual- und öffentlichen Verkehr müssen insbesondere die Aufgabenträger und die Verkehrsunternehmen neue Kooperationen für ein qualitativ hochwertiges und für alle zugängliches Mobilitätsangebot erschließen. Die unter der Frage "Was kommt auf die Städte zu?" stehende Abschlussdiskussion zeigte, dass die Kommunen umgehend handeln müssen – egal, wie schnell und tiefgreifend die Entwicklung sein wird. Sie müssen vordenken, sich Ziele setzen und den Prozess von Beginn an steuern. Neben aller Begeisterung für technische Lösungen dürfe die stadtverträglichste Form der Mobilität, der nichtmotorisierte Verkehr, nicht vergessen werden.

Tilman Bracher, Leiter des Bereichs Mobilität am Difu, resümiert: "Obwohl sich im Kfz-Verkehr durch ‚Dieselgate‘ und Dekarbonisierung viel verändern wird, erwarte ich keine disruptive Entwicklung. Ich befürchte, dass wir für das automatische Fahren in den Städten unabhängig geführte Fahrspuren benötigen. Im öffentlichen Schienenverkehr, wo es längst eigene Trassen gibt, sollte die Automatisierung vorangetrieben werden, um auch abends und am Wochenende kurze Taktfolgen mit verkürzten Zügen anbieten zu können."

In den Kommunen gilt es, die Vision der lebenswerten Stadt mit der Debatte um autonomes Fahren zu verbinden und zu verhindern, dass es Entwicklungen gibt, die im Nachhinein nur schwer reversibel sind, wie etwa bei der autogerechten Stadt. Bilder, die die lebenswerte Stadt der Zukunft beschreiben, müssen jetzt entwickelt werden. Kommunen benötigen eine Orientierungshilfe, um die jetzt anstehenden Herausforderungen zu erkennen und als Chance zu nutzen.

Weitere Informationen: 

Dipl.-Geogr. Martina Hertel
+49 30 39001-105
hertel@difu.de

Dipl.-Volkswirt Tilman Bracher
+49 30 39001-260
bracher@difu.de

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