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Difu-Berichte 1/2017 - Kommunen im demografischen Wandel: Aktiv die Zukunft gestalten

Kommunen im demografischen Wandel sind gefordert, neue Wege zu gehen und neue Instrumente und Methoden zu erproben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Kommunen hierbei durch die Fördermaßnahme FONA.

Kommunen sollen als Initiatoren, Partner und Adressaten von Forschung, Entwicklung und Innovation für eine nachhaltige und demografiefeste Entwicklung der Regionen in Deutschland gestärkt werden. Neue Kooperationen von Kommunen mit Wissenschaft, Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen sollen dabei neue Impulse für die Zukunft setzen. Es sollen Lösungen entwickelt werden, wie die räumlichen Auswirkungen des demografischen Wandels mit einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Stadt- und Regionalentwicklung gestaltet werden können. Am 10. und 11.November 2016 trafen sich in Berlin auf Einladung des wissenschaftlichen Begleitvorhabens "KomKomIn", das vom Deutschen Institut für Urbanistik gemeinsam mit dem Institut Raum & Energie in den kommenden Jahren durchgeführt wird, rund 120 Beteiligte aus 15 geförderten Vorhaben. Die Auftaktveranstaltung war der Startschuss des internen Verständigungsprozesses und diente als erster Schritt der Vernetzung. Die Teilnehmenden konnten die anderen Forschungsvorhaben, die daran beteiligten Forschungseinrichtungen und die Praxispartner aus zahlreichen Kommunen kennenlernen und sich erstmalig intensiv austauschen. In Arbeitsgruppen wurden thematische Gemeinsamkeiten und Schnittstellen sowie mögliche Querschnittsthemen identifiziert und diskutiert. MinDirig Wilfried Kraus vom BMBF eröffnete die Veranstaltung mit einem Blick auf aktuelle Forschungsinitiativen seines Hauses, in deren Forschungsagenda er "Kommunen innovativ" einordnete. Mit Verweis auf aktuelle Herausforderungen, wie den demografischen Wandel, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und die damit in Zusammenhang stehenden Transformationsprozesse, hob er die Bedeutung der Städte und Gemeinden als aktiv Handelnde und damit auch als Forschungspartner hervor. Anschließend stellte Dr. Stephanie Bock, Difu, unter dem Titel "Vernetzung, Kommunikation und Transfer" die Ziele und die Arbeitsschwerpunkte des wissenschaftlichen Begleit-, Vernetzungs- und Transfervorhabens "KomKomIn" vor. Es wird die geförderten Verbundprojekte bis Anfang 2020 begleiten.

Die Vorstellung der 15 geförderten Verbundprojekte der ersten Förderphase von "Kommunen innovativ" nahm den Schwerpunkt des ersten Tages ein. Die Projekte präsentierten sich unter drei Fokusthemen in thematischen Gesprächsrunden. Einen Fokus bildete das Thema "Infrastruktur und Daseinsvorsorge", das die Verbünde Fokusland, lebenswert, NoLA, TempALand und JuMo- Westküste bearbeiten. Der demografische Wandel bedeutet in vielen Kommunen Bevölkerungsrückgang, Alterung und temporäre An- bzw. Abwesenheiten eines Teils der Bevölkerung. Für die kommunale Daseinsvorsorge und die Vorhaltung der notwendigen technischen und sozialen Infrastrukturen sind diese Entwicklungen eine besondere Herausforderung. Um die Infrastrukturen und Leistungsangebote daran auszurichten, sollen vorhandene Effizienzpotenziale ausgeschöpft, innovative Lösungen gefunden, neue Formen und Instrumente der Zusammenarbeit erprobt und eine Debatte über Möglichkeiten, Grenzen und Prioritäten der kommunalen Daseinsvorsorge im Zeichen des demografischen Wandels geführt werden. Im Fokus der Verbünde Bürgerfonds, IER-SEK, KIF, Kleinstadt_gestalten, Ortsinnentwicklung und KOMET stand das Thema "Innenentwicklung mit neuen Instrumenten". Innenentwicklung ist eine entscheidende Stellschraube, um die Vitalität von Ortszentren zu sichern bzw. wiederzugewinnen, Bestandsimmobilien in ihrem Wert zu erhalten, um neue Infrastrukturbedarfe zu vermeiden und letztlich die Lebensqualität der Menschen in schrumpfenden Kommunen zu verbessern. Um die mit ihr verbundenen rechtlichen und organisatorischen Hürden zu überwinden, bedarf es neuer Träger- und Finanzierungsmodelle, integrierter Konzepte und der Sensibilisierung und Mobilisierung der Akteure.

 

"Partizipation und Innovation in Reallaboren" bildet den thematischen Schwerpunkt der Verbünde KoSI-LAB, TransformBar, WatNu und CoProGrün. Partizipation im Sinne eines aktiven Miteinanders verschiedener Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung und Umsetzung akzeptanzfähiger und regional angepasster Innovationen. Nur so können die anstehenden Transformationsprozesse bewältigt werden. Hierfür werden belastbare Beteiligungskonzepte und Formate auf Augenhöhe entwickelt und modellhaft erprobt, mit denen unterschiedliche Zielgruppen ihre Interessen ver- und aushandeln können.

Den zweiten Tag eröffnete Prof. Dr. Dr. Ortwin Renn vom Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. Potsdam mit seinem Vortrag "Ungewissheiten verstehen und gemeinsam aktiv die Zukunft gestalten". Mit Verweis auf die Herausforderungen einer zunehmenden Komplexität – und damit verbundenen Ungewissheit von Zukunft – richtete er den Blick auf Handlungsansätze, die es ermöglichen, mit zunehmend unsicherem Wissen, fehlenden Gewissheiten und unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten von Wissen umzugehen. In dem Zurückführen der komplexen Herausforderungen auf die Lebenswelt der Einzelnen und ihrer Verortung im Alltag liege eine besondere Stärke des Handelns und Denkens auf lokaler Ebene. Lokale Überschaubarkeit und Vertrautheit seien ein Schlüssel zur Innovation. Eine besondere Bedeutung komme dabei der Bürgerbeteiligung und dem Bürgerengagement zu, um gemeinsam mit Verantwortlichen den Wandel zu gestalten. In diesem Zusammenhang müsse lokal gedacht und global gehandelt werden.

Die Vernetzung der Beteiligten wurde anschließend in Arbeitsforen zu Querschnittsthemen vertieft. Diskutiert wurden die Themen: Kommunen und Forschung, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, Finanzierung und Geschäftsmodelle, Ungewissheiten und Szenarien, Governance sowie Verstetigung, Dauerhaftigkeit und Verbreitung in die Praxis. Diese Querschnittsthemen nehmen projektübergreifende Fragestellungen in den Blick, die für eine Mehrzahl der Forschungsvorhaben von Relevanz sind. In den Arbeitsgruppen wurden Schwerpunkte einer weiteren gemeinsamen Arbeit entwickelt. Im weiteren Verlauf werden die Projekte in verbundübergreifenden Arbeitsgruppen zu moderierten Workshops eingeladen, sich zu diesen Fragestellungen auszutauschen, methodische Vorgehensweisen abzustimmen und Ergebnisse zusammenzuführen und zu kommunizieren.

Die große Beteiligung von Akteuren aus Forschung, Verwaltung, kommunaler Politik und Zivilgesellschaft verdeutlichte eindrucksvoll, wie ernst die geförderten Vorhaben den Aufruf des BMBF genommen haben, gemeinsam innovative Wege an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis zu entwickeln und zu beschreiten. Im Rahmen einer zweiten Förderphase wird 2017 eine vergleichbare Anzahl von Verbundprojekten mit innovativen Konzepten für Kommunen im demografischen Wandel hinzustoßen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Projekte von "Kommunen innovativ" vor allem eines verbindet: Ihr Mut, sich mit neuen Formen der verbindlichen Kooperation auf eine ungewisse Zukunft vorzubereiten. Kom-KomIn wird sie gerne auf diesem Wege begleiten und unterstützen. Die Fördermaßnahme ist Teil des Rahmenprogramms "Forschung für Nachhaltige Entwicklung" (FONA).

Weitere Informationen: 

Dr. Stephanie Bock
+49 30 39001-189
bock@difu.de

Link:
www.kommuneninnovativ.de

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