Printexemplare bestellen

Warenkorb

Kontakt für Fragen zur Bestellung von Publikationen:

Heidi Espei
Tel.: +49 30 39001-253
Fax: +49 30 39001-275
E-Mail: vertrieb@difu.de

Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH
Vertrieb
Zimmerstraße 13-15
10969 Berlin

eBooks bestellen

Difu-Berichte 1/2011 - Planungstool ermöglicht Kostenschätzung der Siedlungsplanung

Kalkulationswerkzeug macht Verkehrsfolgekosten transparent

Angesichts der demografischen Veränderungen wird die Aufrechterhaltung der technischen und sozialen Infrastruktur für die nächsten Jahrzehnte eine wichtige politische Herausforderung. Dies betrifft die öffentlichen und privaten Träger der Infrastruktur sowie die Stadt- und Raumplanung. Die kommunale Siedlungsentwicklung ist in vielen Regionen trotz stagnierender und abnehmender Bevölkerung von weiterem Flächenwachstum sowie von geringen Siedlungsdichten gekennzeichnet, die sich künftig Kosten steigernd für Bau, Unterhalt, Erhaltung und Betrieb von technischer und sozialer Infrastruktur auswirken können. Anforderungen des Klimaschutzes und eine geringere Unabhängigkeit von Energiepreissprüngen erfordern zudem wirksame Instrumente der Begrenzung des Verkehrswachstums. Die finanzielle Ausstattung der Kommunen wird zunehmend von Infrastrukturlasten und den gestiegenen Anforderungen der Gesellschaft an den ÖPNV beansprucht.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und betreut durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) entwickelten das Deutsche Institut für Urbanistik und die Planersocietät Dortmund ein Verfahren sowie ein Tool zur Abschätzung der Verkehrsfolgekosten für kommunale Planungsträger. Die Instrumente sind Ergebnis des FOPS-Forschungsprojekts „Abschätzung und Bewertung der Verkehrs- und Kostenfolgen von Bebauungs- und Flächennutzungsplänen insbesondere für die kommunale Siedlungsplanung unter besonderer Berücksichtigung des ÖPNV“. Im Projekt wurden bestehende praktische Erfahrungen über Kosten der Verkehrsinfrastruktur sowie Ergebnisse bisheriger Forschungsprojekte ausgewertet, um Lücken zu erkennen und durch eigene Analysen und Modellrechnungen zur Abschätzung der verkehrsinfrastrukturellen Folgekosten (potenzieller) Baugebieten für Kommunen und Aufgabenträgern zu schließen. Daraus wurde ein anwendungsorientiertes Tool zur Abschätzung von Verkehrsfolgekosten entwickelt wodurch eine erhöhte Kostentransparenz und damit eine integrierte Verkehrs- und Siedlungsentwicklung gefördert sowie ein Beitrag zu einer effizienten Siedlungsentwicklung geleistet wird.

Grafik: Die Bestandteile der Kostenschätzung

Die Diskussionen zu den aktuellen Trends der Siedlungsentwicklung verlaufen derzeit auf mehreren Ebenen. Kennzeichnend dabei sind u.a. vielfältige Querbezüge zur Diskussion um Versorgungsstandards, Kosten und Effizienz öffentlicher Infrastruktureinrichtungen. Breit abgesicherte Angaben über die durch Siedlungsentwicklung ausgelösten volks- und betriebswirtschaftlichen Kosteneffekte stehen insbesondere in der mittel- und langfristigen Perspektive nicht zur Verfügung. Während sowohl für die Ebene des einzelnen Baugebiets als auch aus regionaler Perspektive erste Datenanalysen und Modellrechnungen erarbeitet wurden, besteht gerade für die Mesoebene einer Gesamtstadt oder -gemeinde bzw. eines größeren Stadtteils eine erhebliche Wissenslücke. Die unmittelbare Verbindung zwischen Strategien der Siedlungs- und Flächenentwicklung und verkehrsbezogenen Folgekostenintensitäten für die kommunalen Planungsebenen wird bisher auch nicht hergestellt. Daher war es zentrale Aufgabenstellung des Projektes,

  • die Wirkungsketten von Bevölkerungsentwicklung und Siedlungsflächenentwicklung über Anpassungsmaßnahmen im Verkehrssystem, Mobilitäts- und Verkehrsentwicklung bis hin zur Übersetzung in Kosteneffekte bei unterschiedlichen Kostenträgern transparent zu machen;
  • typische Ursache-Wirkungs-Muster entsprechend der räumlichen Ebenen der kommunalen Flächennutzungs- sowie Bebauungsplanung zu identifizieren und dabei besonders kumulative Effekte von Einzelmaßnahmen auf das Verkehrsnetz als Gesamtsystem zu berücksichtigen;
  • auf dieser Grundlage szenariobasierte Modellrechnungen zu den Verkehrswirkungen und monetären Effekten von Siedlungsmaßnahmen und Flächennutzungsstrategien zu erarbeiten und zu einer Bewertungsmethodik für Kommunen und Verkehrsdienstleister weiterzuentwickeln.

Um hierbei auch die Einbindung von Praxispartnern zu gewährleisten, wurden Workshops mit einem Expertenbeirat und Testläufe des Tools in drei Pilotregionen (Dresden, Potsdam und Hannover) durchgeführt.

Bei der Darstellung der Zusammenhänge zwischen der Bebauungs- und Siedlungsstruktur, dem infrastrukturellen Ausbaustandard und der Bedienungsqualität des ÖPNV wurden zwei Verfahrens-/Prozessperspektiven besonders betont: die Möglichkeiten, den Entscheidungsraum wichtiger Akteure über die Betrachtung einmaliger Investitionsund Baukosten hinaus zu erweitern, und die Weiterentwicklung von Argumenten, die den Erhalt bestehender Infrastrukturen als Alternative zum Neubau fördern.

Verkehrsfolgenkostenschätzer V1.0

Aufbau und Struktur des Tools

Zentrale Zielsetzung war die Entwicklung eines praxistauglichen Instrumentariums zur frühzeitigen Abschätzung der Verkehrs- und Kostenfolgen von Siedlungsprojekten. Gegenstand der Anwendung und Bewertung werden in der Regel einzelne oder Konglomerate von Bebauungsplänen bzw. die Entwürfe von Bebauungsplänen oder Potenzialflächenbetrachtungen sein. Auch Einzelgebietsbetrachtungen für Standortalternativen und ähnliches bei der Aufstellung von Flächennutzungsplänen können bei der strategischen Stadtentwicklung vorgenommen werden.

Hieraus ergibt sich eine Reihe von Anforderungen, welche in die Erstellung des Rechenmodells eingeflossen sind. Entwickelt wurde ein Schätzinstrument, mit dem die jeweiligen Akteure mit den üblicherweise vorliegenden Daten und mit begrenztem Zeitbudget eine qualifizierte Folgekostenschätzung vornehmen können. Genutzt wurde das Programm MS-Excel, als meist in den Verwaltungen vorhandenes und bekanntes Rechenwerkzeug. Bei der Schätzung der Verkehrs- und Kostenfolgen von Siedlungsprojekten wurden folgende Teilaspekte ermittelt:

  • Verkehrsmengen, getrennt nach einzelnen Verkehrsträgern,
  • Effekte der Straßenerschließung: Investitions- , Betriebs- und Instandhaltungskosten,
  • ÖPNV-Infrastruktur: Betriebskosten nach Art der ÖPNV-Erschließung (z.B. in Bezug auf Angebot, Takt-Familie, Fahrzeuge, Linienführung; bei schienengebundener Anbindung auch Investition, Erhalt, Betrieb).

Für die einfache Abschätzung wurden zahlreiche Kennwerte für Kosten und Verkehrsverhalten aus gängigen Quellen voreingegeben. Der Nutzer muss lediglich spezifische Werte der Gemeinde (zum Beispiel Einwohnerzahl) und des Planungsgebiets (beispielsweise Flächengröße und geplante Bebauungsdichte) eingeben. Auch können alle Vorgabewerte vom Nutzer zur Verbesserung der Abschätzungsgüte angepasst werden. Die Verkehrsabschätzung bezieht sich im Wesentlichen auf Raumparameter. So sind Kennwerte eines stadtlagetypischen Modal Split als grobe Nährungsgröße hinterlegt worden. Die Entwicklung der Folgekosten wird für die nächsten 30 Jahre geschätzt. Dabei werden Kostensteigerungen, Abschreibungen und die verschiedenen Kostenarten grob berücksichtigt. Wesentliche Teilergebnisse der Schätzung werden durch das Instrument gesondert ausgewiesen, wobei Abschätzungen auch für weiterführende Überlegungen verwendet werden können.

Für unterschiedliche Flächen- und Planungsvarianten unter Berücksichtigung von Verkehrsfolgen und Folgekosten wurde ein separates Vergleichstool entwickelt, welches dem Nutzer erlaubt, eine vergleichende Auswertung der Kosten für unterschiedliche Gebiete oder Varianten vorzunehmen, wobei die Bezugsebenen Gesamtkosten, Kosten je ha und Kosten je WE herangezogen werden können.

Verkehrsfolgenkostenschätzer V1.0

Anwendbarkeit

Die Testanwendungen in den Kommunen sowie die Kommentare externer Experten zeigten, dass das Tool eine nutzerfreundliche Anwendbarkeit für die Siedlungsentwicklungsplanung ermöglicht. Die erforderlichen Input-Daten sind für die Planer relativ einfach im Vorfeld zu ermitteln bzw. abzuschätzen. Auch ist eine relativ schnelle und intuitive Bearbeitung möglich, sodass das Tool ohne große Einarbeitungszeit zumindest erstmalig genutzt werden kann. Eine vertiefte Einarbeitung ist von Seiten der Anwender aber möglich und bietet sich bei mehrfacher Anwendung an. Die Nutzung vermittelt auch ein Gefühl für die komplexen Zusammenhänge der Verkehrs- und Siedlungsplanung.

Verkehrsfolgenkostenschätzer V1.0

Die Veröffentlichungen für das Verkehrsfolgekostenprojekt stehen auf der BBSR-Seite online zur Verfügung: 2/2011-Nutzerhandbuch und 3/2011-Endbericht:

http://www.bbsr.bund.de/cln_016/nn_626558/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/BMVBS/Online/online__node.html?__nnn=true

Difu-Medieninfo dazu:
http://www.difu.de/presse/2011-02-18/neues-planungstool-unterstuetzt-kommunen-bei-der.html

 

Weitere Informationen: 

Dr.-Ing. Wulf-Holger Arndt
Telefon: 030/39001-252
Fax: 030/39001-241
E-Mail: arndt@difu.de

[vorhergehender Artikel | Übersicht | nächster Artikel]