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Difu-Berichte 1/2010 - Verbesserung der transnationalen Zusammenarbeit - Veranstaltung und Broschüre zu INTERREG IV B

Heft: Transnationale Perspektiven für eine innovationsorientierte Wirtschaftsförderung

Transnationale Perspektiven für eine innovationsorientierte Wirtschaftsförderung:
Interessenten können den Leitfaden kostenfrei beim BBSR per Mail bei beatrix.thul@bbr.bund.de bestellen.
Die Veröffentlichung ist auch als Download abrufbar: http://d-nb.info/1000663116/34

Foto: Erfahrungsaustausch im Rahmen der Begleitausstellung

Erfahrungsaustausch im Rahmen der Begleitausstellung.

Innovationsorientierte Wirtschaftsförderung betreiben bereits viele Regionen und Kommunen. Sie unterstützen beispielsweise die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft, engagieren sich beim Aufbau von Technologie- und Gründerzentren oder fördern die Anwendung innovativer Technologien. Seit 2007 bietet das INTERREG IV B-Programm mit der Förderpriorität „Innovation“ verbesserte Möglichkeiten, solche Ansätze auch in transnationalen Projekten zu fördern.

Eine Fachveranstaltung, zu der das Difu im Dezember 2009 in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) geladen hatte, zeigte Interessierten aus Kommunen und Regionen, wie sie INTERREG IV B nutzen können. Mehr als 130 Teilnehmer informierten sich über die Möglichkeiten des Programms, tauschten sich über Projektideen und laufende Projekte aus und erhielten nützliche Tipps für die Antragstellung. In einer begleitenden Ausstellung präsentierten sich die nationalen Kontaktstellen der Programmräume Alpen-, Nordsee-, Ostsseeraum, Nordwesteuropa und Mitteleuropa. Sie gaben in  Beratungsgesprächen Informationen zu den jeweiligen Programmräumen von INTERREG.

In seinem Grußwort der Teilnehmer aus den Bereichen Wirtschaftsförderung, Stadt- und Regionalentwicklung, Innovationsförderung und Technologietransfer unterstrich Matthias Petschke, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin, die Bedeutung, die der regionalen Ebene für eine nachhaltige Raumentwicklung und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit zukommt.

Kerstin Greiling und Jens Kurnol, BBSR, gaben in ihrem Beitrag einen Überblick zu den Fördermöglichkeiten in INTERREG IV B und skizzierten die „spezifische Nische“ der Innovationsförderung im Rahmen dieser transnationalen Programme. Im Gegensatz zu verschiedenen Fachprogrammen liege der Fokus hier auf der integrierten räumlichen Entwicklung. So seien die räumlichen Bedingungen und Wirkungen bei der Konzipierung von Projektideen zu berücksichtigen. Zudem gelte es, Nutzen für die jeweiligen Kooperationsräume insgesamt herauszuarbeiten (Alpen-, Nordsee-, Ostseeraum, Mittel- und Nordwesteuropa). Beispielhaft benannten sie als Handlungsfelder Förderung von Clustern, Unterstützung des Wissenstransfers in die Praxis sowie Projekte, die zum innovationsfördernden Umfeld beitragen.

Daniel Zwicker-Schwarm vom Difu berichtete über Ergebnisse einer laufenden MORO-Studie, in der eine Analyse zu „guten Beispielen“ innovationsorientierter INTERREG B-Projekte erarbeitet wurde. Kommunale und regionale Akteure könnten in mehrfacher Hinsicht von solchen Projekten profitieren. So zeigten Fallbeispiele wie mithilfe ausländischer Erfahrungen die Programme und Instrumente der Innovationsförderung vor Ort verbessert werden. Oft ermögliche die Zusammenarbeit, innerhalb der Kooperationsräume in einzelnen Technologiefeldern eine kritische Masse für neue Angebote der Innovationsförderung zu erreichen, inhaltliche Synergien zu nutzen und gemeinsame Marketingeffekte zu erzielen.

Unter dem Titel „Innovationsförderung in Stadt und Land“ berichteten Ralf Meyer von der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (AGIT) sowie Tim Brauckmüller vom Berliner Büro ATENE kom von INTERREG-Projekterfahrungen in unterschiedlichen räumlichen Kontexten. Im Rahmen des Projekts Eindhoven Leuven Aachen Triangle (ELAt) konnten in den letzten Jahren mit der Erarbeitung einer  transnationalen Innovationsstrategie wichtige konzeptionelle Schritte in Richtung einer wissensökonomischen Großregion gegangen werden, die nun in Form einer dauerhaften Organisation und konkreten Folgeprojekten für Unternehmen und Forschungseinrichtungen weitergeführt werden soll. Ein konkreter Ausgangspunkt für zahlreiche INTERREG-Projektaktivitäten des Landkreises Osterholz sowie der Stadt Osterholz-Scharmbeck im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien war die ungenügende Breitbandanbindung dieser ländlichen Region. Dabei hätten die Projekterfahrungen bestätigt, dass die Lösungen oft schon im Ausland vorliegen. Über die Zusammenarbeit mit Partnern im Nord- und Ostseeraum habe man zudem passende technische Lösungen, Betreibermodelle und Dienstleistungen kennen gelernt oder gemeinsam neu entwickelt. In der nachfolgenden Diskussion wurde deutlich, dass die Innovationspriorität sich für Ansatzpunkte in Regionen mit starkem FuE-Besatz als auch für strukturschwache Räume eignet und es erfolgreiche Beispiele von in dieser Hinsicht „gemischten“ Projektkonsortien gibt.

In zwei Themenforen wurden die Handlungsfelder „Transnationales Clustermanagement und Vernetzung von Technologieparks und Gründerzentren“ sowie „Transnationale Innovationsförderung für Kleine und Mittlere Unternehmen“ vertieft. Vor dem Hintergrund des Projekts „Baltfood“ schilderte Björn P. Jacobsen von der Wirtschaftsförderung Lübeck die Motivation, dreizehn regionale Clusteransätze im Bereich der Ernährungswirtschaft im Ostseeraum zu vernetzen. Während Lübeck über einen ausgeprägten Unternehmensbesatz in diesem Wirtschaftszweig verfüge, fehlten in diesem Bereich bislang passende Forschungs- und Bildungsangebote. Diese könnten nun in der Zusammenarbeit von den anderen Netzwerkpartnern in die gemeinsamen Produkte und Angebote  eingebracht werden. Im Projekt Baltic Sea InnoNet Centres (BaSIC) steht die Unterstützung der internationalen Wachstumsaktivitäten innovativer KMU (sogenannter „Gazellen“) im Mittelpunkt, wie Dr. Helge Neumann von der Berliner WISTA Management GmbH berichtete. Die Wissenschaftsstadt Adlershof arbeitet dabei mit Technologieparks und Gründerzentren aus dem Städtenetzwerk Baltic Metropoles zusammen.

Dr. Max Hogeforster stellte die Aktivitäten des Hanse-Parlaments e.V., einem Zusammenschluss von über 40 Handwerkskammern des Ostseeraums, zur Unterstützung der Internationalisierung und Innovationsfähigkeit von KMU vor. Er betonte die Rolle intermediärer Einrichtungen: Im extrem kleinbetrieblich strukturierten Handwerksbereich sei die Bündelung von Unternehmen mit ähnlichen Innovations- und Beratungsbedarfen wichtig. Sylvia Hustedt, Leiterin des GründerZentrum Kulturwirtschaft e.V. in Aachen berichtete von der transnationalen Kooperation zur Unterstützung der Kulturwirtschaft in Nordwesteuropa im Rahmen des Projekts ECCE. Sie stellte die Bedeutung von INTERREG-Projekten für den Erfahrungsaustausch hervor: Während die Arbeit des Aachener Zentrums von den britischen Finanzierungsansätzen inspiriert wurde, wurde dessen Coaching-Modell von französischen und niederländischen Partnern übernommen.

In einem abschließenden „Round Table“ diskutierten Claudia Eggert, Nationale Kontaktstelle Nordseeprogramm, Sylvia Schreiber, Leiterin des Europabüros der Region Stuttgart sowie Dr. Helge Neumann von der WISTA Management GmbH und Daniel Zwicker-Schwarm vom Difu mit den Teilnehmern über die Erfolgsfaktoren bei der Entwicklung und Bearbeitung transnationaler Projekte im Bereich der Innovationsförderung. Claudia Eggert stellte dabei heraus, dass innerhalb des Rahmens der Operationellen Programme grundsätzlich die Themenfindung und Ideenentwicklung „bottom up“ erfolge, wobei die Nationalen Kontaktstellen informieren und unterstützen könnten. Sylvia Schreiber berichtete vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Region Stuttgart, dass die Zusammenarbeit in Innovationsfragen aufgrund unterschiedlicher räumlicher Stärken und Bedarfe grundsätzlich eine „variable Geometrie“ aufweise, die tendenziell in einem Spannungsfeld zu den relativ starren Kooperationsräumen des INTERREG-Programms stünde. Dennoch gebe es verschiedene Themen, bei denen regionale Akteure von transnationalen Projekte profitiert hätten. Dr. Helge Neumann stellte die vergleichsweise große thematische Offenheit der Priorität Innovationsförderung als Vorteil heraus. Wichtig sei für die Antragsstellung und die Verankerung von Projekten in Politik und Region eine schlüssige und überzeugende Außendarstellung. Seitens mehrerer Teilnehmer wurde die politische Aufmerksamkeit der europäischen Ebene hervorgehoben, die mit einer Projektbeteiligung verbunden sei. Als Wunsch wurden unter anderem der stärkere Austausch zwischen Projekten ähnlicher  Themenstellungen innerhalb und zwischen den einzelnen Programmräumen angeregt. Jens Kurnol verwies dabei auf Aktivitäten des BBSR, durch Öffentlichkeitsarbeit hierzu einen Beitrag zu leisten.

Foto:

Round-Table-Gespräch über Erfolgsfaktoren bei der Entwicklung und Bearbeitung transnationaler Projekte

Die Veranstalter präsentierten einen neuen praxisorientierten Leitfaden zur innovationsorientierten Wirtschaftsförderung. Die Broschüre informiert über ausgewählte INTERREG B-Projekte, die bisher im Bereich Innovation und Raumentwicklung erarbeitet wurden. Sie zeigt, wie beteiligte Akteure und jeweilige Zielgruppen von diesen Aktivitäten profitieren konnten. Zudem werden Tipps für Interessenten geboten, die eigene Projekte im Rahmen von INTERREG B planen.


 

Weitere Informationen: 

Dipl.-Verwaltungswiss. Daniel Zwicker-Schwarm
Telefon: 030/39001-154
E-Mail: zwicker-schwarm@difu.de