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Difu-Berichte 1/2010 - Mehr Gesundheit im Quartier: Prävention und Gesundheitsförderung in der Stadtteilentwicklung

Heft: Mehr Gesundheit im Quartier

Ausgangslage und Hintergrund
Spätestens seit der Verabschiedung der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung durch die Weltgesundheitsorganisation im Jahr 1986 wird offensiv thematisiert, dass Armut ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt und sozioökonomische Parameter wie Einkommen, beruflicher Status und Bildung in engem Zusammenhang mit gesundheitlich belastenden Lebensbedingungen, Gesundheitsverhalten sowie Gesundheitszustand stehen. Menschen mit geringem Einkommen, niedriger beruflicher Stellung oder Bildung sterben in der Regel früher und leiden zudem häufiger an gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wobei Kinder und Jugendliche hiervon besonders negativ betroffen sind. Diese Benachteiligungen konzentrieren sich räumlich in benachteiligten Stadtteilen, die im Vergleich zur Gesamtstadt besonders komplexe soziale, ökonomische, infrastrukturelle, bauliche und eben auch gesundheitliche Problemlagen aufweisen. Gleichwohl sind Strategien, Strukturen und Verfahren sowie Maßnahmen und Projekte, die explizit die Gesundheitsförderung im Stadtteil fördern, bislang noch wenig erprobt und noch seltener evaluiert worden.

Es stellt sich daher die Aufgabe, stärker als bislang Stadtteilentwicklung und Gesundheitsförderung zu verknüpfen und gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung zum Thema in den Kommunen zu machen.

Projektziel und methodisches Vorgehen
Vor diesem Hintergrund hat das Difu im Rahmen des Regierungsprogramms „Gesundheitsforschung: Forschung für den Menschen” und gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung von September 2006 bis Juli 2009 das Forschungsprojekt „Mehr als gewohnt: Stadtteile machen sich stark für Gesundheitsförderung” durchgeführt.

Im Mittelpunkt standen der Aufbau, die Weiterentwicklung und die Evaluation von Strategien, Strukturen sowie Projekten und Maßnahmen der gesundheitsfördernden Stadtteilentwicklung.  Ziel war es, einen praxistauglichen Implementationsansatz der Primärprävention für die Zielgruppen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auszuarbeiten, der vor allem in sozial benachteiligten Stadtteilen einsatzfähig ist und dort zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen beisteuern kann. Der im Projekt entwickelte Ansatz zur Gesundheitsförderung wurde in drei Stadtteilen (Fürth-Innenstadt, Halle-Silberhöhe und Hamburg-Altona-Lurup), die Programmgebiete der „Sozialen Stadt” sind bzw. waren, sich jedoch hinsichtlich ihrer Problemlagen, Handlungsbedarfe und Arbeitsstände der stadtteilorientierten Gesundheitsförderung unterscheiden, erprobt, wobei das Difu die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation übernahm. Weitere Kooperationspartner waren der BKK Bundesverband, die BKK Landesverbände Bayern, NORD und Ost sowie die Techniker Krankenkasse.

Studienergebnisse: Qualitätselemente gesundheitsfördernder Stadtteilentwicklung
Stadtteilbezogene Gesundheitsberichterstattung: Die Analyse der spezifischen Gegebenheiten im Quartier – Probleme und Bedarfe, aber auch Ressourcen und Potenziale – ist notwendige Grundlage für die Entwicklung qualitätsgerichteter Maßnahmen zur stadtteilbezogenen Gesundheitsförderung. Für eine dem umfassenden Verständnis von Gesundheitsförderung der WHO gerecht werdende Erfassung der gesundheitlichen Lage in benachteiligten Stadtteilen erscheint es sinnvoll, indikatorenbasiert Daten zu allgemeinen bzw. umweltbezogenen Gesundheitsbelastungen (z.B. Lärm- und Luftbelastung) zu individuellen bzw. sozialen Gesundheitsbelastungen (z.B. Arbeitslosigkeit, Sozialhilfebezug), zum Gesundheitszustand der Stadtteilbevölkerung (z.B. Übergewicht, Motorik- und Sprachstörungen bei Kindern) sowie zu Gesundheitsversorgung (z.B. Anzahl der Arztpraxen, Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen) und Gesundheitspotenzialen (z.B. öffentliche Grünflächen, Gesundheitsprojekte in Kitas und Schulen) aufzubereiten und diese Daten um qualitative Einschätzungen von Vor-Ort-Akteuren und der Bewohnerschaft zu ergänzen.

Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzepte für den Stadtteil: Integrierte Entwicklungs- und  Handlungskonzepte sind wichtige Instrumente, um eine gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung systematisch voranzubringen. Nach der Bedarfsanalyse im Rahmen der kleinräumigen Gesundheitsberichterstattung ist das Erstellen eines solchen Konzepts ein konsequenter nächster Schritt. Ein Entwicklungs- und Handlungskonzept verschafft zum einen Orientierung und zum anderen – soweit das Konzept politisch beschlossen ist – Planungssicherheit. Bei seiner Erstellung bietet sich die Chance, mit den Stadtteilakteuren und der Quartiersbewohnerschaft in einen Dialog über Entwicklungsaufgaben und Maßnahmenschwerpunkte im Gebiet zu treten.

Ressortübergreifende Kooperation in der Kommunalverwaltung: Gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung berührt je nach Größe und Ausdifferenzierung der Kommunalverwaltung eine Reihe von verschiedenen Fachressorts. Hierzu zählen vor allem die Bereiche Gesundheit, Umwelt, Sport, Kinder, Jugend und Familie, Soziales, Bildung sowie Stadtentwicklung. Für den Aufbau und die Weiterentwicklung der gesundheitsfördernden Stadtteilentwicklung ist daher die Beteiligung eines breiten Spektrums an Fachämtern erforderlich, die ressortübergreifend zusammen arbeiten sollten.

Kooperation zwischen Kommune und Krankenkassen(verbänden): Neben den Kommunen sind Krankenkassen wichtige Partner bei der Setting-Entwicklung im Stadtteil. Mit ihrer Hilfe und durch ihre Kooperation mit den Kommunen kann Gesundheitsförderung in Stadtteilen – vor allem in den klassischen Handlungsfeldern von Gesundheitsförderung (Ernährung, Bewegung, Suchtprävention, Stressbewältigung) – gestärkt werden. Die Kooperation zwischen Kommune und Krankenkassen erfolgt bislang selten direkt, in der Regel bedarf sie einer Vermittlung durch eine intermediäre Instanz (Quartiermanagement, Koordinierungsstelle Gesundheitsförderung, Begleitforschung).

Netzwerkentwicklung im Stadtteil: Die Bildung von gesundheitsbezogenen Netzwerken für den Stadtteil ist häufig der Auftakt für Aktivitäten zur stadtteilbezogenen Gesundheitsförderung. Ziel der Netzwerkarbeit ist hierbei eine kooperative Gesundheitsförderung im Sinne eines von möglichst vielen Gesundheitsakteuren gemeinsam getragenen Aktionsbündnisses im jeweiligen Stadtteil. Mit dem Netzwerkaufbau wird eine zielgerichtete und handlungsbezogene Zusammenarbeit der bisher meistens getrennt arbeitenden Gesundheitsakteure ermöglicht.

Koordinierungsstelle Gesundheit im Stadtteil: Ein wichtiger Motor für die komplexe Steuerungs- und Koordinierungsaufgabe eines gesundheitsfördernden Stadtteilentwicklungsprozesses auf der Quartiersebene und im intermediären Bereich ist eine lokale Koordinierungsstelle für Gesundheitsförderung. Ähnlich wie das Quartiermanagement im Rahmen des Programms „Soziale Stadt” soll die lokale Koordinierungsstelle zum systematischen Aufbau von selbst tragenden sowie nachhaltig wirksamen Strukturen im Quartier beitragen. Zentrale Aufgaben liegen in den Bereichen Koordination und Moderation, Projektentwicklung, Aktivierung und Beteiligung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Berichtswesen.

Projektentwicklung und -umsetzung: Das Spektrum der Handlungsfelder für eine gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung ist breit und reicht über klassische Gesundheitsthemen wie Ernährung, Bewegung und Sport, Stressbewältigung, Suchtprävention über Gewaltprävention, Unfallprävention, Schwangerschaft und Elternschaft bis hin zu eher baulichen Bereichen wie Wohnen und Wohnumfeld, Umwelt und Verkehr. Welche Handlungsfelder schwerpunktmäßig in den Blick genommen werden, muss sich an den jeweiligen örtlichen Bedarfslagen im Stadtteil orientieren.

Finanzierung: Der gesundheitsfördernde Impuls im Stadtteil kann dann besonders wirksam umgesetzt werden, wenn zusätzliche finanzielle Ressourcen mobilisiert werden. Für die Programmgebiete der „Sozialen Stadt” bieten hier die sozial-integrativen Modellvorhaben der Sozialen Stadt eine gute, aber bislang für Gesundheitsthemen noch wenig genutzte Möglichkeit. Auch Mittel der Krankenkassen, die laut Sozialgesetzbuch (§ 20, Abs. 1 SGB V) für Prävention und Gesundheitsförderung eingesetzt werden sollen, sind für die Setting-Entwicklung in benachteiligten Stadtteilen eine geeignete Finanzierungsbasis.

Verfügungsfonds Gesundheit: Ein stadtteilbezogener Verfügungsfonds, über dessen Mitteleinsatz möglichst durch lokale Gremien entschieden werden sollte, kann für die zügige und dezentrale Projektumsetzung ein wichtiges Instrument darstellen, dem darüber hinaus eine zentrale Funktion in Hinblick auf die Aktivierung der Vor-Ort-Akteure und der Quartiersbevölkerung zukommt. Die schnelle, unbürokratische Bezuschussung kleiner Vorhaben unterstützt dezentral im Stadtteil das vorhandene Engagement und führt zu einer zügigen Realisierbarkeit von Ideen.

Mehr Gesundheit im Quartier:
Sämtliche Studienergebnisse mit Qualitätskriterien/-anforderungen für die Entwicklung und Umsetzung von Strategien und Projekten der gesundheitsfördernden Stadtteilentwicklung sowie konkrete Handlungsempfehlungen für Bund, Länder, Kommunen, Krankenkassen und Quartiermanagement wurden im Band „Mehr Gesundheit im Quartier der Reihe „Edition Difu” veröffentlicht.

Dem Ergebnistransfer in die Praxis dient zudem die Difu-Arbeitshilfe „Kinder- und jugendbezogene Gesundheitsförderung im Stadtteil”.


 

Weitere Informationen: 

Dr. rer. soc. Bettina Reimann
Telefon: 030/39001-191
E-Mail: reimann@difu.de

Dipl.-Ing. Christa Böhme
Telefon: 030/39001-291
E-Mail: boehme@difu.de

Bestellung: siehe Bestellschein