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Difu-Berichte 1/2006 - Die Denkmaltopographie als Erfassungsinstrument und kulturgeschichtliches Unternehmen

Die Denkmaltopographie als neue Form der Denkmalbeschreibung und Denkmaldokumentation hat in der staatlichen und kommunalen Denkmalpflege einen hohen Stellenwert. Als Instrument der Denkmalpflege und Grundlage für die Bauleitplanung ist die Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland beispiellos in Europa. Mit Hilfe der Publikationsreihe "Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland" wird der Denkmalbestand in den deutschen Bundesländern systematisch erfasst. Zugleich liefert die Reihe kulturhistorische Grundlagen und Informationen für das gegenwärtige Planen und Bauen in den Städten und Landkreisen und fördert das Geschichts- sowie Denkmalbewusstsein in der Öffentlichkeit. Nach 25 Erscheinungsjahren ist eine kritische inhaltliche Würdigung dieser Inventarreihe angebracht. Der vorliegende Band soll dazu beitragen, die Bedeutung und Notwendigkeit von Denkmaltopographien für die konkrete Vermittlung von Denkmalwerten darzulegen und Entscheidungsträgern in den Kommunen, den Ländern, dem Bund und der interessierten Öffentlichkeit nahe zu bringen.

 Hauptstadt Kiel Stadt RegensburgFürthBaudenkmale in Berlin - Ortsteil Reinickendorf Die Denkmaltopographie als Erfassungsinstrument und kulturgeschichtliches UnternehmenEnsemble Nördlingen Ensemble Nördlingen

Aufgabe, Ziel und Zweck der "Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland" sind breit angelegt. Der Begriff Denkmaltopographie bedeutet das Erfassen und Beschreiben von Denkmälern nach ihren örtlich-räumlichen und teilweise auch landschaftlichen Bezügen. Denkmaltopographien bilden Denkmäler und Ensembles flächendeckend und systematisch in Text, Bild und Kartierung ab. Mit Hilfe dieser nach Stadt- und Landkreisen geordneten Inventarreihe sollen Denkmäler in Deutschland in einer möglichst einheitlichen Form beschrieben und dokumentiert werden.

Ziel der Untersuchung ist es, zunächst einen Überblick über Stand und Standard der Topographiebände zu geben und darauf aufbauend exemplarische, zumeist neuere Denkmaltopographien im Hinblick auf ihren Erkenntnis- und Informationswert zu evaluieren. Im Vergleich sind Konzepte und inhaltliche Schwerpunkte herausgearbeitet. Analysiert werden auch Rahmenbedingungen der Bearbeitung von Denkmaltopographien, ihre vielfältige Nutzung und Anwendung.

Besonders inhaltsreiche und methodisch interessante Topographiebände wurden ausgewählt, anhand von Text- und Bildausschnitten vorgestellt und - wo sinnvoll und nötig - kommentiert.

Folgende Aspekte und Fragen werden näher beleuchtet:

Stand der Denkmalerfassung in Denkmaltopographien

  • Wie verbreitet ist die Denkmaltopographie?
  • Welchen Stand hat die Bearbeitung von Denkmaltopographien erreicht?

Aufbau, Inhalte und Schwerpunkte von Denkmaltopographien

  • Wie stellt sich die Denkmaltopographie in den einzelnen historisch-kulturellen Bestandteilen dar?
  • Welche Anforderungen müssen die Denkmaltopographien erfüllen?
  • Was leistet die Denkmaltopographie als Instrument der Denkmalerfassung?
  • Welche stadt-, stadtbau-, architektur- und sozialgeschichtlichen Informationen liefern die Denkmaltopographien?
  • Welche biographischen Informationen zu Architekten und Gartenarchitekten liefern die Denkmaltopographien?
  • Welche Optimierungen von Denkmaltopographien sind sinnvoll und denkbar?

Wirkungen und Akzeptanz

  • Was leistet die Denkmaltopographie für ihre Adressaten: Denkmalpfleger, Planer und Architekten und die interessierte Öffentlichkeit?
  • Ist die Denkmaltopographie ein geeignetes Instrument für die städtebauliche Denkmalpflege?
  • Welche Resonanz erzielen die Denkmaltopographien?
  • Welchen Stellenwert hat die Denkmaltopographie für die präventive Denkmalpflege?

Insgesamt 14 Topographiebände aus unterschiedlichen Bundesländern wurden im Hinblick auf wichtige methodische Aspekte und inhaltliche Themen ausgewählt:

  • Bestandteile und Materialien (Texte, Fotos, Karten und Pläne) von Topographien am Beispiel des Hamburger Bezirks Harburg, der Stadt Wiesbaden (mit dem Schwergewicht auf den Villengebieten), der Mainzer Altstadt (mit den Stadterweiterungen und Vororten) sowie Kiel;
  • bau- und stadtbaugeschichtliche Schwerpunkte, beispielsweise mittelalterliche Bürgerhäuser in der Stadt Regensburg, Villen und Gärten sowie Siedlungen in einzelnen Ortsteilen von Berlin wie Grunewald und Reinickendorf, Industriebauten und Industrieanlagen in der Stadt Eberswalde, öffentliche Freiräume in der Stadt Fürth und historische Kulturlandschaft am Beispiel der Stadt Nördlingen sowie der Landkreise Lüneburg und Tirschenreuth.

Mit Ausnahme der Bürgerhäuser handelt es sich bei diesen Schwerpunkten um "moderne Themen", die in der Architekturgeschichte und in der Denkmalkunde in den letzten 20 Jahren an Bedeutung gewonnen haben.

Die Forschungsergebnisse beruhen auf Erkenntnissen aus Text- und Inhaltsanalysen, aus der einschlägigen Sekundärliteratur sowie auf gezielten Expertengesprächen, die die Forschungsarbeit durch praktische Aspekte und Urteile ergänzen.

Die Denkmaltopographien leisten als Instrument der Denkmalerfassung einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung denkmalpflegerischer Anliegen. Mit diesem Corpuswerk lag im Jahr 2004 bundesweit für mindestens 15 Prozent der Stadt- und Landkreise eine Erfassung des vielfältigen und reichen Denkmalbestandes in Buchform vor. Als vorzügliche Geschichts-, Bilder- und Lesebücher liefern die Denkmaltopographien eine Fülle von stadt-, stadtbau-, architektur- und sozialgeschichtlichen Informationen.

Als eines der Hauptziele der Denkmaltopographien gilt es, eine Beschreibung der jeweiligen Stadt- und Landkreisgeschichte sowie der urbanen bzw. regionalen Entwicklung anhand von Denkmälern vorzunehmen. Die Analyse der untersuchten Bände zeigt, dass das angestrebte Ziel erreicht wurde. Dies gilt in gleichem Maße für andere Aufgaben der Denkmaltopographie, wie beispielsweise die Fortschreibung der Denkmallisten und die Einarbeitung neuer Informationen.

Verständlich geschriebene, wissenschaftlich fundierte und anschaulich illustrierte Denkmaltopographiebände fördern das Denkmalbewusstsein der Stadt- und Landkreisbewohner und die Sensibilität der Denkmaleigentümer für ihren Besitz. Die systematische Durchsicht der "Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland" offenbart, dass mit dieser Publikationsreihe den Städten und Landkreisen Grundlagen, Leitlinien und Orientierung in der Diskussion um Denkmalschutz und Denkmalpflege vermittelt werden. In jedem einzelnen Fall bietet die Denkmaltopographie ein hervorragendes Instrument, das öffentliche Interesse an historischen Zeugnissen zu wecken und zu erläutern.

Nur durch eine aktive Denkmalpolitik und nicht durch Sanktionen lassen sich die Bürger für die Erhaltung des kulturellen Erbes sensibilisieren. Wichtige Voraussetzungen einer bürgernahen, präventiven Denkmalpflege sind:

  • die Erforschung der baulichen Dokumente der Vergangenheit,
  • die frühzeitige Information und Beratung der Denkmaleigentümer,
  • die umfassende Aufklärung der Öffentlichkeit und
  • die Qualifizierung der Planungen der kommunalen Verwaltungen.

Für die vorbeugende, präventive Denkmalpflege hat die Denkmaltopographie einen hohen Stellenwert.

Neue Anforderungen an die Denkmaltopographien werden im Hinblick auf die Einbindung des Denkmalbestandes in die historische Kulturlandschaft gestellt. Im Einleitungsteil, der seit den 1980er-Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hat, wird die historische Kulturlandschaft der jeweiligen Region in jüngeren Topographiebänden vor allem in Bayern, aber auch in Baden-Württemberg, beispielhaft beschrieben.

Eine Chance der Denkmaltopographie liegt darin, bis dahin vernachlässigte Gebiete und Bereiche - wie zum Beispiel die Gründerzeitviertel oder auch die Siedlungen der Jahrhundertwende und der 1920er-Jahre bis hin zu den Bauten der 1950er- und 1960er-Jahre sowie die historischen Gärten und Freiräume - in eine denkmalkundliche Untersuchung einzubeziehen. "Unbequeme" Denkmäler der 1930er- und 1940er-Jahre sollten genauso wie Industrie- und Verkehrsanlagen in den Denkmaltopographien enthalten sein.

Trotz des hohen Stellenwerts der Bodendenkmalpflege und der erheblichen Gefährdung der Bodendenkmäler durch Bauvorhaben wurde die Archäologie bisher nur unzureichend in das Unternehmen Denkmaltopographie integriert. Die Verknüpfung von Bau- und Bodendenkmalpflege ist jedoch zweifellos sinnvoll. Die Topographie bietet die Möglichkeit, den bekannten Bestand an Bodendenkmälern in einer Stadt zu dokumentieren.

Es ist bedauerlich, dass das Problem der Fortschreibung von Denkmaltopographien bislang weitgehend ungelöst ist und nur in wenigen Fällen bisher eine zweite oder dritte Auflage möglich war. Wünschenswert wäre eine Überarbeitung der Denkmaltopographien generell etwa in einem Abstand von zehn Jahren. Künftig werden die Bände auch im Internet präsentiert; dies würde die Fortschreibung wesentlich erleichtern.

Die bundesweit unterschiedliche Anlage der Topographiebände im Hinblick auf die Darstellung der Einzeldenkmäler bzw. Ensembles sowie den Umfang und Stellenwert des Kartenteils wird gelegentlich beklagt. Zweifellos erfolgt die Umsetzung der Richtlinien zur Erstellung der Denkmaltopographie in den Bundesländern uneinheitlich. Im Hinblick auf die Abstimmung der länderspezifischen Ansätze besteht ein Desiderat. Ziel dieser Anstrengungen kann allerdings nicht eine normierte Denkmaltopographie sein. Die Denkmaltopographien spiegeln die Besonderheiten der einzelnen Länder und Regionen, ihre baukulturellen Unterschiede und die jeweiligen Schwerpunkte bei den Denkmalgattungen wider.

Bearbeitungsstand „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland“ April 1988, Januar 1997, Januar 2004*

Quellen: Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland und Claus-Peter Echter 1 Eigenes Landesamt/Amt für Denkmalpflege.

Der Nutzen der vorliegenden Untersuchung zur "Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland" liegt in der Aufbereitung historischer Grundlagen für Anwendungsfelder in der Denkmalpflege, in der Sanierung, für das Bauen im Bestand sowie nicht zuletzt in der Freiraum- und Bauleitplanung. Denkmaltopographien sind unabdingbar für das Verständnis der gebauten Umwelt und Voraussetzung für die Entwicklung nachhaltiger Konzepte der Erhaltungs- und Entwurfsplanung für das historische Erbe.

Der reich bebilderte Band ist vor allem für Denkmalpfleger von Interesse, aber auch für Architekten und Stadtplaner, mit Denkmalschutz befasste Kommunalpolitiker, Kunstund Architekturhistoriker, engagierte Denkmaleigentümer sowie für historisch interessierte Bürger. Ihnen allen kann die vorliegende Forschungsstudie dazu dienen, lokalgeschichtliche Informationen und kulturhistorische Erkenntnisse zu gewinnen. Deutlich wird auch der Beitrag der Denkmalforschung zur Architektur, Stadt-, Dorf- und Sozialgeschichte seit dem Beginn der 1980-er Jahre.

Die Denkmaltopographien tragen zu einer Neubewertung des reichen und vielfältigen Denkmalbestandes in Deutschland bei. Die bis Anfang des Jahres 2004 insgesamt erschienenen 124 Bände der Publikationsreihe "Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland" bilden eine vorzügliche Materialsammlung über historische Bauten und ihr Umfeld, deren wissenschaftlicher Wert weit über die Topographie hinausgeht und mit jedem Band in seiner Bedeutung weiter wächst.

Dank gilt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die die Publikation mit einem Druckkostenzuschuss gefördert hat.

Weitere Informationen: 

Dr.-Ing., Dipl.-Soz. Claus-Peter Echter
Telefon: 0221/340308-11
E-Mail: echter@difu.de

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