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"Lotsen im Übergang" Rahmenbedingungen und Standards bei der Gestaltung von Übergängen für Pflegekinder

Titelseite der Publikation
Veröffentlichungsangaben
Maße / Format: 
DINA4
Hinweis: Printausgabe vergriffen
Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Deutschen Institut für Urbanistik (Hrsg.)

Stabile Brücken für Pflegekinder bauen.

Unter diesem Motto wurde auf der Tagung die Gestaltung der Übergänge bei Pflegekindern und dabei insbesondere die Rolle der Fachkräfte als "Lotsen im Übergang" aus sozialpädagogisch-forschender und rechtlich-organisatorischer Sicht diskutiert.

Es hat uns keiner "Tschüß" gesagt.

Zu "Übergängen im Erleben von Pflegekindern" stellte Prof. Dr. Klaus Wolf von der Universität Siegen aktuelle Forschungsergebnisse vor und ging aus Sicht der Pflegekinder u.a. auf die Frage ein: Wie erleben Pflegekinder Übergänge? Als ein "In die Fremde Kommen", als einen Wechsel an einen fremden Lebensort mit einem veränderten Beziehungsgefüge. Die Untersuchungen ergaben, dass vor allem Kontinuitätssicherung, eine vertraute Bezugsperson und "echte" Partizipation wichtig sind, damit sich Übergänge nicht als ein Entwicklungsrisiko erweisen. Übergangsphasen dürfen daher nicht zu einem "Open-End-Prozess" werden und Pflegekinder sowie Pflege- und Herkunftseltern dürfen weder allein noch im Unklaren gelassen werden.

Etwas Vertrautes mitnehmen …

Jeder Übergang ist zeit- und ressourcenabhängig und jeder am Hilfeprozess Beteiligte hat Übergänge zu bewältigen. Unter der Leitfrage "Wie geht es Kindern, was brauchen Kinder, was braucht die Praxis, um Übergänge erfolgreich zu gestalten?" wurden Standards, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen der Gestaltung verschiedener Übergänge in Arbeitsgruppen diskutiert. Weitere Good-Practice-Beispiele von öffentlichen und freien Jugendhilfeträgern zur Übergangsgestaltung wurden in Arbeitsgruppen vorgestellt und diskutiert.

Zum Schutz neuer Familienbeziehungen …

setzt das SGB VIII im Zuge des Bundeskinderschutzgesetzes bei der Sicherung der Hilfekontinuität nun anders an. Die Übergangsgestaltung aus rechtlich-organisatorischer Sicht erläuterte Diana Eschelbach, Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht, Heidelberg. Sie stellte die Rechtsänderungen im § 37 und § 86 SGB VIII und deren Auswirkungen für die Praxis vor. Sie verwies darauf, dass die Kontinuitätssicherung durch das BKiSchG rechtlich gut angegangen worden sei. Ob das Ziel auch in der Praxis erreicht wird, gilt es nun zu prüfen. Die Regelung der Sonderzuständigkeit (§ 86 Abs. 6 SGB VIII) steht immer wieder in der Kritik. Hauptkritikpunkte sind u.a., dass der Zuständigkeitswechsel eher Diskontinuität verursache, zu einer ungleichen Verteilung der Hilfefälle zwischen Stadt und Land, zu einem hohen Verwaltungsaufwand sowie einer hohen Kostenbelastung für die Jugendämter im ländlichen Raum führe.

Die Brücke zu "früher"!

Zum Thema "Biografiearbeit für Pflegekinder und mit Pflegekindern" referierte Heidrun Sauer vom Kompetenz-Zentrum Pflegekinder e.V. Sie betonte, dass jedes Kind das Recht hat, seine Identität zu behalten, hierzu biete Biografiearbeit den Pflegekindern die Chance, ihre spezielle Lebenssituation zu rekonstruieren und besser zu verstehen. Damit der Blick zurück den Blick nach vorn erleichtert, entwickelte das Kompetenz-Zentrum Pflegekinder e.V. das "Erinnerungsbuch", in dem das Leben des Pflegekindes kontinuierlich dokumentiert wird. Es soll beim Erinnern helfen und für Beständigkeit sorgen.

Puzzleteile zur Tagung …

Die lebhaften Diskussionen auf der Tagung haben gezeigt, dass die Pflegekinderhilfe in Bewegung ist und das Thema "Übergänge" die Fachkräfte sehr beschäftigt. Zum Abschluss fasste Dr. Thomas Meysen, Fachlicher Leiter des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht, die Sicht der Professionellen zusammen. Er betonte, dass die hohe Komplexität des Pflegekinderbereichs, die vielen verschiedenen Übergänge, die vielen unterschiedlichen Rahmensetzungen vor Ort etc. es erschweren, ein klares Gesamtbild zusammenzufügen, im Sinne von "So und nicht anders sind Übergänge zu gestalten". Er präsentierte im Plenum einzelne Puzzleteile der Herausforderungen, Problem- und Fragestellungen der Praxis für eine sichere Übergangsgestaltung.

Diese Puzzleteile zusammensetzen können nur die Fachkräfte vor Ort. Dabei soll diese Dokumentation helfen.

Aus dem Inhalt

Eröffnung der Tagung:
Dr. HEIKE SCHMID-OBKIRCHNER, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin

Übergänge im Erleben von Pflegekindern und Qualitätsstandards
Prof. Dr. KLAUS WOLF, Universität Siegen

Sicherung der Hilfekontinuität bei Zuständigkeitswechsel durch das Bundeskinderschutzgesetz
DIANA ESCHELBACH, Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) e.V., Heidelberg

Biografiearbeit für Pflegekinder und mit Pflegekindern
HEIDRUN SAUER, Kompetenz-Zentrum Pflegekinder e.V., Berlin

Wie geht es Kindern, was brauchen Kinder, was braucht die Praxis, um Übergänge erfolgreich zu gestalten? Arbeitsgruppen

Inobhutnahme - erste Schritte aus der Krise + Perspektivklärung
SILVIA DUNKEL, Stadtjugendamt München

Zurück nach Hause? Rückführung in die Herkunftsfamilie als geplanter und gestalteter Übergang. Welche Kriterien sind entscheidend?
ASTRID SCHMIDT-WIELEPP, Pro Kind e.V., Schwerin

Gestaltung von Übergängen in die Pflegefamilien und Anschlusshilfen. Vorstellung und Diskussion fachlicher Standards für die Gestaltung dieser Übergänge und verschiedener Fallbeispiele
HELGA HEUGEL, Jugendamt Stuttgart

Wann ist es Zeit? Verselbstständigung erwachsener Pflegekinder - Voraussetzungen, Rahmenbedingungen, Begleitung
ANGELIKA FISCHER-STIER, Jugendamt Mannheim

Der richtige Platz für das Kind? Das erste Jahr in der Verwandtenpflege: Überprüfung und Begleitung der Familie
URSEL GREDING, Jugendamt Recklinghausen

Vorzeitige Beendigung/Abbruch von Pflegeverhältnissen: Kriterien an und für Anschlusshilfen
Prof. Dr. KLAUS MÜNSTERMANN, Kinder- und Jugendhilfe tibb, Ibbenbüren

Gestaltung von Übergängen - Best Practice Arbeitsgruppen

Übergänge für Pflegekinder bis zum fünften Lebensjahr von Familiärer Bereitschaftsbetreuung (FBB) in eine geeignete Pflegefamilie gestalten
ANDREAS SAHNEN, Jugendamt Düsseldorf

Kooperation ASD und PKD - Konzeptionelle Grundlagen der derzeitigen Neuorganisation des PKD im Jugendamt der Stadt Köln
KLAUS-PETER VÖLLMECKE, Amt für Kinder, Jugend und Familie, Köln

Clearing - Welche Ressourcen gibt es im sozialen Nahraum und wie kann Bindungsqualität gewährleistet werden?
ALEXANDRA SZYLOWICKI, Pflege- und Patenkinder Fachdienst für Familien (PFIFF) gGmbH, Hamburg

Verliebt, verlobt... Verwandtenpflege. Wenn Übergänge anders als geplant verlaufen - Best-Practice-Beispiele aus der Verwandtenpflege in Bremen
SABINE SIMON, PiB Pflegekinder in Bremen

Vorbereitung von Pflegepersonenbewerber/innen: Interessentengewinnung und Eignungsfeststellung
ELKE WAGNER, Landesjugendamt Brandenburg, Bernau

Gestaltung von Übergängen aus Sicht der Fachkräfte
Was brauchen ...
- Professionelle Fachkräfte,
- Pflegekinder,
- Pflegefamilien,
- Herkunftsfamilien?
Dr. THOMAS MEYSEN, Deutsches Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) e.V., Heidelberg

Literaturhinweise

Weitere Informationen: