Aktuelle Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfe,

Netzwerk Kriminalprävention

Was kann Jugendhilfe leisten?

Inhalt

"Fort von der Reaktion hin zur Aktion" war eine der Schlußfolgerungen aus dieser inhaltlich sehr gehaltvollen arbeitsintensiven bundesweiten Fachtagung des Vereins für Kommunalwissenschaften e.V.

Die Aufgabe der Tagung bestand zum einen darin, selbstkritisch und kreativ der Frage nachzugehen, welcher neuen Arbeitsansätze und Strukturen es bedarf, um effektiver der wachsenden Jugendkriminalität entgegenzutreten. Zum anderen war zu diskutieren, in welcher Weise, unter welchen Voraussetzungen und in welchen Formen die Jugendhilfe mit anderen Institutionen kooperieren soll und kann: mit der Schule, der Justiz, der Polizei sowie mit gesellschaftlichen Kräften, die sich für diese Aufgabe engagieren. Damit griff die Tagung nicht nur sehr aktuelle Fragen auf, sie setzte sich auch mit dem spannungsgeladenen Verhältnis zwischen der Jugendhilfe und den Strafverfolgungsbehörden auseinander, um Wege zum Miteinander im Interesse der Kinder und Jugendlichen zu finden.

Bereits die Eingangsvorträge des Vorsitzenden der DVJJ und Hochschullehrers Prof. Dr. Sonnen, des Innenministers des Landes Schleswig-Holstein Dr. Wienholtz, des Kommunalpolitikers aus Frankfurt/Oder Patzelt und Prof. Dr. Spechts, Direktor im Diakonischen Werk der EKD, umrissen das Spektrum der Anforderungen, der Probleme, der Konflikte, aber auch der Chancen von Kooperation und Vernetzung zur Effektivierung der Kriminalprävention. Die Vorstellung von Arbeitsansätzen aus Städten und Landkreisen und die sachkundige Diskussion in den Arbeitsgruppen reicherten dieses Spektrum an.

So bietet diese Tagung einen reichhaltigen Fundus an Anregungen für die Praxis. Sie leistet einen Beitrag zur Übertretung traditioneller Grenzen zwischen den Institutionen, aber auch zwischen den Fachbereichen der Jugendämter. Sie entwickelt Vorschläge. Und sie provoziert die kritische Auseinandersetzung mit dem Gewohnten und Üblichen.

Ein besonderes Gewicht erlangte während der Tagung die Diskussion der gemeinwesenorientierten sozialräumlich gestalteten Kriminalprävention und deren Konsequenzen für die Arbeitsweise der Jugendhilfe. Hier eröffnet sich ein Weg zu qualitativ neuen Wirkungsmöglichkeiten der Jugendhilfe und zur Bündelung der institutionellen und gesellschaftlichen Kräfte mit dem Ziel der Prävention von Jugendkriminalität.

Mit der Dokumentation wird diese äußerst interessante, facettenreiche und praxisbezogene Tagung einem großen Interessentenkreis zugänglich gemacht. Sie gibt wertvolle Anregungen für die Leitung des Jugendamtes, für die Jugendhilfeplanung, für die Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Jugendgerichtshilfe. Aber auch Schule, Polizei, Justiz können hieraus wichtige Hinweise auf die Arbeitsweise der Jugendhilfe entnehmen, die Verständnis fördern und Kooperation erleichtern.

Die Tagungsdokumentation wird durch ein aktuelles Literaturverzeichnis zum Thema ergänzt.

Aus dem Inhalt:

  • Einführung in das Tagungsthema:

    Entwicklungen in der Kinder- und Jugendkriminalität - Anforderungen an die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Justiz

    Prof. Dr. jur. Bernd-Rüdeger Sonnen,Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfe (DVJJ); Hochschullehrer für Kriminologie und Strafrecht an der Universität Hamburg
  • Jugendkriminalprävention - Herausforderung an die Zusammenarbeit von Jugendhilfe, Schule und Polizei

    Dr. Ekkehard Wienholtz, Innenminister des Landes Schleswig-Holstein, Kiel
  • Jugendkriminalprävention - Anforderungen an Fachlichkeit und an Zusammenarbeit in der Jugendhilfe

    Martin Patzelt, Beigeordneter, Sozial- und Kulturverwaltung der Stadt Frankfurt/Oder

    Prof. Dr. Walther Specht, Direktor der Abteilung Jugend- und Sozialhilfe, Diakonisches Werk der EKD e.V., Stuttgart
  • Arbeitsgruppe 1: Prävention als Querschnittsaufgabe im Jugendamt

    Moderation: Dr. Gerd Mager, Jugendamtsdirektor, Berlin-Spandau;

    Einführender Praxisbericht: Rudolf Förster, Leiter des Jugendamtes der Stadt Magdeburg
  • Arbeitsgruppe 2: Gefährdungspotentiale und sozialräumliche

    Jugendkriminalprävention - Anforderungen an Kooperation und Vernetzung
    • Moderation Großstädte: Wolfgang Schichterich, Freier Supervisor, Berlin;

      Einführender Praxisbericht: Viktor Fughe, Leiter des Jugendamtes der Stadt Hannover
    • Moderation mittlere Städte: Rita Jahn, Jugendamtsdirektorin, Berlin-Mahrzahn;

      Einführender Praxisbericht: Peter Böhme, Jugendhilfeplaner im Jugendamt der Stadt Potsdam, Renate Michael, Jugendbeauftragte beim Polizeipräsidium Potsdam
    • Moderation Landkreise: Bernd Holthusen, Deutsches Jugendinstitut, München;

      Einführender Praxisbericht: Reinhard Mach, Dezernent für Jugend, Soziales und Sport im Landkreis Ludwigslust; Vorsitzender des Kriminalpräventiven Rates
  • Arbeitsgruppe 3: Prävention durch Intervention bei straffälligen Jugendlichen

    Moderation: Heinz Wolfframm, Jugendhilfeplaner im Jugendamt Berlin-Charlottenburg;

    Einführender Praxisbericht: Monika Jetter-Schröder, Abteilungsleiterin Jugendgerichtshilfe im Jugendamt der Stadt Mannheim;

    Experten: Andrea Bartl, Richterin am Amtsgericht Tiergarten von Berlin, Thomas Hirsch, Staatsanwalt am Amtsgericht Tiergarten von Berlin
Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe (AGFJ) (Hrsg.)

Aktuelle Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfe, Bd. 15, 1998, deutsch, 198 S., Deutsches Institut für Urbanistik 1998

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