Forschungsverbund „Stadt 2030“

Bereich 
Stadtentwicklung, Recht und Soziales
Bearbeiter 
Jahresbericht 
2006
Status 
abgeschlossen
Themenfelder 
Laufzeit 
2001 bis 2005

Im Forschungsverbund „Stadt 2030“, gestartet im Jahr 2000, sollten Stadtforschung und Stadtpolitik über unmittelbare Tagesprobleme hinaus zur Entwicklung langfristiger Perspektiven angeregt werden. Die Ergebnisse der Projekte und der Difu-Begleitforschung wurden in der fünfteiligen Publikationsreihe „Zukunft von Stadt und Region – Beiträge zum Forschungsverbund ‚Stadt 2030’“ vom Difu herausgegeben und im VS Verlag für Sozialwissenschaften publiziert.

2005 wurden bereits die ersten Forschungsergebnisse in den Themenbänden „Integration und Ausgrenzung in der Stadtgesellschaft“ (Band I) und „Perspektiven der Regionalisierung“ (Band II) veröffentlicht. 2006 erschienen weitere Ergebnisse in den Bänden III und IV, zum Jahresbeginn 2007 schließlich auch im fünften und letzten Band. Damit ist dieses anspruchsvolle Forschungsunternehmen abgeschlossen.

Zeiten eines forcierten Wandels lösen Identitätsfragen aus, auch bei Städten und Regionen. In den Projekten wurde das Typische der Stadt zu bestimmen gesucht, auf das die Stadtentwicklung ausgerichtet werden kann und das in der wachsenden Städtekonkurrenz Erfolg verspricht. Um diese „Dimensionen städtischer Identität“ ging es daher in den Beiträgen der Städteprojekte und Difu-Begleitforschung in Band III. Als weitere wichtige Thematik wurden die künftigen „Chancen lokaler Demokratie“ identifiziert. Die tradierten Formen der Bürgerbeteiligung und der repräsentativen Demokratie werden zunehmend als unzureichend empfunden, gilt es doch dem Anspruch bürgernaher lokaler Politik gerecht zu werden. Verstärkt wird nach Ergänzungen zu den formalisierten Verfahren der Willensbildung gesucht. Diesem Thema widmete sich Band IV. Anschließend wurden die „Strategien und Verfahren für Forschung und Politik“ unter die Lupe genommen – in einer Analyse seitens der Begleitforschung. Die Ziele, innovativen Konzepte und Visionen werden herausgearbeitet und vergleichend interpretiert. Die Ergebnisse erscheinen 2007 in Band V.

Zentrale Bedeutung kommt, so eines der Ergebnisse, der Kooperation als Zukunftsstrategie zu. Auf traditionelle „Großutopien“ wie die „funktionalistische oder Industriestadt“ wird ebenso verzichtet wie auf technische Visionen, etwa die „umweltgerechte Stadt“ oder auf Raumutopien wie die „verdichtete Stadt“. Jede dieser Utopien verlangt uneingeschränkte Planungsmacht. Von einer solchen „Hybris“ ist gegenwärtiges Zukunftsdenken – so darf man nach „Stadt 2030“ feststellen – weitgehend frei. Kooperative Stadtentwicklung als Zukunftsstrategie rechnet mit begrenzter Macht, mit Heterogenität, Pluralität und einer Vielfalt der Akteure. Entsprechend den Bedingungen des kulturellen Wandels verliert auch im Forschungsverbund „Stadt 2030“ instrumentelle Rationalität ihre Dominanz gegenüber einer Wertrationalität, die sich in Kooperations- und Diskursverfahren sowie einem „kommunikativen Handeln“ entfaltet. Dies ist letzten Endes die durchaus überzeugende „Botschaft“ aus dem Forschungsvorhaben, auch wenn damit die in politischer und medialer Öffentlichkeit gestellte Frage, wie denn die Stadt im Jahr 2030 aussehen werde, nur mit wenig spektakulären Modifikationen des Bestehenden beantwortet wird.

Involvierte Städte: 21 Projektverbünde in 33 Städten, in Kooperation mit rund 50 wissenschaftlichen Einrichtungen.

Weiterführende Informationen: 
  • „Zukunft von Stadt und Region – Beiträge zum Forschungsverbund ‚Stadt 2030’“, herausgegeben vom Difu und publiziert im VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden:
  • Band III: „Dimensionen städtischer Identität“
  • Band IV: „Chancen lokaler Demokratie“