Printexemplare bestellen

Warenkorb

Kontakt für Fragen zur Bestellung von Publikationen:

Heidi Espei
Tel.: +49 30 39001-253
Fax: +49 30 39001-275
E-Mail: vertrieb@difu.de

Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH
Vertrieb
Zimmerstraße 13-15
10969 Berlin

eBooks bestellen

Difu-Berichte 2/2014 - Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum

Expertise „Instrumente zur Erhaltung und Schaffung von Umweltgerechtigkeit“

Umweltbelastungen und Umweltressourcen sind in Deutschland sozial und räumlich ungleich verteilt. Vor allem in städtischen Gebieten mit einem starken Verkehrsaufkommen sind die gesundheitlichen Belastungen durch Umwelteinflüsse besonders hoch. Darüber hinaus konzentrieren sich in diesen Wohnquartieren häufig auch soziale Problemlagen. In Deutschland sind dadurch bestimmte Quartiere und deren Bewohnerschaft mehrfach belastet: durch Umweltprobleme und soziale Benachteiligungen. Die Vermeidung und die Minderung gesundheitsrelevanter Umweltbelastungen in diesen städtischen Gebieten sind ein wesentliches Ziel von Umweltgerechtigkeit.

Cover Publikation
Veröffentlichung online:
http://edoc.difu.de/
edoc.php?id=AR20619P

Seit Januar 2012 führt das Difu vor diesem Hintergrund das vom Umweltbundesamt aus Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit geförderte Forschungsprojekt „Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum“ durch. Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung von Strategien und praxistauglichen Instrumenten, um auf kommunaler Ebene der ungleichen sozialräumlichen Verteilung von gesundheitlichen Umweltbelastungen und Risiken sowie von Umweltressourcen entgegenzuwirken.

Ein Teilergebnis dieses Projekts ist die Expertise, in der verschiedene Instrumente auf ihre Eignung geprüft werden, auf kommunaler Ebene der ungleichen sozialräumlichen Verteilung von gesundheitlichen Umweltbelastungen und Risiken sowie von Umweltressourcen entgegenzuwirken. Dabei geht es um planungs- und ordnungsrechtliche Instrumente, informelle Planungsinstrumente, organisatorische und kooperative, informatorische und partizipative Instrumente sowie Finanzierungsinstrumente.

Über die einzelnen Instrumentenbereiche hinweg stellt sich dabei heraus, dass die Instrumente in Abhängigkeit von der primär verfolgten Aufgabe spezifische Potenziale zur Verbesserung der Umweltgerechtigkeit aufweisen. Jedes Instrument kann auf seine besondere Weise zu mehr Umweltgerechtigkeit beitragen. Umgekehrt ist keines der untersuchten Instrumente für sich genommen allein in der Lage, Umweltgerechtigkeit zu bewirken. Eine auf die Schaffung von mehr Umweltgerechtigkeit gerichtete Strategie erfordert ein Bündel unterschiedlicher Instrumente, die je nach Ausgangslage variabel und aufeinander abgestimmt zum Einsatz gebracht werden. Wichtig ist dabei, die Instrumente nicht isoliert zu betrachten, sondern in ihrer Wechselwirkung zueinander.

Darüber hinaus erfordert die für eine Strategie zu mehr Umweltgerechtigkeit erforderliche Erfassung aller relevanten Ziele und Maßnahmen ein integratives Planungsinstrument. Geeignet hierfür sind insbesondere integrierte Stadtentwicklungskonzepte, die im Bereich der Stadterneuerung, des Stadtumbaus und in Gebieten der Sozialen Stadt vorgeschrieben sind, aber als informelle Planwerke ebenso für andere Gebiete erstellt werden können. Auch die Bauleitplanung als räumliche Gesamtplanung ist auf Integration angelegt. Da sozialräumliche Aspekte und soziale Lagen im Rahmen der umweltrechtlichen Instrumente nicht berücksichtigt werden, ist deren Integration und Zusammenführung in der räumlichen Gesamtplanung nötig.

Schließlich hat sich über alle Instrumentenbereiche hinweg herausgestellt, dass für eine erfolgreiche Strategie zu mehr Umweltgerechtigkeit zwei Schlüsselfragen von herausragender Bedeutung sind: Zum einen ist das die Frage nach der politischen Opportunität. Viele der genannten Instrumente können ihre Wirksamkeit in Bezug auf die Ziele der Umweltgerechtigkeit nur dann entfalten, wenn die in den Kommunen zuständigen politischen Entscheidungsorgane die mit ihnen verfolgten Zielsetzungen unterstützen. Das politische „Wollen“ ist Grundvoraussetzung für mehr Umweltgerechtigkeit. Es muss also um Information und um eine überzeugende Gestaltung kommunalpolitischer Willensbildungsprozesse gehen. Zum anderen stellt sich die Finanzierung von Maßnahmen zur Verbesserung der gesundheitsrelevanten Umweltbedingungen generell als große Herausforderung dar. Die in vielen Kommunen anzutreffenden strukturellen Haushaltsprobleme wirken sich damit als gravierendes Hemmnis aus. Umso wichtiger ist die nachhaltige und gezielte Gestaltung finanzieller Anreize für mehr Umweltgerechtigkeit durch Förderprogramme des Bundes, der Länder und der EU.

Weitere Informationen: 

Dipl.-Ing. Christa Böhme
Telefon: 030/39001-291
E-Mail: boehme@difu.de

Dr. Arno Bunzel
Telefon: 030/39001-238
E-Mail: bunzel@difu.de

[zurück | Übersicht | vor]