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Difu-Berichte 4/2007 - Quartiermanagement Berlin: Migranten mischen im Kiez zunehmend mit

Migranten mischen im Kiez zunehmend mit

In den letzten Jahren haben sich die Bewohner der Berliner Quartiere zunehmend und in vielfältiger Form für ihren Kiez engagiert. Ergebnisse eines von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beauftragten aktuellen Gutachtens des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) belegen nun auch das steigende Engagement der Migranten für ihren Kiez.

Seit 2001 unterstützt der Berliner Senat die Aktivitäten durch besondere Maßnahmen für eine Verstetigung und Optimierung des Programms „Soziale Stadt“. Hierdurch konnten die Beteiligungsmöglichkeiten und Mitentscheidungsbefugnisse der Bewohner gefördert werden. So wurde das Verfahren der „Quartiersjury“ eingeführt und – bestärkt durch die ersten Erfolge – ab 2005 in allen Gebieten ein Quartiersbeirat eingesetzt, der unter hoher Bewohnerbeteiligung entstand. Dieses zentrale Gremium diskutiert gemeinsam mit der Verwaltung und dem Quartiermanagement vor Ort Entwicklungsmöglichkeiten für die Quartiere. Auf diesem Wege können beispielsweise auch Entscheidungen über Projektförderungen und damit über den Einsatz der Mittel gemeinsam gefällt werden.

Bislang war nicht bekannt, ob auch Migranten in diese Verfahren erfolgreich eingebunden sind. Dieser Frage wurde daher im Rahmen des Difu-Gutachtens in zwölf Berliner Quartiermanagement-Gebieten nachgegangen. Alle Gebiete betreiben seit Beginn des Bundesprogramms „Soziale Stadt“ im Jahr 1999 Quartiermanagement. Und in allen Gebieten weist die Bevölkerungszusammensetzung einen hohen Anteil nichtdeutscher Bewohner auf. In drei der untersuchten Gebiete bilden Personen ohne deutschen Pass einen Bevölkerungsanteil von über 40 Prozent. Untersucht wurden vor allem Strukturen, Verfahren und Prozesse der Beteiligung.

Die Difu-Untersuchung belegt, dass die Beteiligung und Aktivierung – auch der Bevölkerung mit Migrationshintergrund – ein Kernbestandteil der Arbeit aller Quartiermanagement-Teams ist und hinsichtlich der Vielfalt der Aktivitäten wie auch der Beteiligungsquote als erfolgreich zu bewerten ist. Zugleich lassen die Studien-Ergebnisse die Schlussfolgerung zu, dass auf Senats-, Bezirks- und Quartierebene auch noch viel getan werden kann, um die erfolgreiche Arbeit weiter zu optimieren und vor allem nachhaltig zu sichern. Dieses „Tun“ kann verschiedene Formen haben: zum Beispiel die Bereitstellung von zusätzlichen finanziellen und personellen Ressourcen, die Auslobung von Modellvorhaben – z.B. zur Förderung der Zusammenarbeit mit Moscheevereinen, die politische Rückendeckung und Federführung beim Aufbau von Kooperationen mit Bildungseinrichtungen sowie die Weiterentwicklung kleinräumiger und zielgruppenspezifischer Beteiligungsmöglichkeiten. Die Abstimmung lokaler Integrationskonzepte wurde in diesem Zusammenhang von den Gutachtern als besonders zielführend erachtet.

Die untersuchten Quartiere in Berlin

Die Studienergebnisse Teilnahme an formalen Beteiligungsstrukturen/Gremienarbeit (Quartiersbeirat (QR) und Vergabebeirat Aktionsfonds)

  • Migranten sind in allen Quartiersbeiräten deutlich vertreten. Dies ist als großer Erfolg der beteiligenden Quartiersarbeit zu werten. Der Migrantenanteil im Quartiersbeirat von durchschnittlich 24 Prozent entspricht allerdings nicht ihrem prozentualen Bevölkerungsanteil in den Quartieren, der deutlich darüber liegt.

Integrationsfördernde Kooperationen

  • Beteiligung und Aktivierung der Quartiersbevölkerung mit Migrationshintergrund können insbesondere durch lokale Kooperationen und quartiersbezogene Netzwerke gefördert werden. Für die meisten Quartiermanagement-Teams stellt insbesondere der Auf- und Ausbau von Kooperationsbeziehungen mit Moscheevereinen eine zukünftige Herausforderung dar.

Öffentlichkeitsarbeit

  • Die Vernetzung des Quartiermanagements mit lokalen Akteuren – insbesondere mit Bildungseinrichtungen und Migrantenvereinen – bilden einen wesentlichen Schlüssel zu einer erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit. Im Umgang mit Negativschlagzeilen und der Stigmatisierung von Quartieren ist die quartiersübergreifende Zusammenarbeit der QM-Teams noch ausbaufähig.

QM-Büro Pankstraße, Berlin-Wedding Foto: Heike Hanhörster

Sprachkursangebot im QM-Büro Foto: Heike Hanhörster

Strategische Ausrichtung der beteiligenden und aktivierenden Arbeit

  • Zwar sind Beteiligung und Aktivierung Kernbestand der Arbeit aller QM-Teams, doch wird die übergreifende strategische Ausrichtung der aktivierenden und beteiligenden Arbeit bisher nur unzureichend vorgenommen. Strategische Zielsetzungen für Aktivierung und Beteiligung, darauf aufbauende Prioritätensetzung, insbesondere innerhalb des Arbeitsfeldes der Beteiligung und Aktivierung von Migranten, sowie ein darin mündendes Umsetzungskonzept sind nur vereinzelt vorhanden.

Personelle Struktur der Vor-Ort-Büros

  • Der erfolgreiche Aufbau und die Sicherstellung tragfähiger Netzwerke und Arbeitsbeziehungen zur Bevölkerung im Quartier erfordern die Absicherung personeller Ressourcen und den Einsatz kontinuierlicher Ansprechpartner. Der Einsatz von Personen mit Migrationshintergrund in den Teams ist ein wichtiges Signal, das sich positiv auf die Erreichbarkeit der Bewohner mit Migrationshintergrund auswirkt. Elf der zwölf untersuchten Quartiermanagementgebiete verfügen mittlerweile über Quartiermanager mit Migrationshintergrund. Dieser personelle Einsatz trägt deutlich zur erfolgreichen Aktivierung und Beteiligung von Migranten bei. Die Einbindung ehrenamtlicher Helfer in die Arbeit einiger QMs ist positiv zu bewerten. Hierfür sollten künftig Formen einer verstärkten (symbolischen) Anerkennung des Ehrenamts gefunden werden.
Weitere Informationen: 

Dr. rer. soc. Bettina Reimann
Telefon: 030/39001-191
E-Mail:
reimann@difu.de

Dr. Peter Fleischmann
Telefon: 030/9012-5021
E-Mail:
peter.fleischmann@senstadt.verwalt-berlin.de

Der Bericht liegt als PDF-Datei im Internet vor: „Evaluierung der Partizipation im Rahmen der Berliner Quartiersverfahren unter besonderer Berücksichtigung der Aktivierung von Berlinerinnen und Berlinern mit migrantischer Herkunft“ Autorinnen: Heike Hanhörster und Bettina Reimann, Juli 2007.

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