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Difu-Berichte 1/2003 - Online-Shopping und Stadtentwicklung

Das Difu-Forschungsprojekt "Online-Shopping und -Dienstleistungen ­ kommunale Handlungsspielräume", das zusammen mit 21 Städten durchgeführt wurde, fand nun mit einer öffentlichen Fachveranstaltung in München seinen Abschluss. In zwei zusammenfassenden Veröffentlichungen sind die Ergebnisse des Forschungsprojekts dokumentiert. Ziel des Vorhabens war es, zur Systematisierung und Versachlichung der im Jahr 2000 ausgehend von vagen Hoffnungen und Befürchtungen eher emotional geführten Debatte um die Auswirkungen eines um sich greifenden Online-Handels beizutragen. Vor allem ging es um die Analyse und Bewertung der sich aus dem Online-Handel ergebenden unterschiedlichen Herausforderungen für die Stadtentwicklung und kommunale Wirtschaftspolitik. Außerdem sollten kommunale Handlungsmöglichkeiten zur Steuerung und Mitgestaltung der erwarteten Entwicklungen aufgezeigt werden.

Zusammenfassende Thesen

Wesentliche Ergebnisse wurden im "Positionspapier", das zur abschließenden Tagung vorgelegt wurde, in Thesenform wiedergegeben:

Rahmenbedingungen und Ziele

  • Der Umsatzanteil von Online-Shopping und -Dienstleistungen ist selbst in internet-affinen Branchen (Bücher, CDs, Reisen usw.) bisher noch gering. Auswirkungen auf den stationären Einzelhandel sind bislang kaum spürbar. Sicher ist jedoch, dass der Marktanteil von Online-Shopping weiter steigen wird. Damit gewinnt das Thema als städtisches Handlungsfeld an Bedeutung.
  • Exakte Prognosen der zu erwartenden Auswirkungen von Online-Shopping und -Dienstleistungen sind derzeit nicht seriös zu erstellen. Die qualitative Fortschreibung bestimmter Trends gibt jedoch genügend Anhaltspunkte für die zukunftsgerichtete Planung. Zu den Trends zählt insbesondere die Verstärkung von Konzentrations- und Umstrukturierungsprozessen in Einzelhandel und Dienstleistungen. Diese wird sich ­ ohne Gegensteuerung ­ langfristig im städtischen Leben empfindlich bemerkbar machen: durch weitere Gefährdungen der Versorgungsstrukturen in den Stadtteilzentren, negative Beschäftigungseffekte in den betroffenen Branchen, sinkende kommunale Steuereinnahmen und steigenden Lieferverkehr.
  • Die Entwicklungen im Zusammenhang mit Online-Shopping und -Dienstleistungen bieten den Kommunen auch Chancen. Nutzenpotenziale bestehen etwa in der ökonomischen Stärkung durch neue Branchen, der besseren Internet-Teilhabe gesellschaftlicher Gruppen über die Vermittlung von Kompetenzen, der möglichen Reduzierung von Emissionen und im besseren Ressourceneinsatz sowie in der Schaffung neuer Qualitäten auch des materiellen Raumes und der Rückbesinnung auf den Nahraum über die virtuellen Angebote.
  • Die Kommunen haben ein starkes Interesse, den potenziellen Nutzen der Neuen Medien zur Erreichung ihrer übergeordneten Entwicklungsziele auszuschöpfen. Gleichzeitig verpflichtet sie die Orientierung am Gemeinwohl, eine ausgewogene Balance zwischen Belastungen und Nutzen für bestimmte Gruppen herzustellen. In diesem Sinne gilt es, zusammen mit den wichtigen Akteuren vor Ort, offensiv und vorausdenkend Strategien für die Zukunft zu entwickeln und bei Bedarf geeignete Maßnahmen umzusetzen.

Anforderungen an Handlungskonzepte

  • Erfolge können nur erzielt werden, wenn entsprechende lokale und regionale Akteursnetzwerke aufgebaut oder thematisch ausgeweitet werden (z. B. im Stadtmarketing). Alle Beteiligten sind aufgefordert, mehr Verantwortung als bisher zu übernehmen und über ein gemeinsames Handlungskonzept hinaus verbindliche Verfahrensregeln, Verantwortlichkeiten und Finanzierungslösungen für ihre Arbeit zu entwickeln.
  • Um effektiv handeln zu können, muss "Online-Shopping und -Dienstleistungen" als Querschnittsthema in kommunalen Politiken berücksichtigt werden. Grundsätzliche Entscheidungen über Prioritäten, Personal- und Sachmittel, Rollen und Organisationsstrukturen, Qualitätsmerkmale und Zeitplanungen müssen von den kommunalen Entscheidungsträgern gefällt werden.
  • Strategien im Bereich Online-Shopping und -Dienstleistungen sollten sich an Leitlinien und Konzepten der Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung und Verkehrsentwicklungsplanung orientieren. Vorhandene Instrumente und Konzepte sind darauf hin zu prüfen, ob sie um Aspekte von Online-Shopping und -Dienstleistungen erweitert werden müssen. Zusätzliche Instrumente, Regeln und Qualitätsansprüche für die "virtuelle Kommune" (z. B. Verbraucherschutz, Qualitätsanforderungen an virtuelle Marktplätze, Gestaltungsrichtlinien) sind gegebenenfalls abzuleiten.

Strategiefelder

  • Sicherung der Zentren- und Versorgungsstrukturen: Orts- und Stadtteilzentren sowie "schwache" Innenstädte sind durch Online-Shopping und -Dienstleistungen vergleichsweise stark betroffen, vor allem bei überdurchschnittlich hohem Anteil an internetaffinen Branchen und Produkten. Auch weisen sie aus sich heraus nur eine geringe Stabilität auf. Mit klassischen Maßnahmenbündeln der angepassten Zentrenförderung, aber auch durch die Nutzung lokaler Portale und Marktplätze oder die Einrichtung von Zugangs- und Lernorten (Internetzugänge, Räume, Mentoren) lässt sich einer weiteren Schwächung integrierter Standorte entgegenwirken. Zusätzliche Qualitäten der Versorgung lassen sich mit Hilfe des Internet schaffen. Dies greift allerdings nur bei einer flankierenden Steuerung des großflächigen Einzelhandels.
  • Kompetenzförderung und Sensibilisierung: Kleine und mittlere lokale Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe müssen Kompetenzen im Zusammenhang mit den Möglichkeiten des Internet entwickeln. Neben der kommunalen Wirtschaftsförderung sind hier vor allem IHKs, HWKs, Einzelhandelsverbände und Initiativen (z. B. Werbegemeinschaften) angesprochen. Der Erfolg solcher Bemühungen wird letztlich stark vom Engagement der Betriebe selbst abhängen.
  • Ansiedlung von Unternehmen der neuen Wertschöpfungsketten: Am wachsenden Segment Online-Shopping und -Dienstleistungen sind neben den bestehenden Handels- und Dienstleistungsbetrieben neue Dienstleister beteiligt (Software, Logistik, Services usw.). In Abhängigkeit von den vorhandenen lokalen Potenzialen gilt es, Ansiedlungsstrategien und Standortkonzepte für solche Unternehmen zu entwickeln.
  • Beobachtung der Entwicklungen im Wirtschaftsverkehr und Ausweisung von Logistikflächen: Zwar werden in Wirtschaft und Forschung viele Konzepte zur Milderung der befürchteten zusätzlichen Lieferverkehrsprobleme diskutiert und entwickelt (Pick-up-Points, Warenbündelungssysteme usw.), jedoch ist dies derzeit noch kein akutes kommunales Handlungsfeld. Die vorhandenen großen und ungelösten Probleme im Wirtschaftsverkehr werden sich durch Online-Shopping und -Dienstleistungen weder qualitativ noch quantitativ erheblich verändern. Zudem werden die kommunalen Einflussmöglichkeiten als gering erachtet. Ausnahme ist eine gezielte Flächenpolitik ­ etwa durch Ausweisungen an ÖPNV-Knotenpunkten und stadtverträglichen Standorten ­ sofern neue Flächen gefragt sind.
  • Förderung lokaler und regionaler virtueller Marktplätze: Hier sollten sich die Kommunen auf die Initiierung und Koordination von Aktivitäten konzentrieren ­ soweit nicht bereits andere Akteure im gewünschten Maß aktiv sind. In diesem Falle gilt es, Einfluss darauf zu nehmen, dass die Portale im kommunalen Interesse ausgestattet und betrieben werden.
  • Bund, Länder und EU sind aufgefordert, die Kommunen und lokalen Akteure zu unterstützen: Es bedarf der Weiterentwicklung und Vereinheitlichung rechtlicher Grundlagen (z. B. beim elektronischen Geschäftsverkehr, bei elektronischen Signaturen), fortgesetzter Kompetenzförderung für kleine und mittlere Unternehmen, der Technologie- und Gründungsförderung relevanter Branchen, weiterer Unterstützung der kommunalen Bemühungen um Zentrenstärkung und schließlich auch der Förderung von Modellprojekten.

Anteil der online erworbenen Produkte und Dienstleistungen innerhalb eines Monats im Jahr 2002

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Eigene Zusammenstellung nach: Taylor Nelson Sofres Interactive (TNS Interactive), Global eCommerce Report 2002, Folien 123-129 und Ulrich Riehm u. a., TA-Projekt E-Commerce - Endbericht, Arbeitsbericht Nr. 78 des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag, Juni 2002, S. 192 (Online-Umsatz Buchhandel)

Zum Projekt

Das stark diskursorientierte Projekt entstand Mitte 2000 auf Initiative der Fachkommission Stadtentwicklungsplanung des Deutschen Städtetages. Beteiligt daran ­ auch finanziell ­ waren kommunale Akteure aus insgesamt 21 Städten und Regionen:

Basel, Berlin, Bonn, Braunschweig, Bremen, Essen, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Leverkusen, Lörrach, Mannheim, München, Nürnberg, Osnabrück, Solingen, Stuttgart, Städtenetz Quadriga (Trier), Wien.

Insbesondere drei Fragenkomplexe standen im Mittelpunkt:

  • Welche Auswirkungen auf die Städte und Regionen sind in diesem Sektor zu erwarten?
  • Welche Optionen haben Kommunen, die Entwicklung dieses Sektors in ihrem Sinne und im Sinne der lokalen Wirtschaft zu nutzen und unerwünschte Entwicklungen zu verhindern oder abzumildern?
  • Welche Partner benötigen sie, um Strategien in diesem Bereich umzusetzen?

In einer Werkstattreihe (fünf aufeinander aufbauende Werkstätten von April 2001 bis September 2002) sowie zur abschließenden öffentlichen Veranstaltung in München im Januar 2003 kamen Vertreter der genannten Städte und Regionen, das Projektteam des Difu sowie externe Referenten aus Wissenschaft und Praxis zusammen, um die potenziellen Auswirkungen von Online-Shopping und -Dienstleistungen systematisch zu diskutieren und herauszufinden, ob es notwendig und wie es möglich ist, die Chancen des globalen Netzes lokal zu nutzen bzw. die damit verbundenen Risiken abzufedern. Diese Veröffentlichungen fassen komprimiert die wichtigsten Ergebnisse des Projekts zusammen.

Ausführlich finden sich die Ergebnisse des Projekts, Zusammenfassungen der Diskussionen, Referate und Praxisbeispiele sowie weiterführende Literatur in fünf Werkstattberichten und dem zusammenfassenden Positionspapier:

  • Luise Adrian und Christine Siegfried (Hrsg.), Einkaufen mit oder im Netz? Trends und Akteure im Online-Shopping und bei Online-Dienstleistungen, Berlin 2001 (Difu-Materialien 5/2001).
  • Busso Grabow (Hrsg.), Ökonomie im (Schlepp-)Netz? Online-Shopping und -Dienstleistungen ­ Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft, Möglichkeiten und Konzepte zu ihrer Unterstützung, Berlin 2002 (Difu-Materialien 1/2002).
  • Luise Adrian (Hrsg.), Stadt auf Draht. E-Shopping und Stadtentwicklung: Auswirkungen, Konzepte, Strategien, Berlin 2002 (Difu-Materialien 7/2002).
  • Holger Floeting (Hrsg.), Shops oder Flops? Virtuelle lokale und regionale Marktplätze, Berlin 2003 (Difu-Materialien 1/2003)
  • Deutsches Institut (Hrsg.), "Online-Shopping und -Dienstleistungen ­ Positionen und Strategien", Berlin 2003 (Aktuelle Information, Januar 2003)
  • Busso Grabow (Hrsg.), Online-Shopping und Stadtentwicklung ­ Trends, Auswirkungen und Strategien, Berlin 2003 (Difu-Materialien 6/2003)

Auswirkungen von Online-Shopping und Dienstleistungen auf die Stadtentwicklung

Das Positionspapier

Die in der Aktuellen Information "Online- Shopping und -Dienstleistungen ­ Positionen und Strategien" zusammengefassten Überlegungen dienen als Grundlage für strategische Überlegungen in der kommunalen Arbeit, als Diskussionsgrundlage für den Dialog zwischen lokalen Akteuren sowie allgemein dem Informations- und Wissenstransfer. Dementsprechend richtet sich das Positionspapier an öffentliche Akteure (kommunale Politik und Verwaltung, Länder, Bund), an Kammern, Vereine und Verbände (zum Beispiel Industrie- und Handelskammern, Einzelhandelsverbände usw.), an Unternehmen der lokalen Wirtschaft, darunter insbesondere an die Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe, sowie generell an die interessierte Öffentlichkeit.

Der Abschlussbericht

Im Materialienband "Online-Shopping und Stadtentwicklung ­ Trends, Auswirkungen und Strategien" sind die Ergebnisse des Projekts ­ der Werkstätten und der Abschlussveranstaltung ­ zusammengefasst. Beiträge der vorausgegangen Veröffentlichungen werden hier nochmals komprimiert wiedergegeben. In drei Grundsatzbeiträgen zu Abgrenzungen, Wechselwirkungen und Trends, den Auswirkungen von Online-Shopping und -Dienstleistungen auf die Wirtschaft, Stadt- und Raumentwicklung und zu den strategischen Handlungsoptionen, die sich für die Kommunen stellen, werden die drei "thematischen Säulen" des Projekts ausgeführt. Es folgen zusammengefasst die Ergebnisse der vier ersten Werkstätten und die "Essenz" der abschließenden Veranstaltung. Übersichten zur einschlägigen Literatur und relevante Links runden den Band ab.

Weitere Verweise auf diesen Beitrag: