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Difu-Berichte 2/2000 - Stadt 2030 Ideenwettbewerb


Ideenwettbewerb

 

 

 


Dr. Rainer Jansen (BMBF),
Dr. Stephan Articus (DST),
Dieter Geffers
(Senatsverwaltung für 
Stadtentwicklung, Berlin),
Professor Dr. Heinrich Mäding
(Difu)
sprachen im Rahmen 
der Eröffnungsveranstaltung
im Berliner Ernst–Reuter–Haus

 

    

Am 10. April 2000 startete im Berliner Ernst-Reuter-Haus der Ideenwettbewerb "Stadt 2030". Rund 160 Gäste waren der Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefolgt, sich über Intention, Ziel und Verfahren des Wettbewerbs "Stadt 2030" zu informieren. Die Teilnehmer kamen annähernd zu gleichen Teilen aus Kommunen sowie wissenschaftlichen Institutionen und Beratungseinrichtungen.

Die vom Difu organisatorisch und inhaltlich vorbereitete Veranstaltung gliederte sich in zwei Teile. Zunächst präsentierten Dr. Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Dr. Rainer Jansen, Referatsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie Dieter Geffers von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ihre Sichten auf aktuelle und drängende Probleme der Stadtentwicklung der kommenden Jahre und Jahrzehnte. In einem umfangreichen Grundsatzreferat formulierte anschließend Prof. Dr. Heinrich Mäding, Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, den Forschungs- und Entwicklungsbedarf der deutschen Städte für die kommenden Jahre. Im zweiten Tagungsteil erhielten die Teilnehmer in drei parallelen Arbeitsgruppen und einem Abschlussplenum die Gelegenheit, inhaltliche und organisatorische Bedingungen für die Bearbeitung von Beiträgen im Detail und aus der jeweiligen Sicht ihrer Stadt oder ihrer wissenschaftlichen Einrichtung zu klären.

Die Referenten waren sich darüber einig, dass es bei aller Problematik weit vorausgreifender Prognosen sinnvoll und notwendig sei, Vorstellungen und Bilder der zukünftigen Stadt zu entwickeln, weniger, um diese Bilder direkt zu realisieren, als vielmehr, um einen Informations- und Forschungsbedarf zu definieren, der zum Erreichen wünschenswerter Zustände und Entwicklungen umgesetzt werden muss. Als "Forschung für die Förderung heute für eine zielgenaue Förderung für die Forschung morgen" bezeichnete Prof. Dr. Mäding die Intention des Wettbewerbs "Stadt 2030". Dass diese weiten Vorgriffe auf ein Morgen der geschickten und intelligenten Abwägung von wünschenswerter Zukunftsvision und illusionsfreier Einschätzung einer Realisierbarkeit bedürfen, erschien allen Referenten eine begrüßenswerte Herausforderung, die mit dem Wettbewerb verbunden ist.

Neben inhaltlichen Akzentsetzungen war auch ein großer Konsens über die Notwendigkeit transdisziplinärer Ansätze erkennbar, wie sie der Wettbewerb fordert, und vor allem über eine enge Verflechtung von Wissenschaft und Praxis, die über gängige Verfahren der Auftragsvergabe von Seiten öffentlicher Träger an private Beratungs- oder wissenschaftliche Forschungseinrichtungen deutlich hinausgehen muss. Während den Wettbewerbsteilnehmern bei allen anderen Anforderungen große Spielräume gewährt werden, ist die Bedingung der engen Partnerschaft zwischen Kommune und Beratungs- oder Forschungseinrichtung bei der Antragstellung und Durchführung unabdingbar. Es wurde von den Referenten einhellig darauf verwiesen, dass die im Ausschreibungstext hierzu formulierten Anforderungen Ausschlusscharakter haben. In der Abschlussdiskussion der Tagung, in der den Teilnehmenden die Gelegenheit geboten wurde, Konkretisierungen der Ausschreibung für die Bedingungen ihrer jeweiligen Kommune einzuholen, wurde auf weitere häufig gestellte Fragen geantwortet:

  • Jeder kommunale Teilnehmer kann zwar mit mehreren Beratungs- und Expertengruppen kooperieren, im Rahmen des Wettbewerbs aber nur einmal als Teilnehmer in einer Partnerschaft auftauchen. Es ist daher nicht möglich, dass eine Kommune mit verschiedenen externen Einrichtungen verschiedene Projekte und Konzepte entwickelt und jedes als einzelnen, gesonderten Beitrag einreicht. Jede teilnehmende Kommune muss sich also auf ein Projekt, auf eine "Vision" ihrer Zukunft einigen und konzentrieren.
  • Im Gegensatz dazu sei es denkbar, dass ein wissenschaftliches oder Beratungsinstitut mit mehreren Kommunen kooperiert und sich daher mehrfach in unterschiedlichen Projekten und Konstellationen als Partner am Wettbewerb beteiligt. Trotzdem wurde aber auch den externen Experteneinrichtungen dringend nahegelegt, ihre Kräfte zu konzentrieren.
  • Wiederholt wurde in den Diskussionen am 10. April gefragt, ob mehrere Kommunen einen gemeinsamen Beitrag einreichen können. Dies ist selbstverständlich möglich und im Sinne der Regionalisierung sogar wünschenswert. Allerdings müssen die beteiligten Kommunen in einem regionalen Zusammenhang stehen. Städtenetze, die durch bestimmte Interessenlagen oder andere Besonderheiten eine gemeinsame Problemlage aufweisen, aber nicht in einer Region verbunden sind, können nicht als ein Antragsteller auftreten. Allerdings kann ein Antragsteller, der Mitglied eines solchen thematischen Städtenetzes ist, auf die Übertragbarkeit seiner Probleme und Lösungsvorschläge verweisen, die mit dem Städtenetzwerk nahegelegt wird. Auf diese Weise kann die Mitgliedschaft in einem Städtenetzwerk für die Förderungsauswahl hilfreich sein. Regionale Zusammenhänge können auch grenzüberschreitend sein. Die Vorgabe, dass sich die Ausschreibung nur an deutsche Städte wendet, ist also in diesem Sinne zu relativieren.
  • Sektorale Beiträge, also Projekte die sich zum Beispiel nur auf "Wohnen" oder "Verkehr" beziehen, liegen nicht im Sinne der Ausschreibung. Es soll in jedem Beitrag gerade um die Verflechtung der verschiedenen Aspekte der Stadtentwicklung, um Verbindung und Integration der verschiedenen Funktionen der Stadt gehen.
  • Mehrfach wurde nach dem Auswahlverfahren, nach Kriterien und nach einer auswählenden Jury gefragt. Zu diesen Verfahrensfragen ist zu sagen, dass die inhaltlichen Auswahlkriterien, soweit sie nicht aus der Ausschreibung hervorgehen, aus den Beiträgen entwickelt werden. Es bestehen keine vordefinierten Punktesysteme, nach denen eine Auswahl beispielsweise im Sinne eines Ranking erfolgt. Eine Jury im strengen Sinne wird es zumindest bei der ersten Auswahl für die erste Detaillierungsstufe nicht geben. Formal gesehen wählt das BMBF die ihm Erfolg versprechenden Beiträge aus, wird sich bei dieser Auswahl aber der Beratung qualifizierter Experten und des Deutschen Instituts für Urbanistik bedienen.
  • Aufgrund vieler in diese Richtung zielenden Fragen wurde im Rahmen der Veranstaltung darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Ideenwettbewerb "Stadt 2030" nicht um einen Städtebau- oder Architekturwettbewerb traditioneller Prägung handelt. Es soll also nicht ein vom "Auslober" vorgegebenes Problem gelöst, sondern vielmehr eine Problemdefinition versucht werden, für die dann erst im Laufe der Bearbeitungszeit Lösungsperspektiven entwickelt werden sollen.


Weitere informationen:
Dr. Albrecht Göschel
Telefon: 030/39001-235
E-Mail:
goeschel@difu.de

    

 

Abschließend wurde betont, dass der mit dem Wettbewerb "Stadt 2030" in Gang gesetzte Prozess von allen Beteiligten hohe Flexibilität verlangt. Dass auch der Träger des Wettbewerbs, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, bemüht ist, diese Flexibilität zu entwickeln, wurde auch daran deutlich, dass auf Drängen der Tagungsteilnehmer spontan der Abgabetermin für die ersten Skizzen vom 31. Mai auf den 16. Juli 2000 verschoben wurde (wie bereits in den Difu-Berichten 1/2000 veröffentlicht). Diese Entscheidung wurde mit Applaus begrüßt, da sie besonders für die Kommunen eine deutliche Erleichterung bei den unvermeidlichen verwaltungsinternen Abstimmungen bedeutet. Auch diese neuen Termine sind im Internet festgehalten. Und schließlich sei noch angemerkt, dass der letzte formale Bewilligungsbescheid für die Durchführung des Wettbewerbs von Seiten des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages nun vorliegt, so dass jetzt auch die finanziellen Mittel freigegeben sind.

Alle Vorträge und Grußworte sowie weitere detaillierte Informationen über den Wettbewerb stehen in der Volltextversion im Internet
http://www.stadt2030.de.