Printexemplare bestellen

Warenkorb

Kontakt für Fragen zur Bestellung von Publikationen:

Heidi Espei
Tel.: +49 30 39001-253
Fax: +49 30 39001-275
E-Mail: vertrieb@difu.de

Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH
Vertrieb
Zimmerstraße 13-15
10969 Berlin

eBooks bestellen

Difu-Berichte 4/1999 - Information, Kommunikation und Multimedia

 


Information, Kommunikation und Multimedia in den Städten
Vier Fallstudien

 



    

Im Umbruch von der Industrie- zur Dienstleistungs-, Informations- und Wissensgesellschaft wachsen die Anforderungen, sich auch auf kommunaler Ebene mit den technologischen Trends und Entwicklungen auseinander zu setzen. In allen Städten ist der Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK), Internet und Multimedia heute ein wichtiges Thema. Drei wesentliche Handlungsbereiche sind dabei eng miteinander verflochten: der IuK-Einsatz in der Verwaltung, die "interaktive Verwaltung" oder das virtuelle Rathaus (also das IuK-gestützte Verwaltungshandeln an der Schnittstelle Verwaltung- Bürger-Wirtschaft) sowie die IuK-Unterstützung bei der Wahrnehmung kommunaler Aufgaben in aller Breite.

Am Beispiel von vier Städten - Braunschweig, Hannover, München und Nürnberg - wird dokumentiert, welchen Stellenwert der Umgang mit IuK, Internet und Multimedia in Rat und Verwaltung und bei anderen wichtigen Akteuren besitzt. Generell ist festzustellen, dass zwar alle Städte umfangreiche Aktivitäten entwickeln, dass das Bewusstsein für den Stellenwert des Themas aber noch sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, sowohl innerhalb der Verwaltung als auch im Rat.

In allen Städten wurden Analyse und Formulierung von Empfehlungen nach einem einheitlichen Raster vorgenommen:

  • die spezifische Situation der Stadt unter veränderten Rahmenbedingungen (u.a. Wirtschaftsstruktur, Standortspezifika und Wettbewerbsposition),
  • IuK-Technologien und neue Medien in Politik und Verwaltung (u.a. Verwaltungsmodernisierung und IuK-Einsatz, Organisation und Kompetenzen),
  • ausgewählte Handlungsfelder (u.a. Stadtinformationssystem und interaktives Rathaus, Wirtschaft und Arbeit, Verkehr, Stadtplanung, Gesundheit und Soziales, Bildung, Bürgerbeteiligung),
  • Infrastruktur (u.a. Telekommunikationsnetze und -dienste, Kioske, Medienzentren) und
  • die Frage nach einer integrierten und fokussierten IuK-Strategie (u.a. Fokussierung, Organisation, Investitionen, Kompetenzbildung, Kooperationen).

Es wurde deutlich, dass jede Stadt ihren ganz spezifischen Weg geht und gehen muss und unterschiediche Schwerpunkte in ihren Aktivitäten setzt. Dies ist auch sinnvoll, da die Ausgangsbedingungen der untersuchten Städte sehr unterschiedlich sind.

Braunschweig konnte im Bereich IuK und neue Medien bisher nicht überregional auf sich aufmerksam machen. Bei den konkreten IuK-Anwendungen in der Verwaltung und bei der Wahrnehmung kommunaler Aufgaben liegt die Stadt - verglichen mit anderen Städten ähnlicher Größenordnung - im allgemeinen Trend. So ist für die Mehrzahl der Entscheidungsträger, für Rat und Verwaltung die Frage des strategischen Umgangs der Stadt mit Informations- und Kommunikationstechnologien, Multimedia und Internet derzeit - unter anderem aufgrund der schwierigen Finanzlage der Stadt - noch kein herausgehobenes Thema. Gerade deswegen ist Braunschweig als Fallbeispiel besonders interessant, weil an diesem Beispiel, besser als bei Modernisierungsvorreitern, die Probleme und Hemmnisse, aber auch die Potenziale und Chancen deutlich gemacht werden können, die für viele Städte in vergleichbarer Situation ähnlich gelten.

Wie in den meisten Städten hat die Modernisierung der Verwaltung in den letzten Jahren viel in Bewegung gesetzt. Im Spagat zwischen Dezentralisierung und zentraler Zuständigkeit bei Querschnittsaufgaben, zwischen Outsourcing und Stärkung eigener Kompetenzen, zwischen Budgetierung und Mittelbündelung mussten und müssen für den IuK-Bereich klare politische Entscheidungen getroffen werden. Gleichzeitig war und ist es aber notwendig, Organisationsformen anzupassen sowie, der Querschnittsaufgabe IuK angemessen, zentrale Zuständigkeiten zu verstärken und Initiativen zu bündeln.

Braunschweig steht als bedeutender Forschungsstandort (die Forschungsdichte gehört zu den höchsten in Deutschland) vor der Herausforderung,sich als Stadt der Forschung und des Wissens auch über entsprechende Aktivitäten im IuK-Bereich intensiver als bisher zu profilieren.In Braunschweig gibt es weitreichende Kompetenzen in den Bereichen IuK/Multimedia und Verkehrstelematik - und zwar in Entwicklung, Forschung, Beratung, Dienstleistung und Produktion. Diese Kompetenzen des Forschungs- und Unternehmensstandorts ließen sich, mehr als bisher, sowohl für den Ausbau des "interaktiven Rathauses" als auch für die Verbesserung des Wirtschaftsstandorts und Lebensraumsnutzen.

Hannover zeigt im Zusammenhang mit IuK-Technologien und neuen Medien erhebliche Imagedefizite. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Kompetenzen Hannovers in diesen Bereichen sehr spezialisiert und eher Fachkollegen als einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sind. Dabei verfügt die Stadt über eine Reihe von - wenn auch häufig bisher ungenügend beachteten - Potenzialen für die Entwicklung eines integrierten Umgangs mit IuK-Technologien und neuen Medien in Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu gehören unter anderem

  • eine Vielzahl von Akteuren mit Kompetenzen im IuK-Bereich, bei Telematik und Multimedia,
  • entwicklungsfähige Kompetenzfelder wie Telematik im Verkehr, Telemedizin, 3-D im Multimedia-Bereich, Multimedia in Kunst und Kultur,
  • eine regionale Internet-Plattform, die das städtische Internet-Angebot integriert,
  • ein regionales Forum für die strategische Auseinandersetzung mit dem IuK-Thema und die Entwicklung konkreter Projekte,
  • gute Ansätze zur Förderung der Medienkompetenz bei den Bürgern.

Die Potenziale müssen allerdings stärker systematisch erschlossen, die Vernetzung der Akteure aktiver betrieben und die Aktivitäten besser koordiniert werden. Dazu gehört unter anderem, dass in der Stadt eine Diskussion darüber angeschoben wird, für welche konkreten stadtentwicklungspolitischen Belange IuK-Technologien einsetzbar sind und welche Anwendungspotenziale in Hannover hierfür bestehen.

Die stadtteilorientierte Arbeit, in vielen Bereichen ein "Markenzeichen" Hannovers, könnte auch im Bereich der IuK-Technologien und der neuen Medien stärker gefördert werden. Dies kann mit der Schaffung weiterer stadtteilorientierter Internetbasierter Informationssysteme und der Förderung der Medienkompetenz bei den Bürgern erreicht werden.

München ist die "heimliche Hauptstadt" der Informations- und Kommunikationstechnik und gehört zu den großen Me-.dienstandorten. Auch im neuen Bereich Multimedia hat sich die Stadt zum wichtigsten Standort in Deutschland entwickelt. Dennoch hat die Stadt diese guten Voraussetzungen für die eigene Entwicklung des Bereichs IuK und neue Medien noch nicht ausreichend genutzt. Damit verbunden ist eine Imagelücke. Die Stadt konnte in Fachkreisen bisher noch nicht genügend mit innovativen IuK-Anwendungen oder Online-Angeboten auf sich aufmerksam machen.

Dies ist nur teilweise berechtigt. Zwar liegt München in vielen Bereichen der Entwicklung von IuK-Anwendungen im Vergleich zu anderen Großstädten tatsächlich "nur" im Mittelfeld. Es gibt aber auch vergleichsweise umfangreiche und teilweise auch beispielhafte Aktivitäten, wie in den Bereichen Verkehr, Umwelt oder schulische Bildung.

Inzwischen ist die Gefahr erkannt worden, dass München bei der Nutzung der IuK-Technologien für eine nachhaltige, bürgerorientierte und ökonomisch tragfähige Entwicklung des Stadt- und Lebensraumes nicht nur weiter in Rückstand gerät, sondern auch wenig am Imagedefizit ändern kann, wenn es nicht gelingt, ein strategisches IuK-Konzept zu entwickeln. Daher hat die Stadt erste Schritte zur Schaffung eines neuen Strategiekonzeptes unternommen, das vom Stadtrat beraten und beschlossen werden soll. Konsequent wäre es auch, die vor Ort vorhandenen Kompetenzen im Multimedia- und IT-Sektor sowie als bedeutender Medienstandort stärker für die Entwicklung der Stadt zu nutzen.

Nürnberg ist in den letzten Jahren als wichtiger Standort der Kommunikationswirtschaft bekannt geworden. Die Nürnberger Initiative für Kommunikationswirtschaft (NIK), eine der wenigen bisher in deutschen Städten bestehenden integrierten Initiativen für eine lokale IuK-Politik, hat zu diesem Imagegewinn beitragen können. An den Aktivitäten der NIK und der Integration kommunaler und privater Aktivitäten wird auch deutlich, wie der Weg einer zukünftigen kommunalen Wirtschaftsförderungsstrategie aussehen kann.

Die bereits "geübte" öffentlichprivate Partnerschaft hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass die Region Nürnberg mit ihrem Beitrag beim Städtewettbewerb MEDIA@Komm des Bundeswirtschaftsministeriums gewonnen hat (die Umsetzung der geplanten Maßnahmen wird in den nächsten drei Jahren mit bis zu 20 Millionen Mark gefördert). Damit besteht für die Stadt die Chance, eine Führungs- position beim Einsatz von IuK-Technik und Multimedia in der Verwaltung, aber auch in anderen Bereichen einzunehmen.



    

In Bezug auf den Einsatz von IuK-Technologie und IuK-gestützten Anwendungen in der Verwaltung und an der Schnittstelle zwischen Verwaltung, Bürgern, Wirtschaftsbürgern und anderen Akteuren könnten und sollten die Impulse, die von den ME-DIA@ Komm-Projekten ausgehen, gezielt für eine Förderung der Informationsgesellschaft auf lokaler Ebene insgesamt genutzt werden. Der integrative Ansatz des Projekt-Portfolios bietet gute Anknüpfungspunkte dafür. Die Verbindung von Online-Angeboten der Verwaltung mit massenattraktiven (kommerziellen) Angeboten ist eine wesentliche Voraussetzung für eine zügige Diffusion der Angebote.

Insgesamt ist es in Nürnberg bisher besser als in vielen anderen Städten gelungen, die strukturellen Voraussetzungen für einen aktiven Umgang mit der Entwicklung der Informationsgesellschaft auf lokaler Ebene zu schaffen und die Nachhaltigkeit von Projekten zu sichern.


Weitere Informationen:
Dr. Busso Grabow
Telefon: 030/39001-248
E–Mail: 
grabow@difu.de
    

Die vier Fallstudienberichte formulieren nicht nur Empfehlungen für Akteure in den jeweiligen Städten, sondern sind gleichzeitig dokumentierte Fallbeispiele für Interessierte in den Städten insgesamt. Sie sind Bestandteil eines umfangreichen Projekts des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) über die Ausgestaltung kommunaler Handlungsstrategien im Umgang mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und neuen Medien ("Lokale IuK-Politik"). Die umfangreichen Resultate des Projekts werden in mehreren Bänden veröffentlicht (siehe Seite 14); die ursprünglich für 1999 angekündigte Gesamtpublikation wird zeitlich und inhaltlich gestaffelt. Grund dafür ist auch die Überschneidung mit der Begleitforschung zum Städtewettbewerb MEDIA@Komm des BMWi.

Weitere Verweise auf diesen Beitrag: