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Difu-Berichte 4/1998 - Verkehrsvermeidung

      

Handlungskonzepte innerhalb einer integrierten Stadt- und Verkehrsentwicklungsplanung


Neuer Materialienband
erschienen

Angesichts zunehmender Umwelt- und Verkehrsprobleme wird die Notwendigkeit einer Umorientierung in der Verkehrspolitik von weiten Teilen der Bevölkerung befürwortet. Heutige Verkehrsentwicklungspläne sind zwar darauf ausgerichtet, die Probleme durch technische und organisatorische Maßnahmen sowie durch räumliche oder funktionelle Verkehrsverlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu verringern - sie kurieren damit allerdings höchstens die Folgen, lösen jedoch nicht die substantiellen Probleme des Verkehrs. Die bisherige Entwicklung hat gezeigt, daß temporäre Teilerfolge durch hohe Zuwachsraten im Kfz-Verkehr mehr als kompensiert werden. Damit gleichen diese Bemühungen um die Lösung der Verkehrsprobleme eher einer Verwaltung als einer Lösung.

Mit der Forderung, das Verkehrsproblem "an der Wurzel zu packen" gemäß der alten Planungsweisheit "der beste Verkehr ist derjenige, der gar nicht erst entsteht", ist zunehmend der Begriff der Verkehrsvermeidung in die öffentliche Diskussion gerückt. Doch zeichnet sich trotz Grundsatzerklärungen und Resolutionen zur stärkeren Berücksichtigung von Verkehrsvermeidung eine grundlegende Trendwende immer noch nicht ab.

Mit der Studie werden Handlungspotentiale, Strategien, Maßnahmen und Steuerungsinstrumente zur Reduzierung des Verkehrsaufkommens im Rahmen einer integrierten Stadt- und Verkehrsentwicklungsplanung aufgezeigt und auf ihre Wirksamkeit, Tragweite und Effektivität im Hinblick auf die beabsichtigte Wirkung analysiert, wobei der Schwerpunkt im kommunalen Bereich gesetzt wurde, da gerade hier das Wissen über weitere Umsetzungsmöglichkeiten sinnvoll eingesetzt werden könnte.

Nach einem umfassenden Überblick über die Einbettung der Verkehrsproblematik in die globale Klima- und Umweltsituation bis hin zur stadträumlichen Ebene werden zunächst Strategien zur Verhinderung verkehrserzeugender und Wege verlängernder Strukturen vorgestellt. Diese Strategien bieten die wirkungsvollsten Voraussetzungen für eine Verkehrswende.

Verkehrsvermeidung zielt primär auf einen grundlegenden Bewußtseinswandel im Verkehrs-, aber auch im Umwelt- und Sozialbereich (Konsum- und Freizeitverhalten), auf den Abbau von Mobilitätszwängen und auf die Reduktion von Reisedistanzen. Sie unterscheidet sich durch ihren umfassenden Ansatz grundlegend von den auf die klassischen Bereiche Verkehrsordnung, -planung und -politik beschränkten Konzepten der Verkehrsberuhigung und -verlagerung, indem sie an den Ursachen der Verkehrsentstehung, am Mobilitätszweck, ansetzt und nicht erst am Verkehrssystem. Verkehrsvermeidungsstrategien setzen am Verkehrszweck, an der Reduktion der Wegelängen und an der Befreiung von (Auto-) Mobilitätszwängen an. Verkehrsvermeidung bedeutet möglichst viel Mobilität im Sinne von Aktivitätenerledigung oder -verknüpfung oder anders gesagt: mehr Erreichbarkeit bei weniger Verkehr. Dabei wird deutlich, daß Verkehrsvermeidung nicht mit Einschränkung der persönlichen Mobilität und individuellen Freiheit gleichzusetzen ist, sondern persönliche Vorteile für den einzelnen bietet.

Zahlreiche Beispiele untermauern die theoretischen Erkenntnisse, veranschaulichen die mannigfaltigen Handlungsfelder "vor Ort" und belegen die Machbarkeit von Verkehrsvermeidung.

 


Weitere Informationen:

Dipl.-Ing. Thomas Ponel
Tel.: 0441/766 78
Fax: 0441/235 28 79


Eine regionalisierte, auf Verkehrsvermeidung ausgerichtete Siedlungs- und Verkehrsplanung, kleinere bis mittelgroße Städte, das raumordnerische Leitbild der dezentralen Konzentration mit regional-planerisch abgestuften Dichte- und Achsenmodellen sowie ausgewogen gemischte und verträglich dichte bauliche Stadtstrukturen mit eigenständigen Entwicklungszentren und hoher Wohn- und Freiraumqualität sind am besten dazu geeignet, Mobilitätszwänge zu reduzieren. Sie begünstigen die verkehrsreduzierende Zuordnung von Lebensfunktionen, schaffen kurze Wege und gute Bedingungen für die Verkehrsmittel des Umweltverbunds und wirken per se verkehrsvermeidend.


Illustration: Jochen Ponel

Mit der Anwendung der bestehenden, im deutschen Bau- und Planungsrecht verankerten Rechtsinstrumente verfügt die planende Kommune über eine Vielzahl geeigneter Steuerungsinstrumente zur Vorbereitung verkehrssparender Siedlungsstrukturen. Ausgangspunkt hierfür ist ein haushälterischer Umgang mit Grund und Boden gemäß den Dichtegrundsätzen "innen vor außen" und "alt vor neu".

Mit städtebaulichen Konzepten allein lassen sich verkehrsvermeidende Strukturen vorbereiten, jedoch nicht zwingend erreichen. Sie müssen deshalb von verkehrsplanerischen, rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Maßnahmen begleitet werden.

Die verkehrsplanerischen Instrumente sind bislang tendenziell immer noch darauf ausgerichtet, den Verkehr zu erleichtern und letzte Kapazitätsreserven im Verkehrsnetz zu erschließen. Verkehrsvermeidungsstrategien erfordern jedoch eine grundsätzlich andere Betrachtungsweise: Weil jede einseitige Verbesserung eines jeden Verkehrssystems neben marginalen Verlagerungserscheinungen vor allem die Induzierung von Neuverkehr nach sich zieht, sind parallel zu Verbesserungsmaß-nahmen an anderer Stelle in gezielter Form Raumüberwindungswiderstände zu erhöhen. So sollte der uneffektive und kostspielige Doppelausbau der Verkehrsträger Auto und ÖPNV eingestellt werden.

Die empfohlenen Maßnahmen im Verkehrsbereich beinhalten ein differenziertes gesamtstädtisches Parkraumkonzept, Verkehrsberuhigung, Förderung und Bevorrechtigung des Nichtmotorisierten Individualverkehrs (NMIV) und des Öffentlichen Verkehrs (ÖV), den sorgsam ausgewählten Einsatz von Informations- und Verkehrsleittechniken sowie eine neue Straßenbaukultur mit Verkehrsauswirkungsprüfungen, Verlangsamung und Verstetigung des Motorisierten Individualver- kehrs (MIV), Betonung von Aufenthaltsfunktion, Stadtbild und Nahraumqualität. In Anbetracht leerer öffentlicher Kassen gehört organisatorischen Maßnahmen bei Verkehrsvermeidungskonzepten zweifellos die Zukunft. So können im Rahmen eines "kooperativen Verkehrsmanagements" intelligente, bedarfsgesteuerte, flexible Bedienungsformen im ÖV zu höheren Auslastungsgraden und wirtschaftlichen Betriebsformen führen.

Ob es um Wohnungstauschbörsen, gemeinschaftliche Wohnformen, Selbsthilfeeinrichtungen, Car-Sharing- oder Car-Pool- Projekte, Mitfahrgelegenheiten, Jobtickets, Mobilitätsberatungen, moderne Werkswohnungen, Telearbeitsplätze, City- Logistik-Konzepte, Leihbehälter-, Bündelungs- und Verteilsysteme, Hausbelieferungen, Quartierwochenmärkte, Verkaufswagen oder Nachbarschaftsläden geht - die Möglichkeiten der Kommune, im organisatorischen Bereich verkehrsvermeidend zu agieren, sind überaus vielfältig und gehen weit über den Verkehrsplanungssektor hinaus.

Die durch Änderungen im persönlichen Verhalten erzielbaren Potentiale zur Reduzierung des Verkehrsaufwands sind beträchtlich. Beispiele sind die herausragende Bedeutung des Car-Sharing und der Siedlungsform "Autofreies Wohngebiet". Diese Mobilitäts-/Wohnformen wirken in besonderem Maße bewußtseinsbildend, indem sie eine rationale, gebrauchswertorientierte Einstellung zum Automobil fördern.

Neben einer Novellierung der Grundsteuer werden eine Reihe weiterer finanzieller Steuerungsinstrumente vorgeschlagen wie fahrleistungsabhängige Straßenbenutzungsgebühren, Steuern, Verkehrserzeugungs- und Bodenversiegelungsabgaben, Nahverkehrsabgaben, GVFG-, GA- und andere Fördermittel. Im Bereich der Wirtschaftsstruktur sind Gewerbeansiedlung und Wirtschaftsförderung sowie die Regionalisierung von Wirtschaftskreisläufen lohnende Tätigkeitsfelder.

Verkehrsvermeidung sollte grundsätzlich als wichtiges fachübergreifendes Abwä-gungskriterium in das alltägliche Verwaltungshandeln aufgenommen werden. Die Einsetzung eines "Beauftragten für Verkehrsvermeidung" trägt dazu bei, dieses Thema aufzuwerten.

Die Studie belegt, daß es an Leitzielen, Erkenntnissen, Ideen und Steuerungsinstrumenten zur Verkehrsvermeidung nicht mangelt. Sie verdeutlicht gleichfalls, daß Verkehrsvermeidung keine graue Theorie bleiben muß.

Weitere Verweise auf diesen Beitrag: 
Publikation - Verkehrsvermeidung