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Perspektiven großer Wohnsiedlungen

Jahrbuch 2015 Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V.

Veröffentlichungsangaben
Sonderveröffentlichungen, 2015, 180 S., vierfarbig, zahlreiche Abbildungen und Tabellen
Dipl.-Ing. Ricarda Pätzold, Dr. Stefan Schneider, Dr. Busso Grabow, Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V. (Hrsg.)

An Großwohnsiedlungen scheiden sich die Geister: Für die einen sind sie ein Teil der europäischen Stadt – ebenso wie die baulichen Zeugnisse anderer Epochen. Für die anderen sind sie steingewordener Beleg der Kälte des modernen Siedlungsbaus, Zeichen eines architektonischen Irrtums. Ein solcher Glaubenskrieg oder Zwist der Geschmäcker mag bei der Auseinandersetzung um städtische Solitäre vertretbar sein. Hier geht es aber um 4 Millionen Wohnungen und damit um die Lebensräume und um die Heimat von ca. 8 Millionen Menschen. Hinzu kommt, dass es sich nicht um die Verwirklichung individueller Wohnträume handelt, sondern um Mietwohnungen und darunter häufig die preisgünstigen Bestände in den Städten. Damit besteht die Gefahr einer doppelten Stigmatisierung.

Der Vielfalt von Meinungen und Einzelbeispielen zu den großen Wohnsiedlungen stehen nur wenige gesicherte systematische Wissensbestände gegenüber. Diese anzureichern, war Ziel der Studie des Difu – in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Großwohnsiedlungen. Unter dem Siedlungsbegriff wurden die in den 1920er- bis 1980er-Jahren des 20. Jahrhunderts errichteten Wohnquartiere des mehrgeschossigen Mietwohnungsbaus gefasst, die mehr als 500 Wohnungen bzw. 1.000 Einwohnern haben. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Fragen nach der Rolle der Siedlungen in den jeweiligen städtischen Wohnungsmärkten, nach der Höhe notwendiger Bestandsinvestitionen, nach den Abhängigkeiten der Investitionsentscheidungen der Eigentümer sowie den Potenzialen von ergänzendem Wohnungsneubau.

Der den Siedlungen innewohnende Entstehungsgedanke erscheint aus heutiger Sicht überaus modern: Es wurden qualitativ hochwertige Mietwohnungen für Menschen gebaut, die eine eingeschränkte Wahlfreiheit am Immobilienmarkt haben. Insbesondere in Regionen mit einem langfristig stabilen Wohnungsbedarf sind deshalb langfristige Strategien zur Weiterentwicklung der großen Wohnsiedlungen erforderlich. Dazu gehört sowohl die Rückbesinnung auf die in den Siedlungen angelegten wohnreformerischen Qualitäten als auch die Korrektur verbliebener Umsetzungsdefizite. Die Belange der großen Wohnsiedlungen sollten auch einen ihrer Bedeutung entsprechenden Stellenwert in der kommunalen Stadtentwicklungsplanung erhalten, der ihnen bisher nicht überall zukommt.

Inhalt:

Vorwort der Auftraggeber
Schlussfolgerungen der Auftraggeber
1. Warum es an der Zeit ist, sich erneut mit großen Wohnsiedlungen zu beschäftigen
2. Wie viele Siedlungsbestände gibt es? - Annäherung an ein Mengengerüst
3. Charakteristika, Bedeutungen und Funktionen der großen Wohnsiedlungen
4. Status quo - Investitionen in den Siedlungsbestand
5. Weiterentwicklung der großen Wohnsiedlungen
6. Fallstudien
7. Fazit und Handlungsempfehlungen
Quellen