Stadtquartiere des Informationszeitalters

Themenfelder 
Bereich 
Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen
Bearbeiter 
Dr. Holger Floeting (Projektltg.)
Laufzeit 
2000 bis 2004
Jahresbericht 
2003
Status 
abgeschlossen

Die neuen Informations- und Kommunikationstechniken greifen als Querschnittstechnologien in unterschiedlichste Bereiche des täglichen Lebens ein. Dies wirkt sich auch auf die Raumnutzung aus und wird die Gestalt städtischer Räume verändern. Seit Beginn der 80er Jahre sind im In- und Ausland eine Reihe städtebaulicher Projekte realisiert worden, die gezielt die Möglichkeiten neuer Informations- und Kommunikationstechniken einbeziehen und/oder einen "informationswirtschaftlichen Kern" haben. Es entstanden Projekte mit gewerblichem Schwerpunkt, Mischnutzungsprojekte und Wohnflächen, mit unterschiedlichen thematischen und strategischen Ansätzen. Zum Teil wurden vorhandene Strukturen oder Entwicklungsansätze einbezogen,zum Teil neue Großstrukturen geschaffen. Die Realisierung derartiger Projekte ist mit unterschiedlichen stadtentwicklungsrelevanten Zielen verbunden, z.B. Stadterneuerung, Konversion von altindustriellen und Militärstandorten, Revitalisierung traditioneller Standorte von Medien- und Informationswirtschaft, kommunale Wirtschaftsförderung und Unterstützung des Strukturwandels, Schaffung von Vernetzungspotenzialen, Förderung lokaler Kreativität, Stadtmarketing, Verbesserung des Dienstleistungsangebots, Verbesserung des Freizeitangebots, Denkmalschutz, Test neuer Kooperationsformen usw. Eine systematische Evaluierung derartiger Projekte hat bisher kaum stattgefunden. Unklar bleibt häufig, welche Bedeutung die Stadtquartieretatsächlich für die zukünftige Entwicklung des gesamten Stadtraums haben, ob sie "Entwicklungsoasen" sind, die den umgebenden Raum kaum berücksichtigen oder Rückwirkungen auf die Stadtentwicklung insgesamt haben. Die Rolle des "informationswirtschaftlichen Kerns" variiert vom "Label" für gewöhnliche Gewerbeparks oder Wohnquartiere bis zur konkreten Einbeziehung neuer IuK-Technologien bei der Gestaltung von Wohnquartieren und dem Zuschnitt von Gewerbeflächen auf die spezifischen Belange der Informationswirtschaft. Auch die Frage der Integration von derartigen städtebaulichen Projekten in einen übergeordneten strategischen Ansatz für eine Stadtentwicklung zur Förderung der Informationsgesellschaft auf lokaler Ebene war bisher nur unzureichend untersucht. Die Untersuchung umfasst eine Literaturauswertung zu den spezifischen Standortqualitäten von "Stadtquartieren des Informationszeitalters", eine Darstellung vorhandener Projekte in den deutschen Städten, einen Überblick über Projekte außerhalb Deutschlands und die nähere Untersuchung ausgewählter Fallbeispiele in Deutschland. Am Beispiel der Städte Hamburg, Leipzig, München und Wiesbaden wurden der technologisch- ökonomische Strukturwandel, konzeptionelle Ansätze für die Entwicklung des IuK-Sektors und Umsetzungsstrategien zur Entwicklung von Standorten mit kommunikations- und medienwirtschaftlichem Kern untersucht. Auf Basis umfangreicher qualitativer Analysen wurden Erfolgsfaktoren für die Entwicklung und Umsetzung von IuK-Projekten der Stadtentwicklung identifiziert. Dazu zählen beispielsweise die Urbanität des Standorts, die Projektgröße, die Modularität des Konzepts oder die notwendige Ergänzungsfähigkeit der vorhandenen Wirtschaftsstruktur. Die Ergebnisse lassen sich auf andere Bereiche der technologieorientierten Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsförderungspolitik der Kommunen übertragen.

Weiterführende Informationen: 
  • Floeting, H.: CyberCity: No urban future?, in: Dieter Hassenpflug, Gudrun Tegeder (Hrsg.), city.net - cities in the age of telecommunication - Städte im Zeitalter der Telekommunikation, S. 363-368, Tectum Verlag, Marburg, 2004
  • Floeting, H.: Stadtentwicklung im Internet-Zeitalter / Urban Development in the Internet Age, in: Torsten Blume, Gregor Langenbrinck (Hrsg.), DOT.CITY Relationaler Urbanismus und Neue Medien / Relational Urbanism and New Media, S. 95-115, Edition Bauhaus, Berlin, 2004
  • Floeting, H.: Internet und Stadt, Geht den Kommunen der Ort verloren? In: Budke, A. & D. Kanwischer, A. Pott (Hrsg.), Internetgeographien, Beobachtungen zum Verhältnis von Internet, Raum und Gesellschaft, Erdkundliches Wissen Band 136, Stuttgart 2004, S. 79-90.
  • Floeting, H.: E-Government und virtuelle Mobilität. In: ifmo - Institut für Mobilitätsforschung (Hrsg.), Auswirkungen der virtuellen Mobilität, Berlin/Heidelberg 2004, S. 287-302.
  • Floeting, H.: Städte und Regionen im Internet. In: Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland, Bd. 9 Verkehr und Kommunikation, Heidelberg/Berlin 2001, S. 110-111.
  • Floeting, H.: New Media and Urban Development - Virtuality and the Formation of New Spatial Patterns in Urban Areas, Paper delivered at the 4th International Bauhaus Kolleg dot.city, Occasional Paper, German Institute of Urban Affairs, Berlin 2003.
  • Floeting, H.: Electronic Commerce - Handlungserfordernisse in den Kommunen. In: Barthel, J. & G. Fuchs, Chr. Renz, H.G. Wolf (Hrsg.), Electronic Commerce - Herausforderungen und Chancen für Baden-Württemberg, Workshopdokumentation, Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg, Stuttgart 2000, S. 41-51.
  • Floeting, H.: Virtual Cities?! – Telematics and Spatial Development, Occasional Papers Special Edition Urban 21 – Weltkonferenz zur Zukunft der Städte, Berlin 2000.
  • Floeting, H.: Stadtentwicklung in der „New Economy“, in: Werner B. Korte, Christiane Flüter-Hoffmann, Rolf Kowitz (Hrsg.), Report Telearbeit – Wie man sie einführt und als Innovationsmotor nutzt, Düsseldorf, 2000

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