Umwelt-"TAT-Orte" enttarnt: Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger des Wettbewerbs

Medieninformation vom 07. September 1998

Umwelt-"TAT-Orte" enttarnt

Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger des Wettbewerbs

"TAT-Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb"

Das Engagement von fünf Gemeinden und Initiativen aus den neuen Bundesländern hat sich gelohnt: Sie werden beim diesjährigen Wettbewerb "TAT-Orte. Gemeinden im ökologischen Wettbewerb" dafür prämiert, daß sie durch Eigeninitiative, Phantasie und Tatkraft beispielhafte Umweltideen in die Tat umsetzen, die gleichzeitig auch eine positive ökonomische und soziale Bedeutung haben.

Die Preisträger des Umweltwettbewerbs, den die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) und das Deutsche Institut für Urbanistik (Berlin) jährlich bis zum Jahr 2000 durchführen, sind in diesem Jahr:

die Gemeinde Retzow und der Verein zur Förderung Angemessener Lebensverhältnisse (FAL e.V.), Landkreis Parchim, Mecklenburg-Vorpommern;

das "Internationale Zentrum für Innovation, Qualifizierung und Gewerbeföderung e.V., Hedersleben, Landkreis Quedlinburg in Sachsen-Anhalt;

ÖW-Ökozentrum Werratal/Thüringen GmbH Vachdorf, Landkreis Schmalkalden-Meiningen;

die sächsische Stadt Ostritz-St. Marienthal und das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal (Landkreis Löbau-Zittau);

der Unternehmensverbund "Bioland Ranch Zempow" und Gemeinde Zempow (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) in Brandenburg.

Die Auszeichnungen wurden heute im Rahmen einer Festveranstaltung im Anhaltischen Theater in Dessau vom Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Fritz Brickwedde, und dem Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, Professor Dr. Heinrich Mäding, überreicht. "Ich bin der festen Überzeugung, daß die heutige Auszeichnung an fünf beispielgebende Gemeinden und Initiativen zu einem breiten Ideentransfer führen und nicht zuletzt helfen wird, die Diskrepanz zwischen entwickeltem Umweltbewußtsein und konkretem Umwelthandeln durch konstruktive, positive Beispiele zu überwinden," erklärte Fritz Brickwedde.

Neben der Urkunde erhielten die Preisträger eine reichbebilderte Buchdokumentation und einen Videofilm, die ausführlich über die prämierten "TAT-Orte" informieren. Parallel dazu wurde eine Ausstellung im Anhaltischen Theater über die ausgezeichneten TAT-Orte eröffnet. "Wir hoffen, daß wir mit der heutigen Preisverleihung, den Buchdokumentationen, der Ausstellung und dem Video Grundsteine für neue Ziele und Erfolge legen können, bei den Preisträgern ebenso wie bei all denjenigen, die wir zur Nachahmung anregen wollen," so Professor Dr. Heinrich Mäding.

An dem jährlich durchgeführten Wettbewerb können sich Verwaltungen und Initiativen aus kleineren Gemeinden (bis 10 000 Einwohner) der neuen Bundesländer beteiligen, die innovative Ideen mit persönlichem Engagement verbinden und so zur Verbesserung der Lebensqualität ihrer Region beitragen. Für das Jahr 1999 sind Bewerbungen noch möglich: Einsendeschluß für den letzten offenen Wettbewerb ist der 25. September 1998. Im Jahr 2000 werden alle Preisträger der vergangenen fünf Jahre nochmals ins Rennen geschickt, um dann schließlich die herausragendsten TAT-Orte des gesamten Wettbewerbs zu küren.

Bewerbungsunterlagen sind erhältlich beim Deutschen Institut für Urbanistik, Arbeitsbereich Umwelt, Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin, E-Mail: tatorte@difu.de oder per Internet: http://www.difu.de/tatorte.

Detaillierte Informationen über die Preisträger entnehmen Sie bitte den TAT-Orte-Internetseiten: http://www.difu.de/tatorte. Dort finden Sie auch Photos und das Logo zum Download.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an folgende Telefonnummern:

Difu-Pressestelle

Sybille Wenke-Thiem

Tel.: 030/39001-209/208;

Fax: 030/39001-130

E-Mail: pressestelle@difu.de

Über einen Beleg Ihres (Print-)Beitrags als Kopie oder Fax bzw. die Angabe der Sendung und Sendezeit würden wir uns sehr freuen (bitte an die Difu-Pressestelle schicken). Vielen Dank im voraus!

Die "TAT-Orte"-Preisträger 1998 (Kurzbeschreibungen)

Gemeinde Retzow und Verein zur Förderung Angemessener Lebensverhältnisse (FAL e.V.)

Die Gemeinde Retzow mit ihren 381 Einwohnern liegt im Süden Mecklenburg-Vorpommerns im Landkreis Parchim. Kennzeichnend für Retzow und die landwirtschaftlich geprägte Region südlich des Plauer Sees sind Strukturschwäche und hohe Arbeitslosigkeit.

Die fünf Gemeinden Ganzlin, Gnevsdorf, Retzow, Wahlstorf und Wendisch Priborn sowie mehrere Unternehmen und Einzelpersonen engagieren sich im Verein zur Förderung Angemessener Lebens-verhältnisse (FAL e.V.) gemeinsam für ihre Dörfer, die Menschen und die Region. "Für uns kam und kommt es darauf an, regionale Akzente gegen Arbeitslosigkeit, Resignation und sichtbaren Verfall dörflicher und sozialer Strukturen zu setzen," erklärt Heinz Mohr, Vorsitzender des FAL e.V.

Mit Hilfe des zweiten Arbeitsmarktes werden unter der Regie des FAL e.V. in Projekten des Naturschutzes, der Landschaftspflege und des Tourismus, durch Umweltbildung und durch die Schaffung kultureller und dörflicher Zentren Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Regionalentwicklung geschaffen.

Aus ABM-Projekten wurden bereits mehrere eigenständige Unternehmen ausgegründet, die dauerhafte Arbeitsplätze einrichten konnten. Die Gemeinden betreiben in Kooperation eine gezielte Ansiedlung von Handwerk und Gewerbe. Sichtbare Beispiele für das erfolgreiche Engagement aller Beteiligten sind das Ülepüle in Retzow, die alte Brennerei Ganzlin, das Gutshaus Klein Dammerow und die Ziegelei Benzin. (1.308 Zeichen)

Internationales Zentrum für Innovation, Qualifizierung und Gewerbeförderung e.V., Hedersleben

Das Internationale Zentrum für Innovation, Qualifizierung und Gewerbeförderung hat seinen Sitz in dem ehemaligen Kloster St. Gertrudis in Hedersleben, einer kleinen Gemeinde mit 1863 Einwohnern in Sachsen-Anhalt. Die Konzeption des Zentrums umfaßt eine Vielzahl von ökologisch orientierten Maßnahmen, bei denen ökonomische, soziale oder entwicklungspolitische Aspekte Berücksichtigung finden.

"Wiederaufbau und Wiederbelebung der riesigen Klosteranlage sind ein wichtiger Nebeneffekt des Projekts, wichtiger jedoch ist, daß die Menschen wieder beginnen, Ideen zu entwickeln, darüber zu diskutieren und vor allem sie zu realisieren," so Dr. Harry Stolte, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Bei der Sanierung und dem Ausbau des Klosters wurde auf die Verwendung von umweltfreundlichen Materialien geachtet, eine umweltverträgliche Abwasserentsorgung durch eine Pflanzenkläranlage realisiert sowie die Nutzung regenerativer Energien vorgesehen. Ökologisch orientierter Landbau, regionale Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte sowie die Förderung des naturschonenden Fremdenverkehrs gehören zu den weiteren Zielen von Verein und Gemeinde.

Die Bildungsarbeit und die Qualifizierungsmaßnahmen, die im Kloster durchgeführt werden, umfassen auch Projekte und Seminare, die vielfältige Maßnahmen des Umweltschutzes integrieren. Vorbildlich ist dabei die Verbindung von realisierten Umweltprojekten und -technologien, die gleichzeitig dem Betrieb der Gebäude und der Umweltbildung dienen. (1.385 Zeichen)

ÖW-Ökozentrum Werratal/Thüringen GmbH Vachdorf

Die ÖW-Ökozentrum Werratal/Thüringen GmbH Vachdorf im Landkreis Schmalkalden-Meiningen wurde Ende 1991 gegründet. Sie ist eines der größten deutschen Öko-Agrarunternehmen. Auf etwa 1800 Hektar Fläche im südlichen Vorland des Thüringer Waldes werden Täler, Hänge und Hochflächen nach den strengen Kriterien des Gäa-Anbauverbandes standortgerecht bewirtschaftet. "Es war Absicht und Einsicht zugleich, dem fortschreitenden Verfall von sinnhaften Agrarstrukturen zu begegnen und neue Leitbilder eines behutsamen Umgangs mit der Natur durch eine nachhaltige Landbewirtschaftung zu schaffen," betonte Eberhard Baumann, Geschäftsführer der Ökozentrum GmbH.

Rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzeugen und verarbeiten im Ökozentrum und in den Partnerunternehmen regionale Produkte von hoher Qualität. Das neue Betriebskonzept zeichnet sich durch die Einheit von Bodennutzung, Agrarraumgestaltung sowie dörflicher und regionaler Entwicklung aus. Mit der Wiederherstellung und Neuanlage von Feldhecken, Baumreihen, Grassäumen und Streuobstwiesen wird der Agrarraum wieder Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Der neue Ökomarkt in Vachdorf verknüpft ökologische Produktion, Verarbeitung und Vermarktung mit Information und Tourismus. Das regelmäßig stattfindende Ökofest ist über Thüringen hinaus ein Besuchermagnet. Das Ökozentrum ist Triebfeder einer umweltverträglichen ländlichen Entwicklung, für die sich Unternehmen, die Gemeinden Vachdorf, Leutersdorf und Belrieth sowie Vereine und Bürger-innen und Bürger gemeinsam einsetzen. (1.351 Zeichen)

Stadt Ostritz-St. Marienthal und Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal

Die Stadt Ostritz-St. Marienthal liegt zwischen Görlitz und Zittau, direkt an der Neiße, im Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechische Republik. Die Region war vor der Wende geprägt durch Braunkohleabbau und Energiegewinnung aus Braunkohle und wurde früher als das "Schwarze Dreieck" bezeichnet.

Nach der Wende hat sich Ostritz gewissermaßen zu einem "Experten" im Bereich der Energieversorgung entwickelt: Die heutige "Energieökologische Modellstadt Ostritz-St. Marienthal" sieht eine autarke Energieversorgung auf der Grundlage regenerativer Energien vor. Die Stadt errichtete ein Biomasse-Heizkraftwerk, Solar- und Photovoltaikanlagen, einen Windpark, Wasserkraftwerke sowie eine Modellanlage zur Regenwassernutzung. Ostritz-St. Marienthal hat darüber hinaus weitere ökologische Projekte zu bieten wie beispielsweise eine Pflanzenkläranlage, den sanierten Marktplatz oder Energiesparmaßnahmen in der Schule. "Das wichtigste an den Projekten ist, daß damit den Menschen in unserer Stadt eine neue Hoffnung, eine neue Perspektive gegeben wurde," so Günter Vallentin, Bürgermeister der Stadt.

Ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung in Ostritz-St. Marienthal ist die Arbeit des Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal. Dieses Zentrum, mit Sitz im Kloster St. Marienthal, widmet sich insbesondere der länderübergreifenden Umweltbildung und der Information über Ergebnisse und Erfahrungen in Ostritz. (1.314 Zeichen)

Unternehmensverbund "Bioland Ranch Zempow" und Gemeinde Zempow

Die 135 Einwohner zählende Gemeinde Zempow liegt im strukturschwachen Norden Brandenburgs im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Das landwirtschaftlich geprägte Dorf und seine Einwohner waren nach der politischen Wende besonders vom Niedergang der LPG-Strukturen betroffen. Seitdem sich im Jahr 1992 junge Landwirte ansiedelten und der Unternehmensverbund "Bioland Ranch Zempow" gegründet wurde, werden 850 Hektar ertragsschwacher Böden in Form extensiver Weiderinderhaltung nach Bioland-Kriterien bewirtschaftet. Heute genießt Qualitätsrindfleisch aus Zempow auch über die Region hinaus einen guten Ruf.

Vielfältig sind auch Zempows touristische Angebote: Ferienwohnungen in Ökohäusern und auf alten Gehöften, Reitkurse, Radfahren, Bootstouren, Wanderungen in der Umgebung und vieles mehr.

Mit Veranstaltungen über ökologischen Landbau, mit Umweltbildungsangeboten, Öffentlichkeitsarbeit, dörflicher Kommunikation und durch regionalen Erfahrungsaustausch wird in Zempow der Aufbau eines Zentrums für umweltgerechte Landentwicklung vorbereitet, in dessen Rahmen zukünftig verschiedene Modellvorhaben verwirklicht werden sollen.

Unternehmen, Gemeinde, Vereine und Bürger verfolgen in Zempow ein gemeinsames Ziel: die zukunftsfähige Ortsentwicklung bei sinnvoller Nutzung örtlicher und regionaler Potentiale. Dr. Wilhelm Schäkel vom Unternehmensverbund hebt dies besonders hervor: "Die Potentiale Zempows sehen und entwickeln, das ist zum Motto unseres Dorfes geworden." (1.340 Zeichen)