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Aktive Baulandpolitik für Stadt und Umland (Vortrag)

Fachtagung Difu / BBR, vom 29.-30. Oktober 2001 in Berlin

Vortrag:

Indikatoren für ein haushälterisches Bodenmanagement - Praxisbericht aus dem ExWoSt-Projekt "Städte der Zukunft"
Modellvorhaben Münster
Dr. Thomas Hauff, Münster

1. Haushälterisches Bodenmanagement - alte Aufgabe mit neuer Relevanz

Bereits seit der zweiten Hälfte der 80er Jahre ist ein sparsamer und schonender Umgang mit Grund und Boden als Optimierungsgebot im Planungsrecht verankert. Im Zusammenhang mit der gewachsenen Baulandnachfrage in der ersten Hälfte der 90er Jahre gewannen Fragen der Flächeninanspruchnahme und Siedlungsdispersion erneut an Bedeutung. Bei der Umsetzung des Rio- und Habitat II-Prozesses ergaben sich durch die Novellierung des Baugesetzbuches und des Raumordnungsgesetzes neue rechtliche Rahmenbedingungen, indem das Ziel einer nachhaltigen Stadt- und Raumentwicklung als Leitvorstellung in das Planungsrecht eingebracht wurde. Im Kontext eines haushälterischen Bodenmanagements ist darüber hinaus auch eine verbesserte Bodenschutzklausel relevant.

Hieraus resultiert, dass kommunales Flächenmanagement verstärkt das Ziel der nachhaltigen Entwicklung und insbesondere einen sparsamen und schonenden Umgang mit Grund und Boden berücksichtigen muss. Problematisch ist hierbei, dass es für die "Nachhaltigkeit" einer Stadtentwicklung keine anerkannten Indikatoren gibt. Sowohl die Agenda 21 als auch die Habitat-Agenda fordern daher die Entwicklung von Wohn- und Siedlungsindikatoren. Auch die Charta von Aalborg und der Lissabonner Aktionsplan sprechen sich für Nutzung von Zukunftsbeständigkeits-Indikatoren zur Erfolgskontrolle aus. Mit der Enquete-Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt" des 13. Deutschen Bundestages (1998) lässt sich somit festhalten: "Monitoring tut not".

Hier setzt das ExWoSt-Modellvorhaben "Städte der Zukunft" an, in dem seit 1997 quantitative und qualitative Maßstäbe für eine nachhaltige Stadtentwicklung erarbeitet werden. Damit soll ein Beitrag für die Operationalisierung einer nachhaltigen Stadtentwicklung geleistet werden. In dieses Modellvorhaben sind Münster, Dessau, Heidelberg und Güstrow als Modellstädte unter der Projektleitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) eingebunden.

Zur Umsetzung nachhaltiger Stadtentwicklungsstrategien liegt in Münster bereits ein breiter Erfahrungshintergrund vor (vgl. Hauff 1998). Ebenso ist aufgrund umfangreicher Vorarbeiten der Fachämter eine gute Datengrundlage vorhanden, auf die im Modellvorhaben aufgebaut werden konnte. Hinzu kommen umfassende Erfahrungen mit dem Einsatz Geographischer Informationssysteme sowie eine Wertschätzung für indikatorengestütztes Arbeiten in Politik und Verwaltung. Die im ExWoSt-Forschungsfeld "Städte der Zukunft" eingegangene Verpflichtung zu einer datengestützten Berichterstattung und einer prozessbegleitenden Erfolgskontrolle fügt sich somit zum einen in die Kontinuität der bisherigen Stadtentwicklungspolitik in Münster ein, zum anderen resultieren hieraus innovative Impulse zur Weiterentwicklung der bisherigen Ansätze.

Im folgenden wird zunächst das ExWoSt-Projekt "Städte der Zukunft" kurz vorgestellt. Daran schließt sich eine Erläuterung ausgewählter Praxisbeispiele aus dem Handlungsfeld "Haushälterisches Bodenmanagement" an. Zum Abschluss werden die Münsteraner Erfahrungen bei der Entwicklung des Ansatzes für eine prozessbegleitende Erfolgskontrolle reflektiert.

Der Praxisbericht zeigt, dass durch die Ergebnisse der indikatorengestützten Erfolgskontrolle Transparenz geschaffen, die Diskussion qualifiziert, ein Gewinn an steuerungsrelevanten Informationen erzeugt und ein zielgenauerer Ressourceneinsatz ermöglicht werden. Damit trägt indikatorengestützte Baulandpolitik sowohl den Belangen eines haushälterischen Bodenmanagements als auch den Zielen einer effizienten und aktiven Baulandpolitik Rechnung. Allerdings verlangt ein indikatorengestütztes Arbeiten einen nicht unwesentlichen Ressourceneinsatz für Aufbau und Pflege der entsprechenden Datengrundlagen sowie eine Veränderung traditioneller Entscheidungs- und Steuerungsprozesse.

2. "Städte der Zukunft" - Beitrag zur Operationalisierung nachhaltiger Stadtentwicklung

Bei dem ExWoSt-Modellvorhaben "Städte der Zukunft" handelt es sich um ein Forschungsfeld im Rahmen des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW), das vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) betreut wird. Als Geschäftsgrundlage für die Zusammenarbeit des Bundes mit den Modellstädten Münster, Dessau, Heidelberg und den Bundesländern wurde die "Qualitätsvereinbarung für ein Bündnis Städte der Zukunft" erarbeitet (vgl. Fuhrich 1998, BBR 1999).

Ziel des Modellvorhabens ist es, durch wissenschaftlich gestützte Strategien und Maßnahmen zu einer nachhaltigen Städtebaupolitik beizutragen. Die Modellstädte dienen als "städtebauliche Labors". Die Fortschritte auf dem Weg zur Stadt der Zukunft sollen gemäß der Qualitätsvereinbarung durch eine datengestützte Berichterstattung und eine prozessbegleitende Erfolgskontrolle unter Beweis gestellt werden. Diese bilden die Grundlage, um quantitative und qualitative Maßstäbe für die Beurteilung stadtentwicklungspolitischer und raumwirksamer Handlungen zu erarbeiten und den Anspruch auf eine Operationalisierung nachhaltiger Stadtentwicklung einzulösen.

Die Entwicklung von quantitativen und qualitativen Maßstäben konzentriert sich auf fünf städtebauliche Handlungsfelder:

  • Haushälterisches Bodenmanagement
  • Vorsorgender Umweltschutz
  • Stadtverträgliche Mobilitätssteuerung
  • Sozialverantwortliche Wohnungsversorgung
  • Standortsichernde Wirtschaftsförderung

Entsprechend dem Ressortinteresse des ehemaligen Bundesbauministeriums stehen Strategien mit unmittelbarem Raum- und Flächenbezug im Mittelpunkt des Modellvorhabens. Damit gilt das Hauptinteresse dem Handlungsfeld "Haushälterisches Bodenmanagement".

Zur Absicherung eines haushälterischen Bodenmanagements haben sich die Modellstädte zu einer prozessbegleitenden Erfolgskontrolle verpflichtet. Diese prozessbegleitende Erfolgskontrolle baut auf einer datengestützten Berichterstattung über die Entwicklung der Flächennutzung mittels eines Datenmonitors auf (vgl. Abb. 1). Die Qualitätsvereinbarung enthält einen Orientierungswert für das haushälterische Bodenmanagement. Der Orientierungswert stellt keinen bundeseinheitlichen "Richtwert" dar, sondern eine Orientierungsgröße, die ortskonkret erprobt und spezifiziert werden soll. Als Orientierungswert wurde vereinbart, dass zur Reduzierung des weiteren Siedlungsflächenzuwachses das Verhältnis von Innen- zu Außenentwicklung 3:1 betragen soll.

Datenmonitor Haushälterisches Bodenmanagement Münster

Als innovatives Instrument einer quantitativen Erfolgskontrolle wurden Indikatoren entwickelt, die den Datenmonitor mit dem Orientierungswert in Beziehung setzen (vgl. Abb. 2). Mit Hilfe der Indikatoren soll beispielhaft verdeutlicht werden, welche Fortschritte auf dem Weg zur Stadt der Zukunft zu erreichen sind. Insgesamt umfasst die prozessbegleitende Erfolgskontrolle im ExWoSt-Projekt "Städte der Zukunft" 24 Standardindikatoren, die Auskunft über die Umsetzung der städtebaulichen Strategien und der Orientierungswerte in den fünf städtebaulichen Handlungsfeldern geben (vgl. Übersicht 1). Damit handelt es sich um einen ganzheitlichen und strategiegeleiteten Ansatz.

Elemente der prozessbegleitenden Erfolgskontrolle

Übersicht 1: Elemente der prozessbegleitenden Erfolgskontrolle

  • Qualitätsvereinbarung "Bündnis Städte der Zukunft"
  • 5 städtebauliche Handlungsfelder
  • 21 städtebauliche Strategien
  • 5 Orientierungswerte
  • 24 Standardindikatoren
  • 40 Zusatzindikatoren

Quelle: Zusammenstellung nach Fuhrich (2001)

Für das haushälterische Bodenmanagement wurden unter Bezugnahme auf die entsprechenden 5 städtebaulichen Strategien 11 Standardindikatoren entwickelt (vgl. Fuhrich/Dosch 2000) (vgl. Abb. 3). Die bisherige Erprobungsphase ergab, dass 4 dieser Indikatoren aufgrund fehlender bzw. nur sehr aufwendig zu beschaffender Daten für einen gesamtstädtischen Einsatz gegenwärtig nicht empfohlen werden können. Stattdessen wird ersatzweise mit Fallstudien gearbeitet.

Indikatoren für ein haushälterisches Bodenmanagement

Die Erfolgskontrolle wird räumlich differenziert durchgeführt. Im Kontext der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung ist insbesondere die Differenzierung in Innenentwicklung und Außenentwicklung von Bedeutung. Hierzu ist zu Forschungszwecken gemeinsam mit den Forschungsagenturen eine einmalige Abgrenzung zum 01.01.1997 getroffen worden. Zusätzlich werden zur Bewertung der Entwicklungen Daten aus dem Umland herangezogen. Dies trägt der auch immer wieder von Münster eingebrachten Tatsache Rechnung, dass die Entwicklung von Städten nicht isoliert vom Umland betrachtet werden kann.

3. Ausgewählte Praxisbeispiele aus dem Handlungsfeld "Haushälterisches Bodenmanagement"

Die Erarbeitung eines Ansatzes für eine prozessbegleitende Erfolgskontrolle im Bereich "haushälterisches Bodenmanagement" betrat im wesentlichen Neuland. Von der Formulierung von Meßvorschriften zur Überprüfung der städtebaulichen Strategien bis zur Frage der Datenbeschaffung und den Aufbau der notwendigen kleinräumigen Raumbezüge wurde ein arbeitsintensiver Diskussionsprozess durchlaufen (vgl. Dosch/Fuhrich 1999, Fuhrich/Dosch 2000). An dem Prozess waren Modellstädte, Referenzstädte, Forschungsagenturen und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung beteiligt. Nunmehr liegen getestete Prototypen vor, deren Entwicklung und Verwendung im folgenden an ausgewählten Beispielen vorgestellt werden soll.

Kernanliegen einer nachhaltigen Stadtentwicklung bildet die Reduzierung des Zuwachses an bebauter Siedlungsfläche. Hierzu wurde als Orientierungswert ein deutlicher Vorrang der Innenentwicklung vereinbart (Innenentwicklung vor Außenentwicklung im Verhältnis 3:1). Tabelle 1 macht deutlich, dass die Modellstädte für den Zeitraum 1997 - 1999 den Orientierungswert weitgehend erreicht haben. Die bisherige Konzentration auf den Bestand und die Zurückhaltung bei der Ausweisung neuer Flächen lassen aber für den Zeitraum 2000 - 2002 erwarten, dass bei entsprechender Entwicklungsdynamik ein Erreichen des Wertes erheblich schwerer fallen dürfte (vgl. BWVBW/BMZ 2001, S. 66).

Tabelle 1: Siedlungsentwicklung in den ExWoSt-Modellstädten nach Innenentwicklung und Außenentwicklung

Münster

3 : 1

Heidelberg

5 : 1

Dessau

3,5 : 1

Güstrow

4 : 1

Quelle: BWVBW/BMZ 2001, S. 66

Hinter diesen Zahlen für das Verhältnis von Innen- und Außenentwicklung verbirgt sich eine differenzierte Flächenbilanzierung (vgl. Tab. 2). Die Bilanzierung zeigt für Münster, dass die Siedlungs- und Verkehrsfläche zwischen 1997 und 1999 um ca. 4 % angestiegen ist, wovon 74,4 % auf den Innenbereich und 25,6 % auf den Außenbereich entfielen. An dem Siedlungs- und Verkehrsflächenzuwachs machten die Erholungsflächen den größten Anteil aus (40 %), gefolgt von Nichtwohnbauflächen (27 %) und den Wohnbauflächen (25,5 %), während sich die Betriebsfläche sogar leicht verringerte.

Tabelle 2: Entwicklung der Siedlungs- und Verkehrsfläche im Stadtgebiet Münster zwischen 1997 und 1999 (in m²)

ALK-Nutzungsart

Gesamtstadt

davon: Innenbereich

davon: Außenbereich

Wohnbaufläche

+871.065

+803.121

+67.944

Nichtwohnbaufläche

+922.976

+658.707

+264.269

Erholungsfläche

+1.373.923

+1.001.104

+372.819

Betriebsfläche

-11.320

-28.714

17.394

Verkehrsfläche

+264.442

+109.089

+155.353

Summe: Siedlungs-/Ver-kehrsfläche

+3.421.086

+2.543.307

+877.779

Quelle: Hauff/Noetzel (2000)

Im Kontext des kommunalen Bodenmanagements ist insbesondere der Indikator "Baureife Baulandreserven und deren Mobilisierung" von Interesse. Die Arbeit mit diesem Indikator erfordert eine entsprechende kleinräumige Datenlage. Hier war die Situation in Münster insofern sehr günstig, als dass auf die Ergebnisse der laufenden Raumbeobachtung an Wohnbauland- und Gewerbeflächen zurückgegriffen werden konnte (vgl. Hauff 2001).

Ursprünglich bestand die Idee, mit Hilfe der Bestandserfassung von Baulandreserven zu den beiden Zeitschnitten 1997 und 1999 Erkenntnisse über die Mobilisierungsleistung zu gewinnen (vgl. Tab. 3). Die Erprobung des Indikators hat jedoch gezeigt, dass der bloße Vergleich des Ausgangsbestandes 1997 an baureifen Baulandreserven mit dem Stand Ende 1999 zu kurz greift. Aufgrund der dynamischen Entwicklung auf dem Baulandmarkt muss auch der Zugang und die Mobilisierung baureifer Baulandreserven in den dazwischen liegenden Jahren berücksichtigt werden muss. Die Weiterentwicklung des Indikators nimmt diesen Aspekt auf, indem neben dem Bestand und der Mobilisierung auch der Umsatz der einzelnen Jahre aufgeführt wird.

Tabelle 3: Bestandserfassung und Mobilisierung baureifer Baulandreserven in Münster (in m²)

Flächenkategorie 01.01.1997 31.12.1999
Wohnbauland 541.445 m² 797.791 m²
 
Gewerbebauland 515.020 m² 564.190 m²

Quelle: Hauff/Noetzel (2000)

Die dynamische Entwicklung auf dem Baulandmarkt lässt sich gut am Beispiel des Gewerbebaulandes aufzeigen. Anfang 1997 war ein Ausgangsbestand von 51,5 ha vorhanden (vgl. Tab. 3). In den Wert von 56,4 ha (1999) gehen sowohl die nicht mobilisierten Teile des Ausgangsbestandes als auch der zwischenzeitliche Zugang an Gewerbebauland ein. Im Einzelnen haben sich folgende Entwicklungen vollzogen, die sich mit Hilfe des kleinräumigen Bauflächenmonitorings nachweisen lassen.

Von dem Ausgangsbestand 1997 wurden bis Ende 1999 11,5 ha mobilisiert, so dass 40 ha in den Bestand 1999 eingehen und sich eine Mobilisierungsquote von 22,3 % ergibt. Bei der Interpretation dieser scheinbar geringen Mobilisierungsquote ist zu berücksichtigen, dass von den baureifen Gewerbebaulandreserven des Jahres 1997 aufgrund von Restriktionen und bereits vorgenommenen Zuordnungen 51 % der Flächen für eine Mobilisierung nicht uneingeschränkt zur Verfügung standen. Darüber hinaus befanden sich von restlichen 49 % nicht alle Flächen in städtischem Besitz, so dass die Mobilisierung dieser Flächen nicht allein städtischen Zielvorstellungen unterliegt.

Neben dem nicht mobilisierten Teil des Ausgangsbestandes geht in Bestand 1999 auch der zwischenzeitliche Zugang an baureifem Gewerbebauland ein. Zwischen 1997 und 1999 wurde 33,2 ha Gewerbebauland baureif, von denen 16,8 ha bereits bis 1999 wieder mobilisiert wurden. Die restlichen 16,4 ha bilden zusammen mit dem nicht mobilisierten Ausgangsbestand von 1997 (40 ha) den Gewerbeflächenbestand Ende 1999 (56,4 ha) (vgl. Tab. 3). Unter Berücksichtigung der Mobilisierung des Gewerbebaulandzugangs der Jahre 1997, 1998 und 1999 ergibt sich damit eine Mobilisierungsquote von 33,4 %.

Diese Entwicklungen sind analog auch auf die Wohnbaulandreserven zu übertragen. Die Stichtagswerte der Tabelle 3 machen nicht die Mobilisierungsraten innerhalb des Zeitraums deutlich. Dies zeigt sich u.a. an der Anzahl der zwischen 1997 und 1999 fertiggestellten Wohnungen (5.770 WE). Der Anstieg der baureifen Wohnbaulandreserven geht wesentlich auf die Rechtskraft eines Vorhaben- und Erschließungsplanes mit 48,3 ha im Jahr 1997 zurück.

Der Indikator "Fertiggestellte Wohnungen" hat darüber hinaus sehr deutlich die Problematik der gewählten Zeitschnitte (01.01.1997, 01.01.2000) gezeigt (vgl. Tabelle 4), da der Eingangsstatus (Ende 1996) die geringste Zahl an Baufertigstellungen seit 1991 in Münster darstellt.

Tabelle 4: Wohnungsbaufertigstellung nach Wohnungsart in Münster

Jahr

Gesamtfertigstellungen

Davon: WE in Einfamilienhäusern

Davon: WE in Mehrfamilienhäus.

1996

1.245

416

829

1997

1.855

498

1.357

1998

1.784

545

1.238

1999

2.131

579

1.552

Quelle: Stadt Münster (2001)

Um dieser Problematik gerecht zu werden, wurde der Indikator "Fertiggestellte Wohnungen" dahingehend weiterentwickelt, dass nunmehr Durchschnittswerte für die Perioden 1997-2000 und 2000-2003 betrachtet werden.

4. Erfahrungen bei der Umsetzung einer indikatorengestützten Erfolgskontrolle im Handlungsfeld "Haushälterisches Bodenmanagement"

Der im Forschungsfeld "Städte der Zukunft" erarbeitete Ansatz verfolgt das Ziel einer bundesweiten Anwendbarkeit. Damit spielen Kriterien, wie Datenverfügbarkeit, Erhebungsaufwand und Übertragbarkeit eine wichtige Rolle. Hieraus resultierte für das Bodenmanagement eine Konzentration auf allgemein verfügbare Daten des Liegenschaftskatasters. Entsprechend wurde auf andere denkbare Ansätze, wie z.B. die in Münster bereits eingesetzte Erfassung von Realnutzungsveränderungen mit Color-Infrarot-Luftbildern, aufgrund des Erhebungsaufwandes und der damit eingeschränkten Übertragbarkeit verzichtet (vgl. Hauff 1999).

Der Schwerpunkt "Flächen-/Raumbezug" machte die Erarbeitung von operationalisierten Meßanleitungen notwendig, da in diesem Bereich nicht auf Vorleistungen zurückgegriffen werden konnte. Dabei zeigte sich die differierende Datenlage in den Modellstädten und die örtlich unterschiedliche Problemlage. Bei der Erarbeitung der Meßanleitungen wurde schnell das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach meßtechnischer Genauigkeit durch Präzisierung der Datendefinition auf der einen Seite und der Notwendigkeit "verständlicher" Darstellungen mit guter Kommunizierbarkeit auf der anderen Seite deutlich. Hier sind noch optimierte Lösungen zu erarbeiten.

Die nach Innen- und Außenentwicklung differenzierte Erfolgskontrolle ist ohne den Einsatz eines Geographischen Informationssystems kaum zu leisten. In Münster konnte auf vorhandene Erfahrungen aus dem Umwelt- und Liegenschaftsbereich zurückgegriffen werden. Dieses hat zusammen mit den Daten der kleinräumigen Wohnbauland- und Gewerbeflächenbeobachtung die nach Innen- und Außenbereich differenzierte Arbeit erheblich erleichtert.

Die Diskussion um eine indikatorengestützte Erfolgskontrolle des haushälterischen Bodenmanagements darf sich jedoch nicht auf die kommunale Ebene beschränken. Um diesem Aspekt gerecht zu werden, wurde in einem ersten Schritt eine regionale Gebietskulisse aus verfügbaren Sekundärdaten abgeleitet. Langfristig ist die Übertragung des Indikatorenansatzes auf die regionale Ebene zu fordern. Obwohl hier mit Problemen hinsichtlich der Datenverfügbarkeit zu rechnen ist, bleibt festzuhalten, dass eine sachadäquate Bewertung des kommunalen haushälterischen Bodenmanagements nur unter Einzug des regionalen Kontextes erfolgen kann.

Bisher wurden im Forschungsfeld "Städte der Zukunft" Indikatoren-Prototypen entwickelt, die von den vier Modellstädten getestet wurden und deren Übertragbarkeit prinzipiell gegeben ist. Die in der Hälfte des Jahres 2002 beginnende Pilotphase muss zeigen, ob es genügend Kommunen in Deutschland gibt, die unter "Normalbedingungen" bereit sind, sich dem Thema "Erfolgskontrolle" und "strategische Steuerung" zu stellen. Das Zeitfenster hierfür könnte angesichts der Bemühungen um die Einführung eines outputorientierten Steuerungsmodells günstig sein, da hierdurch eine indikatorengestützte Arbeitskultur in Verwaltung und Politik Eingang findet.

Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass der Ansatz "Städte der Zukunft" neben dem haushälterisches Bodenmanagement noch vier weitere Handlungsfelder einschließt. Damit steht ein ganzheitlicher Ansatz zur Erprobung, der in den Kommunen auf zunehmende Sektoralisierungstendenzen trifft. Hieraus könnte resultieren, dass eine Beschränkung auf einzelne Handlungsfelder (z.B. Bodenmanagement) oder einzelne Schlüsselindikatoren (z.B. Mobilisierung baureifer Baulandreserven) notwendig werden könnte. Letztlich werden sich die Prototypen nur dann in der Praxis durchsetzen können, wenn sie angesichts der kommunalen Finanzknappheit nicht zusätzliche Ressourcen erfordern, sondern vielmehr mittelfristig ein effizientes Arbeiten fördern.

Trotz dieser in der anstehenden Pilotphase zu klärenden Fragen kann bereits jetzt festgehalten werden, dass der grundsätzliche Wert indikatorengestützten Arbeitens außer Frage steht. Fuhrich (2001, S. 2) fomuliert als Quintessenz der bisherigen Arbeiten im Forschungsfeld "Städte der Zukunft" folgenden Nutzen des Einsatzes von Indikatoren:

  • Erfolgsindikatoren markieren den Fortschritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung
  • Erfolgsindikatoren optimieren dauerhaft den intelligenten Einsatz knapper Ressourcen
  • Erfolgsindikatoren verbessern die Steuerung von Stadtentwicklungsprozessen
  • Erfolgsindikatoren führen zu höherer Transparenz der Fachaufgaben
  • Erfolgsindikatoren fördern die Kooperation der kommunalen Akteure
  • Erfolgsindikatoren bieten eine sachliche Grundlage für Förderprioritäten"

Die Münsteraner Erfahrungen im Projekt "Städte der Zukunft" bestätigen diese Position. Insbesondere auch die Erfahrungen mit einer indikatorengestützten Baulandpolitik machen den Wert einer kontinuierlichen Erfolgskontrolle deutlich (vgl. Hauff 2001). Die laufende Raumbeobachtung der Wohnbauland- und Gewerbeflächen liefert aktuelle Steuerungsinformationen zum Flächenmanagement und macht anhand politisch festgelegter Zielwerte eine kontinuierliche Erfolgskontrolle möglich. Somit trägt eine indikatorengestützte Baulandpolitik sowohl den Belangen einer vorsorgenden Baulandpolitik als auch den eines haushälterisch Bodenmanagements Rechnung.

Einen entscheidenden Stellenwert bei einer indikatorengestützten Erfolgskontrolle spielen die Zielwerte. Alle bisherigen Erfahrungen zeigen, dass indikatorengestützte Berichterstattung den gesellschaftlichen Diskurs und die politische Willensbildung unterstützt. Es bedarf jedoch einer parlamentarischen Entscheidung, die sozialen, ökologischen und ökonomischen Belange der Nachhaltigkeit in einem ausgewogenen Zielwert zusammenzuführen. Hierfür liefert die indikatorengestützte Baulandpolitik die notwendigen Informationen und laufende Einschätzungen über den Erfolg der bisherigen Maßnahmen.


Literatur

Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen/Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2001): Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung. Nationalbericht der Bundesrepublik Deutschland. Berlin.

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hg.) (1999): Städte der Zukunft. Auf der Suche nach der Stadt von morgen. Bonn (= Werkstatt: Praxis 4/1999).

Döhne, H.-J./Krautzberger M. (1997): Nachhaltige Siedlungsentwicklung. Zum Stand der Umsetzung der Weltsiedlungskonferenz HABITAT II 1996. In: BBauBl. 46, H. 2, S. 82-86.

Dosch, F./Fuhrich M. (1999): Konzept und Indikatorenprofile für eine indikatorengestützte Erfolgskontrolle im Handlungsfeld "Haushälterisches Bodenmanagement" des ExWoSt-Forschungsfeldes "Städte der Zukunft". Bonn (BBR Arbeitspapiere 3/1999).

Fuhrich, M. (1998): Städte der Zukunft - Auf der Suche nach der Stadt von morgen. In: BBauBl. 47, H. 1, S. 10-13.

Fuhrich, M. (2001): Kompass für den Weg zur Stadt der Zukunft. Indikatorengestützte Erfolkskontrolle nachhaltiger Stadtentwicklung. Eine Orientierungshilfe (www.staedte-der-zukunft.de/PDF/Kompass-10-2001.pdf)

Fuhrich, M./Dosch, F. (2000): Städte der Zukunft - Indikatoren als Instrument zur Umsetzung einer haushälterischen Bodenpolitik. In: UVP-Report H. 5, S. 242-245

Hauff, Th. (1998): Nachhaltiges Münster - Leitlinien der räumlichen Stadtentwicklungsplanung. In: BBauBl. 47 (H. 8), S. 44-48.

Hauff, Th. (1999): Münster - Haushälterisches Bodenmanagement und indikatorengestützte Erfolgskontrollen - Modellvorhaben "Städte der Zukunft". Beitrag für das Difu-Seminar "Kommunales Flächenmanagement - Baulandpolitik im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen". Berlin (Masch.)

Hauff, Th. (2001): Münster - Vom Bauflächenmonitoring zur indikatorengestützten Baulandpolitik. In: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hg.): Indikatorengestützte Erfolgskontrolle in der Stadtentwicklung - praktische Erfahrungen in Modellstädten. Bonn, S. 3-6 (= BBR-Arbeitspapiere 2/2001)

Hauff, Th./Noetzel, U. (2000): ExWoSt "Städte der Zukunft". Endbericht 2000 der Stadt Münster zum Handlungsfeld "Haushälterisches Bodenmanagement". Münster (Masch.)

Stadt Münster (2001): Wohnbaulandentwicklung. Einwohner - Bautätigkeit - Baulandentwicklung. Münster (= Beiträge zur Stadtforschung, Stadtentwicklung, Stadtplanung 1/2001)

Vom kommunalen zum regionalen Bodenmanagement
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